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Blähungen bei Babys

Blähungen bei Babys: Symptome, Ursachen und wie du deinem Kind helfen kannst

Viele Babys leiden vor allem in den ersten Lebensmonaten unter Blähungen und Eltern machen sich häufig Sorgen. Doch woher kommen die Beschwerden und was können Eltern dagegen tun?
Blähungen führen bei Säuglingen häufig zu Weinanfällen.
Blähungen führen bei Säuglingen häufig zu Weinanfällen. Foto: CC0 / Pixabay / TaniaVdB
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  • Was sind die Ursachen für Blähungen bei Babys?
  • Wie erkennst du Blähungen beim Baby?
  • Wie kannst du deinem Baby bei Blähungen helfen?
  • Wann solltest du einen Kinderarzt aufsuchen?

Vor allem in den ersten drei Lebensmonaten leiden Babys und Kleinkinder häufig unter Blähungen. Eltern treibt es häufig an den Rand der Verzweiflung, wenn ihr Baby schreit und sich sichtlich unwohl fühlt. Was passiert genau in den ersten Lebensmonaten, was den Säuglingen Probleme bereitet und wie können Eltern ihre Kinder bestmöglich unterstützen

Was sind die Ursachen für Blähungen bei Babys?

Viele Säuglinge und Kleinkinder leiden unter Blähungen (Flatulenz) und machen ihrem Unwohlsein lauthals Luft. Die Gase blähen den Bauch der Babys auf und das führt zu Schmerzen. Die Ursachen, die Babys zum Schreien veranlassen, sind jedoch vielfältig und meistens harmlos.

Babys verschlucken Luft beim Trinken

Häufig verschlucken Babys zu viel Luft (Aerophagie), wenn sie während des Stillens oder der Flaschenmahlzeit zu hastig trinken. Auch beim Schreien gelangt oftmals durch Verschlucken zu viel Luft in den Bauch. Das "Bäuerchen" während und nach dem Trinken ist deshalb sehr wichtig, damit die Luft wieder aus dem Magen entweichen kann. Eltern sollten ihre Kinder jedoch gut beobachten und ihren Kinderärzt*innen mitteilen, wenn sie unsicher sind. 

Der Begriff "Drei-Monats-Koliken" gilt als veraltet

Kinderärzt*innen vermuteten lange Zeit, dass die sogenannten "Drei-Monats-Koliken" für das Schreien und Unwohlsein von Babys verantwortlich ist. Die Bezeichnung rührt daher, dass ein gesundes Baby extrem oft schreit und damit nach drei Monaten wieder aufhört. Oftmals werden sie auch als "Schreibabys" bezeichnet. Mittlerweile gilt dieser Begriff als veraltet. Heute gehen Medizinerinnen davon aus, dass die Luft eher die Folge des vielen Schreiens ist und nicht die Ursache, weil Babys dadurch viel Luft schlucken.

Babys müssen sich zunächst an die Ernährung anpassen

Deshalb sprechen Kinderärzte eher von Regulationsstörungen. Diese beginnen meist in der zweiten und steigern sich bis zur sechsten Lebenswoche. Häufig dauern sie bis zu dritten Lebensmonat an. Als sicher gilt, dass der Stoffwechsel bei Neugeborenen sich gravierend von dem der Erwachsenen unterscheidet. Dazu kommt, dass Babys sehr schnell wachsen, denn innerhalb der ersten sechs Monate verdoppeln sie ihr Geburtsgewicht. Außerdem sind die Organe noch nicht vollständig ausgereift und einige Enzyme, die eine wichtige Aufgabe bei der Verdauung übernehmen, sind noch nicht voll funktionsfähig. Dazu zählen zum Beispiel die Enzyme im Speichel (Amylase) und die der Bauspeicheldrüse (Pankreasamylase), die für die Spaltung der Kohlenhydrate verantwortlich sind. Aus diesen Gründen sind gelegentliche Blähungen als normal anzusehen und liegen auch in der sich entwickelnden Darmflora begründet. 

