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Unfall - Was tun?

Richtig Erste Hilfe leisten
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Je eher der Notruf unter "112" abgesetzt wird, umso schneller trifft Hilfe ein - bis dahin besteht eine moralische und rechtliche Pflicht, Erste Hilfe zu leisten.
Je eher der Notruf unter "112" abgesetzt wird, umso schneller trifft Hilfe ein - bis dahin besteht eine moralische und rechtliche Pflicht, Erste Hilfe zu leisten.
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Wie verhält man sich richtig, wenn es gekracht hat und es Verletzte gibt? Eine Studie des ADAC und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zeigt, wie schlecht es um die Erste-Hilfe-Kenntnisse der deutschen Autofahrer steht: Richtig helfen kann nur jeder Dritte. Hinzu kommt, dass Ersthelfer oft Angst haben etwas falsch zu machen. Doch der schlimmste Fehler: Gar nicht erst zu helfen. Wie genau sollte also im idealen Fall an einem Unfall gehandelt werden?


Helfen, ohne sich in Gefahr
zu bringen

Korrekt ist: Unfallstelle absichern, Überblick verschaffen, Notruf absetzen, Erste Hilfe leisten. Dabei ist "unbedingt helfen" nicht nur eine moralische, sondern auch eine rechtliche Pflicht. Wer bei einem Unfall mit Verletzten einfach weiter fährt, macht sich der unterlassenen Hilfeleistung strafbar. "Es gibt bei der Ersten Hilfe eigentlich keine Fehler. Nur den, nicht zu helfen", sagt Lars Menzel, Erste-Hilfe-Ausbilder der Johanniter. Im Fall der Fälle sollte man sein Auto mit Abstand zum Unfallort sicher abstellen und Hilfe anbieten. Die eigene Sicherheit steht dabei stets im Vordergrund: "Wenn ich mich selbst in Gefahr bringe, ist niemandem geholfen", bestätigt Peter Sefrin, Bundesarzt beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Richtig verhält sich, wer den Warnblinker am eigenen Fahrzeug anschaltet, eine Warnweste anzieht und hinter der Leitplanke zur Unfallstelle geht - niemals auf die Fahrbahn laufen.


Unfallstelle sichern
und Notruf wählen

Als Nächstes wird die Unfallstelle gesichert, um andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig zu warnen und Folgeunfälle zu vermeiden. Das Warndreieck sollte auf Landstraßen in 100 Metern, auf Autobahnen in 200 Metern Entfernung am Fahrbahnrand aufgestellt werden - nie mitten auf der Fahrbahn.
Den Notruf unter "112" immer so schnell wie möglich absetzen und dabei die wichtigsten W-Fragen beachten: Wo? Was ist passiert? Wie viele Verletzte und welche Verletzungen liegen vor? Wer meldet den Unfall? Anschließend nicht auflegen, sondern auf Rückfragen der Leitstelle warten. Hat niemand ein Handy oder ist kein Empfang verfügbar, gibt es die Möglichkeit, den Notarzt über eine Notrufsäule zu kontaktieren. Wichtig dabei: Es sollten sich nie alle Beteiligten gleichzeitig vom Unfallort entfernen, da sich auch jemand um die Verletzten kümmern muss.


Umgang mit Verletzten

Liegt ein Verletzter regungslos da, sollten Helfer zunächst versuchen, ihn durch lautes Ansprechen und leichtes Rütteln zu wecken. Reagiert das Unfallopfer, kann man nach Namen und Schmerzen fragen, um zielgerichtet helfen zu können. Tatsächlich muss nicht jede Wunde vom Ersthelfer versorgt werden: Am besten auf die starken Blutungen konzentrieren, Handschuhe tragen und nur steriles Verbandszeug nutzen.
Reagiert die ohnmächtige Person nicht, muss die Atmung kontrolliert werden. Hebt und senkt sich der Brustkorb? Ist Atem auf der Haut spürbar, wenn man seine eigene Wange an Nase oder Mund des Verletzten hält? Wenn ja, bringt man die Person in die stabile Seitenlage. Nein? Dann sofort mit Herz-Druck-Massage und Beatmung beginnen.


Andere motivieren, zu helfen

Was aber tun, wenn man alleine mehrere Verletzte vorfindet? "Schauen Sie nach, wer aus ihrer Sicht am dringendsten Hilfe benötigt", rät Ralf Sick, Bereichsleiter Erste Hilfe in der Bundesgeschäftsstelle der Johanniter-Unfallhilfe. "Versuchen Sie auch Leichtverletzte zu motivieren, anderen zu helfen." Denn wer bei einem Unfall glimpflich davongekommen ist, steht trotzdem unter Stress - konkrete Hinweise, was zu tun ist, sind daher hilfreich.


Schock nicht unterschätzen

Neben körperlichen Auswirkungen ist ein Unfall auch eine psychische Belastung. Wer Schockanzeichen wie blasse Haut, starkes Zittern oder Schwitzen beobachtet, kann durch trösten und beruhigen helfen. "Oft reicht es schon zu sagen, dass man da ist und Hilfe kommt", sagt Menzel. "Auf keinen Fall gleich wieder weg gehen - das kann auch den körperlichen Zustand rapide verschlechtern."


Überlegt vorgehen

Gut zu wissen: Auch an heißen Sommertagen ist eine Unterkühlung möglich, deshalb sollte man Verletzte mit einer Wolldecke oder Rettungsfolie aus dem Verbandskasten zudecken - die silberne Seite gehört nach unten. Das hat auch eine psychologische Wirkung, spendet Geborgenheit und bietet Schutz vor den Blicken Umherstehender, so Sick.
Bei Motorradfahrern gilt zu beachten: Am besten den Helm abnehmen, da dieser zur Gefahr werden kann - denn bei Bewusstlosigkeit besteht Erstickungsgefahr und eine Beatmung ist nicht möglich. Dies sollte man jedoch sehr vorsichtig tun, da die Wirbelsäule verletzt sein könnte. Solche Vorgehensweisen und weitere wichtige Infos werden in speziellen Kursen vermittelt und können dort aktiv erprobt werden.


Erst-Hilfe-Wissen
auf neuestem Stand

Wie oft sollte man seine Erste-Hilfe-Kenntnisse überhaupt auffrischen? Die Johanniter empfehlen, alle zwei Jahre einen Wiederholungskurs zu belegen, DRK-Arzt Peter Sefrin rät alle drei bis fünf Jahre dazu. Das Erste-Hilfe-Wissen lässt sich dabei auffrischen, erweitern und vor allem anwenden. Ein wesentlicher Punkt, denn: "Wer sich praxissicher fühlt, geht beherzter und selbstsicherer an einen Notfall heran.", erklärt er. "Die Bereitschaft zu helfen ist dann größer."
Laura Krug

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