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Freie Trauung: So findest du einen Trauredner - wie eine freie Trauung abläuft

Viele Paare können oder wollen aus verschiedenen Gründen nicht kirchlich heiraten, aber deswegen nicht auf Hochzeit, Trauredner und eine romantische Zeremonie verzichten. Freie Trauungen bieten in dem Fall eine Alternative.
Freie Trauungen werden immer beliebter, sind sie doch so zu gestalten, wie sich das Brautpaar es sich wünscht.
Freie Trauungen werden immer beliebter, sind sie doch so zu gestalten, wie sich das Brautpaar es sich wünscht. Foto: CC0 / Pixabay / 8090666
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  • Was ist eine Freie Trauung?
  • Der Trauredner
  • Ablauf einer freien Trauung
  • Schöne Rituale für die freie Trauung
  • Hochzeitsfacts und Fazit

Der Trend der "Freien Trauung" hat in den letzten Jahren enorm zugenommen, inzwischen gibt es freie Trauredner*innen in zahlreichen Städten und Gemeinden, auch ist die Anzahl geeigneter Locations, die eine freie Trauung mit Trauredner*in ermöglichen, deutlich gestiegen. Im Gegensatz zur standesamtlichen oder kirchlichen Trauung kann eine freie Trauung zunächst ganz nach den Wünschen des Brautpaares gestaltet werden, es gibt weder Regeln zum Ablauf noch gibt es Vorgaben. Auch der Ort der Trauung sowie die Uhrzeit sind frei wählbar, was auf jeden Fall Raum für individuelle Zeremonien und persönliche Vorlieben lässt.

Was ist eine Freie Trauung?

Eine freie Trauung ist, wie der Name bereits verrät, frei gestaltbar und konfessionsungebunden. Heiratswillige müssen jedoch beachten, dass eine freie Trauung, ähnlich der Trauung in einer Kirche, in Deutschland rechtlich nicht anerkannt wird und deshalb lediglich Zeremonie ist. Um die Ehe auch offiziell anzuerkennen, ist eine standesamtliche Eheschließung notwendig. Dokumente und Unterlagen sind für eine freie Trauung dagegen nicht notwendig. Eine freie Trauung muss auch nicht zwangsläufig unter freiem Himmel stattfinden, hier sind den Wünschen und Vorlieben des Brautpaares kaum Grenzen gesetzt, je nach finanziellem Spielraum ist so gut wie alles möglich.

Eine freie Trauung kann zunächst überall dort stattfinden, wo ihr es wünscht. Auch wenn 97 % der Feiern in einer gebuchten Location stattfinden, so gibt es weitere Alternativen, um mit seinen Gästen im Anschluss an die Trauung zu feiern. Die Möglichkeit, die Zeremonie und die Location zu vereinen besteht jedoch fast ausschließlich bei freien Trauungen, da der Aufwand hierfür ein wenig höher ist. 15 % der Hochzeiten finden in einem Schloss oder einer Burg statt, 16 % feiern in einer Scheune und nur 4 % nutzen einen Garten oder eine Wiese zur Feier. Am Strand wird in 2 % der Fälle gefeiert, während 45 % ein Restaurant vorziehen.  Ist die Location gefunden, geht es um die Art der Trauung, denn eine standesamtliche Trauung lässt sich aufgrund rechtlicher Vorgaben leider nur selten unter freiem Himmel oder in der Wunschlocation realisieren.

Die Trauzeremonie soll genauso gestaltet werden, wie es sich das Brautpaar wirklich wünscht, ohne Einschränkungen, Vorgaben und gesellschaftlichen Konventionen. Viele homosexuelle Paare haben sich beispielsweise bereits vor Jahren für eine freie Trauung entschieden, auch bereits geschiedene Partner*innen haben sich mit der neuen Liebe für eine freie Zeremonie entschieden, da es hier keine entsprechenden, kirchlichenrechtlichen Vorgaben bezüglich vorheriger Ehen gibt. Individualisten und Freidenker wählen auch häufiger die Form der freien Eheschließung, um einen für sie perfekten und romantischen Tag zu erleben.

Der Trauredner

Grundsätzlich kann jeder eine freie Trauzeremonie abhalten, jedoch sollte die ausgewählte Person im besten Fall bereits Erfahrung im Bereich der Trauungen gesammelt haben, um der herausfordernden Aufgabe eines Trauredners oder Traurednerin gerecht zu werden. Hier haben Heiratswillige die Wahl zwischen einem professionellen Trauredner oder auch spezialisierten und frei tätigen Theologen. Die meisten Paare entscheiden sich für einen beruflichen Trauredner.

