Bamberg
Kinder-Uni

Stadtpflanze oder Landei: Was bist du?

Ob wir in einer Stadt oder auf dem Dorf wohnen, hat einen großen Einfluss auf unser Leben.
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"Stadt und Land: Wo findet man beide und wie lebt man dort?" So lautete der Titel der zweiten Kinder-Uni-Vorlesung. Foto: Matthias Hoch
"Stadt und Land: Wo findet man beide und wie lebt man dort?" So lautete der Titel der zweiten Kinder-Uni-Vorlesung. Foto: Matthias Hoch
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Kennt ihr die Geschichte von der Stadtmaus und der Landmaus? Nun, die Stadtmaus beschließt eines Tages, ihre Mausfreundin auf dem Land zu besuchen. Die Landmaus ist sehr stolz auf das ruhige, natürliche Leben auf dem Land. Doch die Stadtmaus findet das zuerst alles andere als toll: Sie ekelt sich vor den Kuhfladen und erschrickt ganz doll, als sie eine Kuh mit großen Hörnern sieht. In der Stadt hat sie so etwas noch nie gesehen. Doch sie muss zugeben, dass der Sternenhimmel auf dem Land schöner ist als in der Stadt und die Beeren hier viel süßer schmecken.

Als sie die Landmaus zu sich in die Stadt einlädt, will sie ihr zeigen, was hier alles los ist: Kinos, Geschäfte, Lichter, Partys und vieles mehr. Die Landmaus findet das sehr aufregend, aber von den vielen Gerüchen, Geräuschen und Lichtern wird ihr ganz schlecht. Beide erkennen, dass das Leben der anderen Maus sehr aufregend und anders ist, aber sie lieber da bleiben, wo sie zu Hause sind ...

Marc Redepenning und Anne Allmrodt sind gerade in die Rolle der beiden Mäuse geschlüpft. Warum? Beide sind Wissenschaftler an der Universität Bamberg und befassen sich mit Geografie. Heute geben sie eine Vorlesung an der Kinder-Uni, um etwa 70 Mädchen und Jungen vom Leben in der Stadt und auf dem Land zu erzählen. Weil sie Wissenschaftler sind, geht's auch gleich mit der Forschung los: "Wo lebt ihr denn? Auf dem Land oder in der Stadt?", will Professor Marc Redepenning wissen. Die jungen Studierenden können mit einer blauen oder einer gelben Karte abstimmen. Auf der blauen Karte prangt ein schwarzes "L" für "Land", auf der gelben ein "S" für "Stadt". Die Mehrheit kommt aus der Stadt, aber viele Kinder halten die blaue Karte hoch."Wow, viele von euch leben auf dem Land, das habe ich nicht erwartet", gibt Anne Allmrodt zu.

Die Mehrheit wohnt in Städten

Seit dem Jahr 2007 leben weltweit mehr Menschen in Städten als in ländlichen Gebieten. Damit die vielen Menschen dort arbeiten und wohnen können, wird ganz viel gebaut. "Denn eine Aufgabe der Stadt ist es, dass sie ein breites Angebot an Arbeitsplätzen bietet", erklärt Marc Redepenning. Außerdem muss eine Stadt Kulturaufgaben erfüllen - mit Kinos, Opernhäusern, Theatern und Proberäumen. Sie muss auch hoch qualifizierte Bildung ermöglichen, etwa mit Gymnasien und Universitäten. Auch Krankenhäuser, Schulen, wichtige Behörden und andere Einrichtungen muss eine Stadt für die Menschen bereitstellen.

Der Bäcker hat zugemacht

Doch was passiert, wenn immer mehr Menschen in die Stadt ziehen oder tagsüber in die Stadt fahren, um dort zu arbeiten? Es wird eng! Das hat auch die zehnjährige Zoe aus Bamberg gemerkt. Bamberg wächst und hat bald 78 000 Einwohner: "Da, wo wir immer gespielt haben, kommen jetzt neue Häuser hin. Das ist für uns blöd, weil wir dann nicht mehr Fußball spielen können."

Und was passiert auf dem Land? "Bei uns gab es eine Bäckerei und einen Metzger, aber die haben alle geschlossen", berichtet der neunjährige Levi. Er lebt mit seiner Familie in Buttenheim im Landkreis Bamberg. Buttenheim hat rund 3650 Einwohner. "Es gab auch zwei Wirtschaften, aber die eine hat zu. Das finde ich nicht schön."

Dabei hat auch das Land wichtige Aufgaben: In der Landwirtschaft wird unsere Nahrung produziert. Und auf dem Land gibt es große Naturschutzgebiete, die für saubere Luft und Trinkwasser sorgen. Zudem gibt es hier viel Platz für große Firmen. "Das Land erfüllt auch eine Erholungsaufgabe", sagt Anne Allmrodt. "Genau! Ich fahre oft zu Oma aufs Land!", ruft ein Junge.

Macht euch selbst ein Bild!

Auch die jungen Studierenden bekommen von den Wissenschaftlern eine Aufgabe auf: "Ihr habt gemerkt, dass wir viele Vorurteile über das Leben in der Stadt und auf dem Land haben", sagt Marc Redepenning. "Hört nicht so sehr auf die Klischees! Schaut euch die Orte selbst an. Jeder ist einzigartig und hat besondere Eigenschaften."

Nach der Vorlesung gehen die meisten Kinder erstmal nach Hause. Und wie? Die neunjährige Johanna radelt heim, denn sie wohnt in Bamberg. Sie liebt die kurzen Wege in der Stadt. Mika aus Breitengüßbach wartet dagegen auf das "Mama-Taxi". Sein Zuhause ist etwa zwölf Kilometer weit weg von der Uni. Seiner Mutter hat der Ausflug in die Stadt auch gefallen: "Ich war shoppen", verrät sie lachend.

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