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Verkehrs-Tipps

Motorrad-Saison startet: So fahren Biker sicherer

Zum Beginn der Motorradsaison ist die Unfallgefahr am höchsten. Manchmal werden Biker von Auto- oder Lkw-Fahrern übersehen - doch zwei Drittel der Motorradfahrer verursachen einen Unfall selbst. So können Biker vorbeugen und typische Fehler vermeiden.
 
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Motorradfahrer können eigenes tun, um Unfälle zu vermeiden - etwa Abstände einhalten und zum Saisonstart das Bremsen und Fahren in verschiedenen Situationen üben. Symbolbild: Christel SAGNIEZ/Pixabay.com
  • Motorrad-Saison startet 
  • Zwei Drittel aller Motorradunfälle von Bikern selbst verursacht
  • Tipps: So fahren Biker sicherer
  • Die "vier großen B" beachten: Checken Sie Bike und Kleidung

Manchmal übersieht sie ein anderes Auto oder Lkw. Doch zwei Drittel der Motorradfahrer verursachen einen Unfall selbst. Dabei gibt es Verhaltensweisen, durch die Fahrer Fehler vermeiden und so Unfällen vorbeugen können.

Als Biker sicher unterwegs: Diese Tipps sollten Sie beachten

Mit den steigenden Temperaturen rollen viele Motorradfahrer ihre Maschinen wieder aus den Garagen. Besonders zu Beginn der Saison ist die Unfallgefahr hoch - denn Biker und andere Verkehrsteilnehmer müssen sich erst wieder aneinander gewöhnen. Manchmal übersehen Autos oder Lkw die Zweiräder.

Doch: "Rund zwei Drittel der Motorradfahrer haben ihren Unfall selbst verursacht", sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. "Zwar ist bei Unfällen mit weiteren Beteiligten zu zwei Dritteln nicht der Motorradfahrer der Verursacher, aber es kommen sehr viele Alleinunfälle dazu." Laut Brockmann werden so rund 600 Motorradfahrer pro Jahr getötet.

Die Gefahr eines Unfalls mit einem Motorrad liege gemessen auf den Kilometer 27-mal höher als beim Pkw. "Motorradfahrer leben mit höheren Risiken, da die Knautschzone von der Nasenspitze bis zum Gesicht recht schmal bemessen ist", sagt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat.

Fitness, Übung, Abstand: Biker sollten sich nicht selbst überschätzen

Um die Unfallgefahr einzudämmen, sollten Motorradfahrer vor dem Aufsteigen wichtige Punkte verinnerlichen. Denn jeder kann einen großen Teil dazu beitragen, Fehler zu vermeiden - wie diese Übersicht zeigt:

FITNESS

Motorräder wiegen häufig mehr als 200 Kilogramm. Wer untrainiert auf das Bike steigt, riskiert vom ersten Meter an seine Gesundheit. "Die körperliche Fitness ist Voraussetzung, Motorradfahren ist wie Sport. Man muss nicht gleich ins Fitnesscenter laufen, aber sollte die Unterarmmuskulatur schon stärken, um Gas- oder Bremsbefehle richtig geben zu können", rät Bente.

Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer gibt zu bedenken, dass auch das Gleichgewicht gehalten werden muss - das kostet Kraft. Aber nicht nur körperliche Fitness ist demnach gefragt: "Die Beschleunigungs- und Bremsvorgänge sind anders als bei einem Auto, so dass Motorradfahrer körperlich und geistig mehr gefordert werden."

SELBSTÜBERSCHÄTZUNG

"Vor Selbstüberschätzung ist niemand gefeit", sagt Lenzen. Mit einer gewissen Überheblichkeit wird zugleich die Fehlerquote erhöht - dadurch steigt die Unfallgefahr. "Falsche Einschätzung von Gefahrenpotenzial und auch des eigenen Fahrverhaltens ist das Grundübel aller Unfälle", erklärt Lenzen. "Auch wenn die Straße nicht richtig gelesen wird, kann schnell etwas passieren." Deshalb sollte man das Fahren bei verschiedenen Witterungsbedingungen und auf verschiedenen Belägen trainieren.

ÜBUNG

"Der beste Start in die Saison ist das Sicherheitstraining", sagt Lenzen. Nicht nur das Üben mit dem Bike gibt Sicherheit. "Bei einem Sicherheitstraining erhält man zudem ein vernünftiges Feedback für die eigene Fahrweise und kann daraufhin sein Fahrverhalten umstellen", sagt Bente. Wer das Training außer Acht lässt, sollte zumindest auf einem Parkplatz Achten- oder Kurvenfahrten sowie Brems- und Grundfahrübungen einstudieren: "Die Automatismen sind nach der Winterpause noch nicht wieder so trainiert - auch nicht bei den versierten Motorradfahrern und Vielfahrern." Von daher sollte man es am Anfang der Saison erstmal langsam angehen lassen.