Ist der*die freie Redner*in gefunden, findet zu zunächst ein ausführliches Vorgespräch statt, um eine individuelle Begleitung zu ermöglichen, auch sollte die Chemie zwischen Brautpaar und Redner*in auf jeden Fall stimmen. Der freie Redner, zum Teil auch Zeremonienleiter*in genannt, erfährt im ersten Gespräch von den Vorlieben und Vorstellungen des Paares. Weiter sammelt er Details und Anekdoten, um die Traurede entsprechend zu gestalten, diese aufzulockern und mit einer persönlichen Note zu versehen. Für die Rede benötigt der Trauredner in der Regel einige Tage. Oft bieten freie Redner "Rundum Sorglos"-Pakete an, um das Brautpaar weitgehend zu entlasten und die Zeremonie vollkommen individuell erstellen zu können. Neben einem persönlichen Vorgespräch werden im Anschluss individuelle Absprachen getroffen, die vor allem die Form und den Inhalt der Zeremonie betreffen. Danach wird die Trauzeremonie und das Traugespräch vorbereitet, welches meist sehr intensiv geführt wird und zum gegenseitigen Kennenlernen von Redner*in und Paar dient. Häufig sind hierbei auch die Trauzeugen oder beste Freunde anwesend und es dauert etwa zwei bis drei Stunden. Die Erstellung der Hochzeitsrede gehört zu den Hauptaufgaben eines freien Trauredners, denn diese ist immer individuell und persönlich auf das Brautpaar zugeschnitten. Oft bieten Trauredner auch Unterstützung beim Ehegelübde an, hier geht der Trend ebenfalls zu individuellen Bekenntnissen. Weiter unterstützen die Redner das Brautpaar oft bei der Erstellung eines Ablaufplans für den großen Tag oder übernehmen dies bereits komplett, um auch hier dem Brautpaar ein Stück Verantwortung abzunehmen. Daneben kümmern sich einige freie Redner sogar um eine Absprache mit Musiker*innen, Trauzeug*innen, Fotograf*innen und möglichen Dienstleister*innen, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu garantieren. Der emotionale Höhepunkt ist dann die freie Trauung. Hier ist neben der Gestaltung auch die Dauer individuell, in der Regel werden 40 bis 60 Minuten eingeplant. Viele Trauredner*innen sind weiter offen für verschiedene Rituale, die vom Brautpaar gewünscht werden, am häufigsten wird jedoch auch hier der Ringtausch gewählt. Jedes Paar kann die ganz individuellen und persönlichen Rituale für sich finden.

Bei der Wahl des Trauredners solltet ihr die Angebote gut prüfen, da auch hier in den letzten Jahren ein qualitativer Unterschied zu bemerken ist, denn nicht unbedingt ist der teuerste Redner auch der beste. Umgekehrt solltet ihr auch im Fall von Dumpingpreisen hellhörig werden. Die Kosten für eine*n freie*n Redner*in variieren von Region zu Region deutlich. Die Preise liegen meist zwischen 800 und 1300 Euro.

Ablauf einer freien Trauung

Für den Ablauf einer freien Trauungszeremonie gibt es keinen vorgeschriebenen Plan oder sonstige Regeln, hier sind den Vorstellungen des Brautpaares keine Grenzen gesetzt. So können zum Beispiel Vater und Mutter die Braut führen. Auch der Trauspruch ist frei wählbar, es können Bibelverse oder literarische Texte eingebaut werden. Der Gestaltungsspielraum ist breit, es kann beispielsweise auch ganz auf den Spruch verzichtet werden.

In Bezug auf die musikalische Begleitung ist bei einer freien Trauung auch so gut wie alles möglich, hier seid ihr sehr flexibel. Nehmt zum Gespräch mit dem Hochzeitsredner am besten eine Liste der Musiktitel mit, die ihr gerne bei der Zeremonie hören möchtet. Die Musik ist stets individuell und jedes Paar hat persönliche Vorlieben oder gemeinsame Musikstücke. Eine Besonderheit der freien Trauung sind die Rituale. Neben dem klassischen Eheversprechen setzen immer mehr Paare auf besondere Rituale, die den Bund zwischen den Vermählten noch einmal bekräftigen sollen. Das kann das gemeinsame Anzünden der Hochzeitskerze, das sogenannte Sandritual, das gemeinsame Malen, Wunschsteine, oder der eigentlich keltische Brauch der Segnung der Ringe durch die Gäste, aber auch ein gemeinsam gemixter Cocktail, der später zusammen mit den Gästen getrunken wird, sein. 

