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Berlin
Virenübertragung

Coronavirus-Ansteckung: Kann ich mich über Geldscheine infizieren?

Oft heißt es, "Es gibt nichts schmutzigeres als Bargeld". Gerade in Zeiten der Coronakrise eine wichtige Frage: Kann das Virus durch Bargeld übertragen werden? Von den Scheinen geht kein erhöhtes Ansteckungsrisiko aus. Alle Informationen in unserem Faktencheck.
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Mindestens ein Meter Abstand zwischen Kunden und die Maske tief ins Gesicht gezogen - an den deutschen Supermarktkassen spielen sich zurzeit ungewohnte Szenen ab. Denn das Einkaufen ist eine der wenigen Beschäftigungen weshalb man noch das Haus verlassen kann - und gleichzeitig ein möglicher Infektionsweg. Viele stellen sich deshalb die Frage: Wird das Coronavirus durch Bargeld übertragen?

BEHAUPTUNG: "Viren auf Banknoten können eine Gefahr darstellen, wenn man sich nach dem Anfassen nicht die Hände wäscht und ins Gesicht greift", sagte Mark Witchi, Leiter der Sektion Impfempfehlung und Bekämpfungsmaßnahmen im Schweizer Bundesamt für Gesundheit, jüngst der "Wirtschaftswoche". Auf Kupfer können Coronaviren bis zu vier Stunden überleben, heißt es in  einer anderen Studie.

Corona-Viren sind gegen Eintrocknung empfindlich

BEWERTUNG: Von Banknoten geht mit hoher Wahrscheinlichkeit kein erhöhtes Ansteckungsrisiko aus. Ergebnisse von Forschern, die mit der europäischen Zentralbank zusammenarbeiten deuteten darauf hin, "dass auf Oberflächen wie etwa Plastik in den ersten zehn Stunden 10 bis 100 mal so viele Viren überleben wie auf unseren Banknoten", so EZB-Direktor Fabio Panetta vor Kurzem in einem Artikel.

 

FAKTEN: "Das auf dem Geldstück klebende Virus würde ich mal weitgehend vergessen", sagte dazu auch der Virologe Christian Drosten in einem NDR-Podcast. Der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité erläuterte, bei Corona- und Influenzaviren handele es sich um behüllte Viren. Diese seien gegen Eintrocknung "extrem empfindlich".

Anders sei es bei Schnupfenviren, die unbehüllt seien und weniger empfindlich gegen Eintrocknung. Diese würden eher mit den Fingern in die Nase gebracht und könnten dort für Infektionen verantwortlich sein. Bei Coronaviren erfolge eine Infektion dagegen meist über den Rachen - "und wir stecken uns den Finger nicht in den Hals", so Drosten.

Viren werden schwerpunktmäßig über Tröpfcheninfektion übertragen

Er verwies darauf, dass die Abläufe nicht abschließend erforscht seien. Aber "wahrscheinlich ist das so, dass diese Viren einfach schwerpunktmäßig mehr über Tröpfcheninfektion übertragen werden, weil sie eben eingeatmet werden müssen". Deshalb trage bei der aktuellen Coronaviruserkrankung die Kontaktübertragung eine geringere Rolle, als bei anderen Erkältungskrankheiten.

Der Greifswalder Hygienefacharzt Günter Kampf sieht zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit, im unbelebten Umfeld von Covid-19-infizierten Personen Viren zu finden - etwa auf der Kleidung, auf Brillen und auch Geldscheinen. Aber: "Ob das Material noch infektiös ist, weiß man nicht. Ob die Menge ausreicht, um über die Hände auf die Nasenschleimhaut übertragen zu werden und eine Infektion auszulösen, weiß man nicht", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Ebenso unwahrscheinlich sei es, dass Viren beim Streicheln des Fells von Hunden und Katzen übertragen werden. "Theoretisch ja, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert, geht gegen Null", sagte Kampf.

Der Virus ist in Luftpartikeln drei Stunden nachweisbar

US-Forscher haben für eine neue Studie nachgewiesen, dass das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 mehrere Tage auf Oberflächen überdauern kann. Das lebensfähige Virus sei in Luftpartikeln bis zu drei Stunden nachweisbar gewesen, auf Kupferoberflächen bis zu vier Stunden und auf Pappe etwa einen Tag, schrieben die Forscher mehrerer Institute in der Studie, die im "New England Journal of Medicine" publiziert wurde. Auf Kunststoff und Edelstahl konnten lebensfähige Coronaviren noch nach zwei bis drei Tagen nachweisbar gewesen. Geldscheine oder Münzen wurden für diese Studie allerdings nicht untersucht.

Die Empfehlung, sich oft und gründlich die Hände zu waschen, bleibt also von höchster Bedeutung, um eine Virenübertragung auf Atemwege und Schleimhäute zu vermeiden.