Deutschland
Extrem hohe Kosten

Führerschein teuer wie nie? Mit diesen Kosten müssen jetzt Eltern und Fahrschüler rechnen

Die Kosten für den Führerschein sind in den letzten beiden Jahren regelrecht explodiert. Bis zu 3.500 Euro kann die Fahrerlaubnis inzwischen kosten. Gerade für junge Leute eine kaum zu stemmende Summe.
Führerschein
Laut TÜV-Verband ist der Führerschein für 88 Prozent der Bevölkerung wichtig für das tägliche Leben. Foto: Marius Becker/dpa/Illustration
  • Führerschein kostet mittlerweile zwischen 2.800 und 3.500 Euro
  • So setzen sich die Kosten zusammen
  • Preise müssen transparent sein
  • Der Tipp: Genau überlegen, in welcher Stadt du die Fahrschule besuchst

Knapp die Hälfte der Deutschen verbindet mit dem Führerschein ein Gefühl von Freiheit, wie der TÜV-Verband ermittelt hat. Es verwundert dann nicht, dass 88 Prozent der Befragten die Fahrerlaubnis für 'wichtig' oder sogar für 'sehr wichtig' halten, um die täglichen Dinge des Lebens zu bewältigen. Bei soviel Renommee schmerzt es dann um so mehr, dass der Erwerb so teuer geworden ist. 

Führerschein kostet mittlerweile zwischen 2.800 und 3.500 Euro

Deutschland ächzt unter der Inflation, im April plus 7,4 Prozent. Betroffen von den Kostensteigerungen sind auch die Fahrschulen. "Uns trifft es genauso wie jeden Privathaushalt. Man sieht deutlich einen Preisanstieg", sagt Rainer Zeltwanger, Vorsitzender des Fahrschulverbands deutscher Fahrunternehmen zum Fernsehsender RTL. Realistisch sei derzeit ein Preis zwischen 2800 und 3500 Euro für den Führerschein. Fahrschulen kämpfen insbesondere mit gestiegenen Spritpreisen. Der Verbandschef rechnet vor: "Fahrschulen, die die Fahrstunde unter 60 Euro anbieten, werden schnell in die roten Zahlen kommen."

Der Verbandsfunktionär sieht ein "Stadt-Land-Gefälle". In ländlichen Gebieten drängen die Jugendlichen schon mit 16 Jahren in die Fahrschulen. Denn: Wer sich früh um die Fahrausbildung und -prüfung kümmert, darf schon ab 17 Jahren Auto fahren – in Begleitung. Begleitetes Fahren ab 17, kurz BF17, macht es möglich.

In großstädtischen Bereichen, wo es mehr ÖPNV gibt, sind Fahrschüler älter, "zum Teil Ende 20", wie Zeltwanger berichtet. Üblicherweise ist dann das Studium oder die Ausbildung abgeschlossen und es steht "mehr Geld zur Verfügung."

So setzen sich die Kosten zusammen

Es gibt keinen Einheitspreis für den Führerschein der Führerscheinklasse B. Preisvergleiche lohnen sich. Fahrschulen haben keine einheitliche Gebührenordnung, wie Rechtsanwälte oder Ärzte. Konkret: jede Fahrschule darf ihre Preise für den Führerschein selbst bestimmen. Preisvergleiche lohnen sich also.

Den größten Kostenblock bilden, nach einer Untersuchung des ADAC, die Fahrstunden à 45 Minuten, für die je ca. 55 bis 70 Euro anzusetzen sind. Wie viele Stunden du brauchst, ergibt sich aus dem Lernfortschritt. Manche brauchen zehn, andere 25 Stunden. Im Durchschnitt sind es 25 bis 30 Fahrstunden, nach den Daten der Allianz-Versicherung. Hinzu kommen noch für alle Schüler zwölf Sonderfahrten. Fahrschüler müssen je 45 Minuten viermal über die Autobahn, fünfmal über Land und dreimal nachts Auto fahren. Diese 12 Fahrstunden sind für alle Pflicht. Übel: Diese Sonderfahrten sind in der Regel noch teurer als die anderen Übungsstunden.

Auch den Grundbetrag müssen alle zahlen: Das sind die Kosten für die Verwaltung bei der Fahrschule und für den theoretischen Unterricht. Laut financescout24 sind das im Schnitt 200 Euro.

Preise müssen transparent sein

Die Kosten setzen sich aus folgenden Punkten zusammen:

  • Lernmaterialien brauchen alle: Für Bücher, Online-Medien und Zugänge zu Führerschein-Apps etc. sind rund 90 bis 120 Euro fällig.
  • Prüfungsgebühren: Die Anmeldung zur theoretischen Prüfung, durch die Fahrschule, kostet 60 bis 70, die zur praktischen Prüfung 160 bis 250 Euro. Wer die praktische Prüfung wiederholt, muss mit 250 Euro zusätzlichen Kosten rechnen. Rund 40 Prozent der Fahrschüler*innen fallen bei der praktischen Prüfung zum Führerschein Klasse B durch, berichtet der ADAC.
  • Weitere Zusatzkosten: Wer den Führerschein beantragt, muss einen Erste-Hilfe-Kurs und Sehtest nachweisen. Letzterer darf höchstens zwei Jahre alt und muss von einer amtlich anerkannten Sehteststelle durchgeführt worden sein. Beim Augenarzt kostet das ab fünf Euro, viele Optiker bieten den Sehtest gratis an. Die Kosten für das notwendige biometrische Passfoto liegen bei zehn Euro.
  • Antrag: Ja, es gibt auch noch das Straßenverkehrsamt: Die Gebühren der Verkehrsbehörde für den Führerscheinantrag liegen – unterschiedlich nach Bundesland – zwischen rund 38 und 70 Euro.

Und das ist die gute Nachricht: Die Preisangabenverordnung (PAngV) schreibt vor, dass es Preisklarheit und Preiswahrheit geben muss. Heißt also: Fahrschulen müssen Leistungen wie etwa Theorie-, Fahrstunden und Prüfung in Form eines festen Preises angeben und dies in einem Preisverzeichnis öffentlich zugänglich machen.

Der Tipp: Genau überlegen, in welcher Stadt du die Fahrschule besuchst

Der Verein Moving International Road Safety Association hat Fahrschulen in unterschiedlichen Städten nach ihren Kosten befragt. Dabei zeigte sich: Am teuersten sind Fahrschulen in mittelgroßen Städten mit durchschnittlich 2.237 Euro für den Führerschein der Klasse B.

Am günstigsten sind Fahrschulen in den Großstädten, wo künftige Autofahrer im Schnitt 2.121 Euro zahlen.

Erklärung der Interessenvereinigung: hoher Konkurrenzdruck. In mittelgroßen Städten seien es oft ein paar größere Fahrschulen, die eine Art Oligopol bilden und den Preis diktieren.