Eine Möglichkeit der freien Trauung wäre beispielsweise folgender Ablauf:

  • Ankunft der Gäste
  • Einzug der Braut: Hier sind keine Gestaltungsgrenzen gesetzt, die Braut kann alleine, mit dem Brautvater oder gar mit einem Haustier einlaufen, auch kann das Brautpaar gemeinsam einziehen, egal auf welche Weise.
  • Rede zur Geschichte des Brautpaares, Traurede
  • Ritual zur Vermählung
  • Rede über die Ehe im Allgemeinen und Besonderheiten, die Braut und Bräutigam wichtig sind
  • Musikeinlage
  • Eheversprechen des Brautpaares
  • Ja-Wort
  • Gemeinsamer Auszug

Schöne Rituale für die freie Trauung

Auch wenn der Ablauf einer freien Trauung stets individuell ist und sich an den Wünschen und Vorstellungen des Brautpaares orientiert, so gibt es einige Rituale, die gerne gewählt werden, um den Bund des Lebens zu bekräftigen. In welcher Weise diese in die Trauzeremonie eingebunden werden, ist jedem Paar selbst überlassen. Wir haben hier einige Beispiele für euch zusammengestellt:

  • Ringtausch: Wie bei einer kirchlichen oder standesamtlichen Eheschließung werden bei einer freien Trauung meist die Ringe getauscht, oft werden auch Armbänder oder Ketten gewählt. Wer es schlicht mag, kann auch auf Schmuck verzichten und etwas ganz anderes tauschen.
  • Ring Warming: Die sogenannte Segnung der Ringe durch die Gäste ist eine Möglichkeit, alle Freunde und Verwandte direkt in die Zeremonie einzubinden und so eine gemeinschaftliche Erinnerung zu schaffen. Hierfür wird zunächst ein Band oder eine lange Kordel durch die Reihen der Gäste gespannt und die Ringe an einem Ende aufgefädelt. Dann werden die Ringe immer vom nächsten Gast weitergeschoben, wobei so jeder einmal die Ringe berührt und einen leisen oder lauten Segensspruch sprechen kann. Bei mehreren Sitzreihen ist es sinnvoll, in der hintersten Reihe zu beginnen, damit die Ringe am Ende zu dem Brautpaar gelangen, welches sich gegenseitig die Ringe ansteckt. 
  • Tying the Knot Ceremony: Dieser Brauch ist älteren Ursprungs und soll die Bindung des Paares unterstreichen, ähnlich der Bestätigung des Ehebundes in einer katholischen Trauung, bei welcher der Priester eine Stola über die ineinander gelegten Hände des Paares legt. Das Brautpaar hält sich hierfür an den Händen, während eine dritte Person die Hände mit einem Band oder Seil zusammenbindet. Wenn Braut und Bräutigam nun die Hände herausziehen, entsteht ein individuelles Knotengebilde, das als Symbol für eure dauerhafte Einheit gleichzeitig ein dauerhaftes Andenken an euren Hochzeitstag ist. 
  • Traukerze anzünden: Dieses Ritual findet sich häufig auch in herkömmlichen Trauzeremonien, gemeinsam entzündet das Brautpaar nach dem Ja-Wort die Traukerze. Dadurch soll symbolisiert werden, dass die beiden Familien jetzt zu einer werden. Die Kerze und das Licht stehen für Liebe, Wärme, Hoffnung und das Leben. Diese Symbole sollen das frisch vermählte Brautpaar auch in schweren Zeiten begleiten und Trost spenden.
  • Ehegelübde: Das Ehegelübde ist an sich keine Erfindung der freien Trauungen, da dies auch in kirchlichen oder standesamtlichen Eheschließungen vorkommt. Auch hier ist häufig eine persönliche Note möglich. Das Ehegelübde erfährt bei einer freien Zeremonie jedoch einen besonderen Stellenwert, vor allem da die Gelübde stets individuell und persönlich sind. Ihr könnt das Gelübde auch auf eine Urkunde oder ein schönes Bild drucken lassen.
  • Sandritual: Ein beliebtes Ritual freier Trauungen ist das sogenannte Sandritual. Hier schüttet das Brautpaar abwechselnd verschiedenfarbigen Sand in ein Glasgefäß. Am Ende entsteht ein persönliches Muster. Das Glas ist später eine schöne Erinnerung an den Tag der Trauung.
  • Acrylic Pouring: Bei diesem Ritual schaffen die beiden Frischvermählten gemeinsam ein Kunstwerk aus Acrylfarben. Hierfür schüttet das Brautpaar abwechselnd Acrylfarbe auf eine Leinwand und durch das Verfließen der Farbe entsteht ein abstraktes, individuelles Hochzeitsbild, welches das Paar stets an diesen besonderen Tag erinnern soll. 
  • Baumritual: Bei dieser Tradition pflanzt das Brautpaar während oder nach der Zeremonie gemeinsam einen Baum. Wie der Baum, so soll auch die Ehe Wurzeln schlagen und Früchte tragen. Auf der anschließenden Feier können eure Gäste auf bereitgestellten Anhängern Wünsche oder Sprüche für das Brautpaar aufschreiben.

