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Streit oder Rivalität unter Kindern erkennen: Was Eltern tun können

Geschwisterliebe gehört, genauso wie Streitereien unter Geschwistern, zum Familienalltag. Eltern sollten allerdings einschreiten, wenn nicht Streit, sondern Rivalität entsteht.
 
Streitigkeiten zwischen Geschwistern sind völlig normal und gehören zu einer normalen Entwicklung dazu.
Streitigkeiten zwischen Geschwistern sind völlig normal und gehören zu einer normalen Entwicklung dazu. Foto: Victoria_Borodinova/Pixabay
  • Unterschied zwischen Streit und Rivalität
  • Wie entsteht Rivalität zwischen Geschwistern?
  • Unbewusste Ursachen und Rollenklischees
  • Richtig vermitteln zwischen den konkurrierenden Geschwistern

Meist freuen sich Kinder sehr auf nachfolgende Geschwisterchen. Ist es dann endlich so weit und das Geschwisterchen ist da, sieht plötzlich alles ganz anders aus. Die Eltern kümmern sich vermehrt um das Baby und das ältere Kind fühlt sich dadurch vernachlässigt. Meistens entstehen durch solche Erfahrungen des älteren Kindes bereits rivalisierende Gedanken in Richtung des kleinen Geschwisterchens um die elterliche Liebe und Zuneigung. Wächst das Geschwisterchen heran, wird aus dem Spielkameraden gleichzeitig unbewusst ein vermeintlich ernstzunehmender Konkurrent. Wir erklären den Unterschied zwischen normalen Streitereien und ernsthaften Rivalitäten und zeigen auf, was Eltern in solchen Situationen tun können.

Streit oder Geschwisterrivalität?

Dass zwischen Geschwistern gestritten wird, ist völlig normal. Meistens geht es dabei um die Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern. Woher Geschwisterrivalitäten genau kommen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass Konkurrenzdenken tief in uns verwurzelt ist und beispielsweise durch das Entthronen des Erstkindes entsteht. Laut Forschenden aus Oxford ist es gut möglich, dass das nächtliche Geschrei eines Babys bewusst stattfindet, um die "Produktion" eines Konkurrenten im elterlichen Schlafzimmer zu verhindern. Das erstgeborene Kind muss sonst lernen, zu teilen: vor allem Aufmerksamkeit, Zeit und die Liebe der Eltern. Das fällt schwer. Wut und Eifersucht entstehen. Ein eindeutiges Konkurrenzdenken seitens des älteren Kindes erkennt man an gesteigerter Aggressivität.

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Hier sollte man sich eventuell professionellen Rat einholen. Es hilft dem Erstkind Druck rauszunehmen, indem man es proaktiv bei dem Baby mithelfen lässt. Beispielsweise beim Füttern, Baden oder Wickeln des Babys. Das Erstkind lernt somit, Verantwortung für das Geschwisterchen zu übernehmen und den Vorteil zu erkennen 'Ich bin ja schon groß, ich kann das'. Ausschlaggebend für Geschwisterrivalitäten können beispielsweise klassische, alte Rollenklischees sein, die in der Familie oder im Umfeld gepflegt werden. Der Klassiker: Jungs sind stark und wild, Mädchen schwach und eher häuslich.

Auch das ständige Vergleichen von Geschwistern in oder außerhalb der Familie kann Konkurrenzdenken auslösen. Zudem kann die Wahl der entsprechenden Kleidung Kinder in eine Erwartungshaltung drängen, die sie für die Erwachsenen zu erfüllen haben. Das kann Druck und Konkurrenzdenken gegenüber dem Geschwisterchen auslösen. Eltern können hier gegensteuern, indem sie sich öfter mal für geschlechtsneutrales Spielzeug oder Kinderkleidung entscheiden.

Tipps für ein harmonisches Familienleben

Ein gewisses Maß an Eifersucht des erstgeborenen Kindes ist laut dem Schweizer Entwicklungspsychologen Professor Jürg Frick völlig normal. Mit einem angeborenen, natürlichen Konkurrenzdenken als Urinstinkt sichert das deutlich weiterentwickelte Erstkind im Ernstfall sein Überleben. Auch der Altersabstand spielt bei Eifersüchteleien eine Rolle. Ist der Altersabstand größer, erlebt man eindeutig weniger Konkurrenzverhalten zwischen den Kindern. Des Weiteren konkurrieren gleichgeschlechtliche Geschwister deutlich mehr, als Bruder und Schwester. Wichtig für die Eltern ist es, erstmal cool zu bleiben und den Kindern zu vermitteln, dass alle Geschwister gleich viel wert sind und gleichermaßen geliebt werden.

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Kein Kind wird bevorzugt oder benachteiligt. Anstatt zu schimpfen, hilft es wesentlich mehr, sich auf Augenhöhe zu begegnen und zwischen den Kindern zu vermitteln. Einfache Fragen, wie zum Beispiel: 'Wie würdest du dich fühlen, wenn XY das mit dir gemacht hätte?', können zur Klärung der Situation beitragen. Auch geregelte 'Mama-Zeiten' und 'Papa-Zeiten' mit den einzelnen Kindern helfen, damit sich keines der Geschwister benachteiligt fühlt. Selbstverständlich fördern gemeinsame Familienausflüge den Zusammenhalt der ganzen Familie. Die gemeinsamen Erlebnisse schaffen tolle Erinnerungen an die zusammen erlebte Zeit und die beteiligten Familienmitglieder.

Auch wenn es hart ist: Es ist für die Eltern wichtig, dass Kinder Streitereien zwischen sich austragen. Sie entwickeln dabei Denkmuster und Handlungsstrategien, die sie für ihr späteres Leben brauchen. Auch der Umgang mit verschiedenen Gefühlen und ein gewisses Maß an Selbstkontrolle werden dabei gelernt. Es ist im Prinzip ein soziales Training für das spätere Miteinander im Leben. Arten die Streitereien aus, können Eltern die Kinder unterstützen, indem sie mit klaren Ansagen Leitplanken für die Kinder schaffen. 

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