Los Angeles
Studie

Schlafmangel nach der Geburt: So sehr lässt der Stress Mütter biologisch altern

Bei Müttern, die nach der Geburt ihres Kindes an Schlafmangel leiden, steigt das biologische Alter um mehrere Jahre an. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie aus den USA. Zu wenig Schlaf wirkt sich aber noch auf andere Weise auf die Gesundheit der Mütter aus.
 
Mutter mit Kind
Foto: Isaac Quesada / unsplash
  • Studie der University of California: Schlafmangel wirkt auf das biologische Alter von Müttern aus
  • Weniger als sieben Stunden Schlaf schaden der Gesundheit
  • Weitere Studien nötig

Frisch gebackene Mütter verlieren nach der Geburt ihres Neugeborenen meistens ihren geregelten Schlafrhythmus. Das Baby erfordert viel Energie und Aufmerksamkeit - auch in der Nacht. Das führt schnell zu Schlafmangel, gerade bei Müttern. Als Konsequenz davon steigt das biologische Alter dieser Frauen um einige Jahre nach oben an, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie der University of California (UCLA) in Los Angeles zeigt.

Studie zeigt: Schlafentzug nach der Geburt erhöht biologisches Alter

An der Studie nahmen 33 Mütter im Alter von 23 bis 45 Jahren teil, die zu drei verschiedenen Zeitpunkten untersucht wurden: während der Schwangerschaft, sowie einmal sechs Monate und einmal zwölf Monate nach der Geburt. Im Fokus standen dabei neben der Schlafdauer der Frauen auch deren Blutproben. Mithilfe dieser war es den Wissenschaftler*innen möglich, das biologische Alter der Frauen zu bestimmen.

Das biologische Alter einer Person muss nicht mit dem chronologischen Alter - also dem gemessenem Alter ab dem Zeitpunkt der Geburt - übereinstimmen. Tatsächlich zeigten die Ergebnisse Unterschiede zwischen dem biologischen und dem chronologischen Alter: Ein Jahr nach der Geburt war das biologische Alter von Müttern, die bei der Messung nach sechs Monaten weniger als sieben Stunden geschlafen hatten, um drei bis sieben Jahre höher als bei Müttern, die mehr als sieben Stunden Schlaf angaben. 

Darüber hinaus fand das Forscherteam noch einen weiteren interessanten Unterschied bei den Blutproben: Mütter mit weniger als sieben Stunden Schlaf hatten kürzere Telomere in ihren weißen Blutzellen. Telomere sind als die Enden von Chromosomen ein Bestandteil der menschlichen DNA. Verkürzte Telomere werden mit einem erhöhten Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem verfrühtem Tod in Verbindung gebracht.

Schlafentzug kann Langzeitschäden hervorrufen

"Schlafentzug in den ersten Monaten nach der Geburt könnte sich dauerhaft auf die körperliche Gesundheit auswirken", erläutert Judith Carroll, Erstautorin der Studie. Zudem sei schon jetzt in Studien bewiesen, dass weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht gesundheitsschädigend ist und ein erhöhtes Risiko für altersbedingte Krankheiten mit sich bringt.

Mehr als sieben Stunden Schlaf wirkte sich in der Studie positiv aus: "Wir stellten fest, dass mit jeder zusätzlichen Stunde Schlaf das biologische Alter der Mütter jünger war", so die Biopsychologin der UCLA weiter. Mütter sollen daher versuchen, so viel Schlaf wie möglich zu bekommen und beispielsweise ein Nickerchen machen, wenn das Baby gerade schläft. Auch Freunde und der Partner sollen, wenn möglich, zur Hilfe geholt werden: "Sich um Ihr Schlafbedürfnis zu kümmern, wird Ihnen und Ihrem Baby auf lange Sicht helfen", so Carroll.

"Diese Ergebnisse legen nahe, dass eine unzureichende Schlafdauer während der frühen postpartalen Phase mit einem beschleunigten biologischen Altern verbunden ist", heißt es in der Zusammenfassung der Studie, die Anfang Juni 2021 in der Online-Datenbank sciencedirect publiziert wurde. Als postpartalen Phase wird der Zeitraum nach der Geburt, bezogen auf die Mutter, gemeint. Mit nur 33 Teilnehmerinnen gilt sie jedoch nicht als repräsentativ, weswegen darauf hingewiesen wird, dass in Zukunft weitere und umfassendere Studien in diesem Bereich notwendig sind.