Hochzeitsfacts und Fazit

Auch wenn in Deutschland die Scheidungsrate seit 2005 wieder gesunken ist, so wird aktuell dennoch jede dritte Ehe geschieden, meistens zwischen dem sechsten und zehnten Ehejahr. In Deutschland ist die Zahl der Eheschließungen seit den 1950er Jahren rückläufig ist und gerade die letzten beiden Coronajahre waren ein großes Hindernis in Bezug auf Hochzeiten. Dennoch ist ein leichter Anstieg im Bereich der standesamtlichen und freien Trauungen im Vergleich zu kirchlichen Zeremonien zu verzeichnen. Das Heiratsalter ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen, es liegt durchschnittlich bei Männern bei 34,7 Jahren und Frauen sind im Schnitt 32,2 Jahre alt. Aufgrund des gestiegenen Alters haben sich wohl auch die Vorstellungen vieler Heiratswilliger verändert. Neben dem traditionellen Modell mit standesamtlicher und bestenfalls anschließender kirchlicher Trauung, wünschen sich inzwischen viele Paare eine sogenannte "freie Trauung". 52 % der Paare heiraten standesamtlich und kirchlich, 27 % heiraten standesamtlich und in einer freien Trauung und 21 % heiraten nur standesamtlich. Fern ab sonstiger Konventionen, scheint der Trend der feien Trauungen immer mehr Interessenten zu finden und bietet für viele Heiratswillige, die möglicherweise auch sogar bereits eine erste oder zweite Eheschließung hinter sich haben (das sind immerhin 18 % der Paare), die Möglichkeit der freien Gestaltung der Zeremonie und Abgrenzung zu einer konventionellen Eheschließung.

Hochzeiten im Sommer sind weitaus beliebter als Winterhochzeiten, die Hauptsaison für Hochzeiten liegt im Durchschnitt von Mai bis September. Die meisten Eheschließungen finden im Kreise von Familie und Freunden*innen statt, allerdings mussten in den letzten beiden Jahren, aufgrund der Pandemie, die Gästeliste nochmal gekürzt werden. Ein Drittel aller Paare feiert im Schnitt mit 25 bis 50 Gästen. Neben dem Kostenfaktor spielt die Organisation und die Unterhaltung der Gäste eine wichtige Rolle bei den Überlegungen. Die Vorbereitungen selbst bergen bereits Konfliktpotential, manchmal ist man sich schon über die Gästeauswahl nicht einig und auch das Budget spielt eine wichtige Rolle. Auch bei einer freien Trauung müssen Einladungen versendet, Dienstleister*innen kontaktiert und die Dekoration bereitgestellt werden. Sobald die grobe Planung steht, solltet ihr bereits "Save-the date" Karten an die Gäste versenden, damit all eure Lieben an eurem großen Tag dabei sein können. Die Mit-Planung vonseiten der Eltern oder Schwiegereltern führt nicht selten zu Streit. Wenn jedoch die Vorbereitungen abgeschlossen sind und der "schönste Tag im Leben" endlich stattfindet, ist meistens der Stress davor wieder vergessen. 

Eine freie Trauung ist eine gute Alternative für alle, die sich eine feierliche Zeremonie mit maximaler Freiheit bei der Gestaltung neben der standesamtlichen Trauung wünschen. Auch wenn sich freie Trauungen immer mehr durchsetzen, so ist jede Zeremonie doch besonders und ihr solltet euren Gästen auf jeden Fall einen Ablaufplan an die Hand geben, denn für einige wird es sicher die erste freie Trauung sein.

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