Franken
Helfer in schweren Stunden

Erinnerungen an Sternenkinder

Professionelle Fotografien von Sternenkinder sind greifbare Erinnerungen für die Ewigkeit.
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Foto: Dein Sternenkind

Als Sternenkinder werden im ursprünglichen Sinn Babys bezeichnet, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm vor, während oder kurz nach der Geburt versterben. Im weiteren Sinne sind damit jedoch auch Kinder mit einem höheren Gewicht gemeint. Die Bezeichnung „Sternenkind“ kommt von der Vorstellung, dass die Babys bereits bei den Sternen – poetisch für Himmel – verweilen, noch bevor sie das Licht der Welt erblickt haben. Seit 2013 ist es in Deutschland möglich, tot geborene Kinder beim Standesamt in das Familienstammbuch eintragen zu lassen. Hierfür gilt keine Verjährungsfrist, sodass der Gang zum Amt auch rückwirkend problemlos möglich ist. Allerdings wird keine Personenstandsurkunde ausgestellt, da sie aus rechtlicher und medizinischer Sicht als Fehlgeburten gelten. Eine Annahme, die viele Betroffene vor den Kopf stößt, da Eltern bereits vor der Geburt eine starke emotionale Bindung zum Baby entwickeln.

Professionelle Trauerbegleiter

Trauer ist ein sehr individueller Prozess, bei dem jeder Betroffene etwas anderes als hilfreich empfindet. Wichtig ist es, sich selbst Zeit und Raum dafür zu geben. Während es dem einen hilft, über das Erlebte zu sprechen, haben die anderen ein Bedürfnis nach Rückzug. Kommen beide Seiten in einer Partnerschaft vor, sollte keine Schuldzuweisung geschehen, sondern Verständnis für den Umgang mit dem Schmerz aufgebracht werden. Oft hilft in dieser schwierigen Zeit der gemeinsame Gang zu einem Paargespräch. Auch professionelle Trauerbegleiter und der Austausch mit anderen Eltern sind Anlaufpunkte, die zeigen, dass man in dieser Situation nicht alleine ist.

Gemeinsames Trauern hilft

Der Tod eines Kindes wirkt sich nicht nur auf die Eltern, sondern auch auf das soziale Umfeld aus. Freunde und Familienmitglieder können mit der Situation ebenso überfordert sein und sich aufgrund von Unsicherheit vielleicht unbedarft verhalten. Ein offenes Gespräch über die Emotionen und Bedürfnisse aller Beteiligten bringt am ehesten Klarheit und Trost. Sind Geschwisterkinder in der Familie, ist es zudem ratsam, diese in den Trauerprozess miteinzubeziehen, damit sie verstehen, warum das Baby in Mamas Bauch plötzlich nicht mehr da ist. Wichtig ist auch, ihnen weiterhin das Gefühl zu geben, geliebt und wahrgenommen zu werden. Gemeinsames Trauern innerhalb der Familie kann wesentlich zum Verarbeitungsprozess aller beitragen. 

Erinnerungen für die Ewigkeit

Schockreaktionen auf den Tod eines Kindes sind ein Schutzmechanismus der Seele und führen dazu, dass die Betroffenen die Situation möglichst schnell beiseite wischen möchten. Bilder würden dabei nur schmerzliche Assoziationen hervorrufen. Sobald im Anschluss an diese Phase jedoch die Trauer einsetzt, kann es hilfreich sein, sich zuvor alle Optionen für die Bewältigung offen gehalten zu haben, wozu auch  Fotos gehören. Die Organisation „Dein Sternenkind“ wurde im Jahr 2013 von Fotograf und Filmemacher Kai Gebel gegründet, um Eltern, deren Baby vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben ist, Erinnerungsfotos zu schenken. Derzeit haben sich über 600 Fotografen der Initiative angeschlossen, die ihre Zeit und  die Bilder unentgeltlich zur Verfügung stellen. Die Fotografen bieten auch an, die Bilder erst zu zeigen, wenn die Eltern bereit dazu sind.

Iris Müller

Foto: Dein Sternenkind

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