Die gute Nachricht für alle Eltern: In den meisten Fällen legen sich die Beschwerden im vierten Lebensmonat von selbst. 

Unverträglichkeiten und Darmprobleme

Solange sich der Fötus noch im Mutterleib befindet, wird er ausschließlich über die Nabelschnur ernährt. Nach der Geburt muss sich der Darm zunächst an die Ernährung über die Muttermilch oder Säuglingsmilch gewöhnen. Zudem müssen sich die Darmschlingen erst in eine neue Position einfinden. Es ist also ganz normal, dass während der Verdauung im Magen-Darm-Trakt durch Ab- und Umbauprozesse verschiedene Gase gebildet werden können. Hinzu kommt eine eventuelle Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktoseintoleranz), die durch das unzureichend vorhandene Enzym Laktase verursacht wird. Dies kann beispielsweise bei Frühchen oder Neugeborenen vorkommen, weil das Darmsystem noch unzureichend ausgereift ist. Ein angeborener Laktasemangel oder ein komplettes Fehlen des Enzyms sind jedoch äußerst selten. Zudem können eine Glutenunverträglichkeit und Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse, die wichtige Verdauungsenzyme produziert, die Symptome verschlimmern und die Gasbildung erhöhen. In einer Studie wurden zudem Entzündungen im Darm bei Babys mit Koliken gefunden. Außerdem bestanden Unterschiede im Mikrobiom des Darms zwischen Babys mit und ohne Koliken. Als Mikrobiom wird die Gesamtheit alle Mikroorganismen bezeichnet, die den Menschen besiedeln. 

Eine gereizte Stimmung kann sich auf das Baby übertragen

Daneben kann aber auch die emotionale Situation der Eltern eine Rolle spielen. Zunehmende Unruhe und Spannungen zwischen den Eltern können sich auf das Kind übertragen. Insbesondere beim ersten Kind, wo Eltern noch unsicher sind, wie sie mit einem schreienden Baby umgehen sollen. Hierdurch kann ein Teufelskreis entstehen: Eltern fühlen sich gestresst vom Babygeschrei und werden zunehmend nervöser. Dieser negativen Emotionen spürt das Kind und reagiert mit Unruhe und Schreien. Zudem schlucken Babys vermehrt Luft durch anhaltendes Schreien.

Wie erkennst du Blähungen beim Baby?

Durch die vermehrte Luftansammlung im Bäuchlein entstehen beim Baby krampfartige Schmerzen und das Baby reagiert mit Schreien. Häufig kannst du bei deinem Baby ein Aufstoßen beobachten und den Abgang von Winden (Luft). Dadurch verringert sich die Gasansammlung im Darm und verschafft ihm Linderung. Möglicherweise treten die Beschwerden immer zur gleichen Tageszeit auf, zum Beispiel am Nachmittag oder Abend. Außerdem können Appetitlosigkeit und Erbrechen nach dem Trinken auf Blähungen hindeuten. Meist machen die Kinder typische Bewegungen und ziehen ihre Beinchen nah an den Körper heran und strecken sie mit kräftigen Bewegungen wieder weg. Allerdings sind solche Bewegungen auch bei anderen Unruhezuständen zu beobachten und lassen nicht zwangsläufig auf Blähungen schließen. 

Mediziner gehen davon aus, dass Baby sich noch nicht selbst beruhigen können und dadurch kann es zu Schlafmangel kommen. Wenn die Blähungen zu schmerzhaft werden, können sie keine Ruhe finden und es kann zu Überreizung und zu vermehrtem Schreien kommen. Hierdurch schlucken Babys wieder mehr Luft. 

Wie kannst du deinem Kind bei Blähungen helfen?

