Nürnberg
Schulpflicht

Polizei erwischt Schulschwänzer am Flughafen Nürnberg - Faktencheck zu Schulpflicht und Strafen

Obwohl die Pfingstferien in Bayern noch gar nicht begonnen hatten, wollten einige Eltern mit Kindern schon ab dem Nürnberger Flughafen in den Urlaub fliegen. Das kann teuer werden: Ein Überblick über die Regelungen zur Schulpflicht und den Umgang mit Schulschwänzern.
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Obwohl die Pfingstferien in Bayern noch gar nicht begonnen hatten, wollten einige Eltern mit Kindern schon ab dem Nürnberger Flughafen in den Urlaub fliegen.  Symbolbild: Peter Roggenthin/dpa
Obwohl die Pfingstferien in Bayern noch gar nicht begonnen hatten, wollten einige Eltern mit Kindern schon ab dem Nürnberger Flughafen in den Urlaub fliegen. Symbolbild: Peter Roggenthin/dpa

Elf Schulschwänzer in Nürnberg erwischt: Zu Beginn der Pfingstferien hat die Polizei an Flughäfen in Bayern rund 20 Familien erwischt, die ihre Kinder die Schule schwänzen ließen. Alleine in Nürnberg entlarvten Beamte in elf Fällen Eltern, die mit dem Nachwuchs lieber in den Urlaub flogen, statt die Kinder in den Unterricht zu schicken. Auf mehrere Familien kommt demnach eine Anzeige und ein Bußgeld zu.

Es locken günstige Flüge und weniger Stau, wenn die Reise vor den Schulferien beginnt. Was aber nützt das beste Sonderangebot, wenn Bußgelder drohen? Wir haben Fragen und Antworten zum Thema Schulpflicht und Schwänzen:

 


Seit wann gilt in Deutschland die allgemeine Schulpflicht?

Seit 1919. Damals wurde der regelmäßige Besuch der Schule in die Weimarer Verfassung aufgenommen - als Recht, aber eben auch als Pflicht für alle. Höhere Bildung sollte nicht länger das Privileg der Reichen und Mächtigen sein, sondern allen zugute kommen. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende des Kaiserreichs wollten die Schulreformer neue Impulse für die Demokratisierung von Staat und Gesellschaft setzen.

 

 


Gibt es heutzutage eine bundesweite Regelung?

Nein. Nur der staatliche Erziehungsauftrag findet sich im Grundgesetz, Details sind Sache der Länder. Dauer und Inhalt der Schulpflicht regelt das jeweilige Schulgesetz - ebenso die Strafen, mit denen Verstöße gegen die Schulpflicht sanktioniert werden können.

 

 

 


Welche Strafen drohen, wenn ein Schüler unentschuldigt fehlt?

Eltern, deren Kinder ohne Zustimmung der Schule fehlen, drohen Verwarn- oder Bußgelder. Deren Höhe legen Städte und Kommunen selber fest. Das beginnt bei wenigen Euro pro Tag und kann bis zu insgesamt 2500 Euro reichen - wie zum Beispiel in Berlin. 2013 wurde dort eine Mutter sogar zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt - wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht. Ihr Sohn hatte an fast 1000 Tagen die Schule geschwänzt.


Wie geht die Polizei vor?

Die Bundespolizei achtet bei der Passkontrolle und die Landespolizei bei allgemeinen Kontrollen darauf, ob zu normalen Schulzeiten Eltern mit schulpflichtigen Kindern unterwegs sind, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Flughafen München. Eine Straftat ist das unerlaubte Fernbleiben vom Unterricht in Bayern nicht, aber eine Ordnungswidrigkeit.

Bei Verdachtsfällen an allen Flughäfen ließen sich die Beamten Genehmigungen der Schulen zeigen. Konnten Eltern ein solches Dokument nicht vorzeigen, erkundigte sich die Polizei bei der Schule. Ob in Einzelfällen Kinder vom Flughafen zurück in die Schule mussten, blieb zunächst unklar.


Wie häufig sind solche Bußgeldverfahren?

Im Schuljahr 2016/17 wurden allein in Berlin in mehr als 860 Fällen Bußgelder verhängt. In der Regel gehen Gespräche mit den Eltern voraus. Erst wenn die erfolglos bleiben, flattert der Bußgeldbescheid ins Haus. Mitunter versuchen die Vollziehungsbeamten vergeblich, das Geld bei den Familien einzutreiben. Oft seien die Betroffenen zu arm, um die Strafe zu begleichen, heißt es.


Weitere Informationen zum Thema:

 


Einen Überblick über die Geschichte der Schulpflicht finden Sie hier.



Mehr zu den Regelungen der Schulpflicht in Bayern finden Sie hier.

 



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