Haus, Schmuck oder Geld auf dem Konto - beim Erbe kommt manchmal einiges zusammen. Einen Teil davon holt sich der Fiskus, denn oft wird Erbschaftssteuer fällig. Wie hoch die Erbschaftssteuer ausfällt, hängt von zwei Faktoren ab. Neben der Höhe des Betrags spielt der Verwandtschaftsgrad eine wichtige Rolle. So müssen Kinder oder Ehepartner des Verstorbenen wesentlich weniger Erbschaftssteuer zahlen als der Chauffeur, der nach dem Tod des Hausherrn zum Alleinerben wird.
Grundsätzlich räumt der Fiskus jedem Erben einen Freibetrag ein. Erst wenn er diesen überschreitet, werden Steuern fällig. Dabei gilt: Je enger die verwandtschaftliche Beziehung sind, desto mehr kann steuerfrei vermacht werden. "Ehepartner können bis zu 500 000 Euro erben oder schenken, ohne Steuern zahlen zu müssen", sagt Stephanie Zipp von der Stiftung Warentest. "Kinder können von jedem Elternteil 400 000 Euro erhalten."
Das Gesetz teilt Erben und Beschenkte in drei Steuerklassen ein: Ehepartner, Kinder und Enkel haben die beste Steuerklasse I. Geschwister, Nichten und Neffen sind in der ungünstigeren Steuerklasse II. Und für Onkel, Tanten, aber auch für langjährige Lebensgefährten und Freunde gilt die Steuerklasse III.
So zahlt der Ehepartner für eine Erbschaft, die über der Freigrenze von 500 000 Euro liegt, zwischen 7 und 30 Prozent Steuern. Der Lebensgefährte hingegen muss mindestens 30 Prozent Steuern zahlen - bei einer Freigrenze von gerade mal 20 000 Euro. Bei einem entsprechenden Wert des Erbes kann daher auch eine Heirat ein Thema sein, hat Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge (DVEV) beobachtet. "Nach einer Beratung haben sich doch einige Paare zum Heiraten entschlossen."
Grundsätzlich gilt: "Wer Erbschaftssteuer sparen will, muss vor dem Tod aktiv werden", erklärt Fachanwalt Bittler. Das Motto heißt dabei: verschenken statt vererben. Zwar wird bei einer Schenkung auch Steuer fällig. Allerdings gibt es einen entscheidenden Vorteil. "Man kann alle zehn Jahre schenken und die Freibeträge erneut ausnutzen."
Bei Immobilien kann sich das durchaus lohnen. Früher wurden Häuser und Wohnungen im Erbfall nur mit einem Teil ihres Wertes angesetzt. Heute gilt der Verkehrswert.
Dennoch ist der Fiskus großzügig. "Man kann seinem Ehepartner die Immobilie steuerfrei schenken oder vererben", erklärt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. "Man muss nur darin wohnen."
Auch Kinder genießen ähnliche Freiräume. Sie können das Haus steuerfrei übernehmen, wenn die Wohnfläche nicht größer als 200 Quadratmeter ist. "Allerdings müssen die Erben mindestens zehn Jahre darin wohnen, es sei denn, es ist aus zwingenden, objektiven Gründen nicht mehr möglich", sagt Anita Käding. Wer vorher auszieht, muss rückwirkend Steuern bezahlen. dpa-mag