Das kannst du vorbeugend gegen Blähungen beim Baby tun

  • Wenn du dein Baby stillst, solltest du darauf achten, dass es die Brustwarze beim Saugen gut umschließt.
  • Bei Flaschennahrung sollte auch der Sauger gut vom Babymund umschlossen sein. Hier ist auch die richtige Saugergröße wichtig, damit nicht zu viel Milch auf einmal herausfließt oder das Baby sich zu sehr anstrengen muss. Außerdem solltest du das Fläschchen so lange nach der Zubereitung stehen lassen, bis sich er Schaum von Schütteln abgesetzt hat.
  • Während und nach dem Trinken solltest du deinem Kind Gelegenheit zum Aufstoßen geben, damit sich nicht zu viel Luft im Babybauch ansammelt. 
  • Lasse dein Kind nicht in zu kurzen Abständen trinken, damit es Zeit hat, die vorher getrunkene Milch zu verdauen.
  • Wenn du beobachtest, dass dein Baby besonders von Blähungen geplagt wird, nachdem du bestimmte Nahrungsmittel verzehrt hast, lasse diese für zwei Wochen weg. Danach kannst du sie wieder verzehren und beobachten, ob wieder Probleme auftreten.

Bei Blähungen können folgende Maßnahmen hilfreich sein

  • Du solltest zunächst Ruhe bewahren und das Babybäuchlein im Uhrzeigersinn vorsichtig massieren, denn dadurch lösen sich die Gase im Bauch. Mit etwas Kümmelöl kannst du die Wirkung noch verstärken. 
  • Eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen auf dem Bäuchlein tun gut und entspannen. Achte aber unbedingt darauf, dass das Kissen oder die Wärmflasche nicht zu heiß sind, etwa 40 Grad Celsius sind ausreichend. Zudem solltest du immer ein Tuch zwischen Bäuchlein und Wärmequelle legen.
  • Trage dein Kind im "Fliegergriff", damit die angestaute Luft leichter entweichen kann. Dazu das Baby in Bauchlage auf einen Unterarm legen, mit dem Köpfchen in deiner Armbeuge. So entsteht ein leichter Druck auf den Bauch, der die Gase lösen kann. 
  • Kräutertees mit Fenchel, Anis oder Kümmel können helfen, die Darmgase besser abzubauen. 
  • Besprich mit deinem Kinderarzt, ob eventuell Spezialnahrung mit reduziertem Laktosegehalt hilfreich sein kann. 
  • Wenn du das Gefühl hast, dass du der Situation nicht mehr gewachsen bist, solltest du rechtzeitig Hilfe in Anspruch nehmen. Hier sind zum Beispiel "Schreiambulanzen" eine gute Anlaufstelle. Informationen hierzu erteilen zum Beispiel Jugendämter, Erziehungsberatungsstellen, Kinderärzt*innen oder Kinderkliniken.

Wann solltest du einen Kinderarzt aufsuchen?

Bei diesen Anzeichen kann auch ernsthafte Erkrankung die Ursache sein:

  • Wenn dein Kind nach jeder Mahlzeit Blähungen bekommt und schreit
  • Wenn dein Kind unter schaumigen oder blutig Durchfällen leidet
  • Wenn der Stuhl sehr fest ist, ähnlich wie Hasenkot
  • Wenn dein Kind das Trinken verweigert oder nur sehr langsam an Gewicht zulegt
  • Wenn du selbst extrem angespannt bist und Angst bekommst

Fazit:

  • Meist ist verschluckte Luft die Ursache für Blähungen beim Baby. Wandert diese in den Verdauungstrakt, kann das zu Schmerzen führen, das Baby fühlt sich unwohl und beginnt zu schreien.
  • Heute sprechen Mediziner*innen nicht mehr von "Drei-Monats-Koliken", sondern von Regulationsstörungen. Der Verdauungstrakt des Babys muss sich erst noch auf die neue Nahrung einstellen. In der Regel vergehen die Beschwerden nach drei Monaten von selbst.
  • Du solltest beim Stillen und bei der Fläschchen-Gabe darauf achten, dass dein Baby genügend Gelegenheit zum Aufstoßen hat, damit die Luft aus dem Magen entweichen kann.
  • Bei bestimmten Warnsignalen und wenn du mit der Situation überfordert bist, solltest du unbedingt eine*n Kinderärzt*in aufsuchen.