STALLEFFEKT

Auf bekannten Straßen fühlen sich Motorradfahrer sicher, es entsteht eine Art Stalleffekt. "Dadurch sinkt die Aufmerksamkeit", sagt Bente. Eine Gefahr, denn die Fahrbahn kann sich verändern - etwa nach dem Winter Schlaglöcher aufweisen, die im Herbst noch nicht da waren. "Unbekannte Strecken geht man von vornherein vorsichtiger an."

ABSTAND

Sehr viele Unfälle passieren durch einen zu geringen Sicherheitsabstand. Zum Teil hängt dies mit Fahren in der Gruppe zusammen. "Auf der Landstraße fahren Motorradfahrer meist schneller als 100 Kilometer pro Stunde", sagt Brockmann. Häufig überholen sie dann. Aber nicht alle Teilnehmer der Kolonne kommen beim Überholvorgang durch. "Sie müssen sich in einer Lücke einreihen, die aber eng ist, so dass die Gefahr besteht, auf das Heck des vorausfahrenden Fahrzeugs zu prallen", warnt Brockmann.

SCHRÄGLAGENANGST

Die richtige Einfahrt in die Kurve mit der richtigen Geschwindigkeit ist die beste Voraussetzung, auch wieder gesund aus der Kurve herauszufahren. "Für Motorräder mit modernen Reifen sind 30 Grad Schräglage kein Problem. Die Wohlfühlzone liegt bei 10 bis 20 Grad Schräglage", sagt Bente. Dabei bleiben immer noch 10 Grad Reserve. "Würden alle Motorradfahrer 30 Prozent Schräglage ausnutzen können, gäbe es etwa 60 Prozent weniger Allein-Unfälle in Kurven", gibt Bente zu bedenken. Nach dem Start sollten Fahrer Kurven auch nicht gleich zu schräg angehen. Die Reifen müssen erst auf Betriebstemperatur kommen.

BREMSEN

In Kurven ist auch das richtige Bremsverhalten entscheidend. Sonst richtet sich die Maschine in der Kurve wieder auf und verfehlt den Rest der Kurve. Immerhin: Bei den Bremsvorgängen gibt es eine deutliche Verbesserung durch das ABS. Brockmann moniert aber, dass es immer noch viele ältere Motorräder gebe, die ohne ABS unterwegs seien. Dadurch vergrößere sich die Sturzgefahr bei Gefahrbremsungen, "vor allem auf nassem Untergrund".

SCHUTZKLEIDUNG

Die Auswahl an Schutzkleidung mit Protektoren ist groß. Allerdings sind die Textil- oder Lederkombinationen kein Supermancape. "Motorradfahrer überschätzen den Wert der Schutzkleidung", warnt Brockmann. Bei Stürzen könne die Kleidung zwar das Aufschürfen der Haut verhindern. "Bei einem Aufprall auf ein Auto oder einen Baum schützen die Protektoren zumindest bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr", sagt er.

Vor allem der Bereich des Brustkorbs ist mehr oder weniger ungeschützt, da dort keine Protektoren angebracht sind. Auch Schutzkleidung mit Airbag-Systemen würden Fahrer laut Brockmann nur bei niedriger Geschwindigkeit schützen - doch jenseits von 60 oder 70 Kilometern pro Stunde bieten sie keinen ausreichenden Schutz. "Das gilt auch für den Motorradhelm. Motorradfahrer sollten sich dieser Fakten bewusst sein."

Die "vier großen B" beim Biken: Check-up vor der ersten Fahrt

Apropos Schutzkleidung: Das Thema Bekleidung nimmt auch einen Platz bei den "vier großen B" des Motorradfahrens ein. Diese sind nach dem Polizeipräsidium Oberfranken die folgenden:

Hier finden Sie eine Auswahl an Notfall-Täschchen und Erste-Hilfe-Sets für Biker
  • Bereifung
  • Bremsanlage
  • Beleuchtung
  • Bekleidung

Die "vier großen B" sollten auf jeden Fall vor der ersten Fahrt gecheckt werden: Funktioniert alles? Gibt es Mängel, die erst behoben werden müssen? Die Polizei empfiehlt zudem allen Bikern ein Notfall-Täschchen mitzunehmen. Diese gibt es von verschiedenen Herstellern, nehmen nicht viel Platz weg und können bei einem Unfall zur ersten Hilfe dienen.

 

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