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Mobilität

Autonomes Fahren: Wann fahren wir nicht mehr selbst Auto?

Die Technik für autonomes Fahren ist nahezu fertig entwickelt. Wann beginnt die mobile Zukunft also?
Ab wann ist autonomes Fahren wirklich möglich?
Ab wann ist autonomes Fahren wirklich möglich? Symbolbild. Foto: SplitShire / pixabay.com
  • Wie funktioniert autonomes Fahren?
  • Gibt es verschiedene Stufen der Selbstständigkeit von Autos?
  • Wer hat Interesse an autonomen Autos?
  • Darf man jetzt schon mit autonomen Autos auf der Straße fahren?
  • Ab wann werden systemgesteuerte Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein?
  • Wie viel kostet ein autonomes Auto?

Während der Fahrt mit dem Auto zur Arbeit ein Buch lesen, die Mails checken oder auf dem Weg in den Urlaub die Kinder bespaßen anstatt auf den Verkehr zu achten: Eine Vision, die viele - vor allem an Zukunftstechnik Interessierte - träumen. Entwickler und Hersteller haben auch Visionen, die sich aber eher am Boden der Tatsachen bewegen (müssen). Inwieweit autonomes Fahren praxisreif ist und welche Hürden noch zu überwinden sind, damit beschäftigen sich Experten aus Industrie, Forschung und Politik schon seit Jahren. Das ist der aktuelle Stand.

Autonomes Fahren: Wie funktioniert die Technik?

Vorab: Ja, es ist bereits möglich, dass Autos auf der Straße selbstständig fahren. Die Prototypen der Hersteller haben es aus den Entwicklungslaboren raus auf die Fahrbahnen geschafft. 2015 hat das Bundesverkehrsministerium die A9 zwischen München und Ingolstadt als Teststrecke freigegeben. Auch bei Hamburg und im Dreiländereck Deutschland, Luxemburg, Frankreich werden Fahrzeuge getestet.

Die Systeme beruhen auf einer Technik, die schon seit den 1970er Jahren bekannt ist, anfangs nur im militärischen Bereich eingesetzt wurde: Global Positioning System - GPS! Wie der Allgemeine Deutsche Automobil-Club ADAC auf seiner Internetseite erklärt, empfangen selbstständig fahrende Fahrzeuge Signale von Satelliten und geben so einen Überblick über die nähere Umgebung hinaus.

Für das unmittelbare Umfeld sind nach allen Seiten ausgerichtete Videokameras zuständig. Sie liefern reale Bilder der Straße, von Verkehrszeichen und anderen Verkehrsteilnehmern. Zusätzlich messen Radarsensoren ständig den Abstand zu Objekten, Fahrzeugen und Fußgängern. Beschleunigungssensoren erkennen, auf welcher Spur das Auto fährt und ob es in der gewünschten Fahrtrichtung unterwegs ist. Sie Sensoren erkennen auch, ob das Fahrzeug etwa ins Schleudern gerät. Die Bordsoftware fügt alle Daten zusammen und ermöglicht die autonome Fahrweise. Während man oft das Gefühl hat, manche Autofahrer kennen die Verkehrsregeln nicht: Der Computer kennt sie.

Autonomes Fahren: Einfach ins Auto setzen und zurücklehnen?

So einfach ist das mit der Mobilität der Zukunft aber nicht. Die Entwickler arbeiten an 5 Levels, die eines zum Ziel haben: Die komplette autonome Mobilität.

Laut ADAC arbeiten sich die Unternehmen Schritt für Schritt vor:

  • Level 1 - assistiertes Fahren: Der Fahrer beherrscht ständig sein Fahrzeug und muss den Verkehr ständig im Blick haben. Für Verkehrsstöße und Schäden haftet der Fahrer. Einzelne Assistenzsysteme unterstützen bei bestimmten Fahraufgaben.
  • Level 2 - teilautomatisiertes Fahren: Auch hier muss der Fahrer das Fahrzeug ständig beherrschen und den Verkehr im Blick haben. Für Verstöße und Schäden haftet der Fahrer. Der Unterschied zum Level 1: Unter definierten Bedingungen hält das Fahrzeug die Spur, bremst und beschleunigt.
  • Level 3 - hochautomatisiertes Fahren: Der Fahrer darf sich vorübergehend abwenden. In vom Hersteller vorgegebenen Anwendungsfällen fährt der Pkw selbstständig. Er muss aber auf Anforderung durch das System kurzfristig übernehmen.
  • Level 4 - vollautomatisiertes Fahren: Der Fahrer kann die Fahrzeugführung komplett abgeben und wird zum Passagier. Das Fahrzeug bewältigt Fahrten auf bestimmten Strecken völlig selbstständig. Dazu zählen zum Beispiel Autobahnen oder Parkhäuser. Das Auto darf auch ohne Insassen fahren. Die Passagiere haften während der Fahrt nicht für Verkehrsverstöße und Schäden.
  • Level 5 - autonomes Fahren: Mit der letzten Stufe ist das autonome Fahren vollendet. Der Pkw wird jetzt komplett vom System geführt und erledigt alle dazu erforderlichen Aufgaben selbsttätig. Vor allem komplexe Aufgaben, wie das richtige Verhalten an einem Zebrastreifen oder das Durchfahren eines Kreisverkehrs werden dem Fahrzeug übertragen. Es gibt keine Autofahrer mehr, sondern nur noch Passagiere.

Autonomes Fahren: Wer hat Interesse an der mobilen Zukunft?

Lohnen sich die Anstrengungen der Entwickler, wie Mercedes, BMW, Tesla oder Audi? Wie hoch das Interesse daran ist, sich einfach zurückzulehnen und durch die Landschaft kutschieren zu lassen, hat das Marktforschungsinstitut Ipsos in der von Audi beauftragten Onlinestudie "The Pulse of Autonomous Driving" untersucht. Die Hamburger Marktforscher haben 21.000 Menschen in China, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Südkorea und den USA sowie in Großbritannien zu dem Thema befragt.

Insgesamt haben immerhin 82 Prozent Interesse am autonomen Fahren. Während in China mit 84 Prozent das größte Interesse besteht, sind die Deutschen mit dem geringsten Anteil derer, die Interesse bekundeten, zurückhaltend: Nur 45 Prozent der Bundesbürger sind neugierig auf die mobile Zukunft.

Der Umfrage zufolge sehen die Menschen einerseits Potenzial für sich selbst, wie mehr Komfort und Sicherheit. Andererseits würde laut der Befragten auch die Gesellschaft profitieren. Dabei nannten sie zum Beispiel einen leichteren Zugang zur Mobilität für Kinder, Ältere, oder Menschen mit Handicap. 

Autonomes Fahren: Ab wann können wir uns fahren lassen?

Trotz des vergleichsweisen geringen Interesses der Deutschen am autonomen Fahren hat sich Deutschland zum Vorreiter erklärt. Das Bundesverkehrsministerium arbeitet seit einigen Jahren daran, die Autonomie im Regelbetrieb auf die Straße zu bringen. Bereits 2017 hat die Bundesregierung als erster Staat weltweit die Integration von autonomen Fahrzeugen in den Straßenverkehr gesetzlich geregelt. Die damaligen Änderungen im Straßenverkehrsgesetz (StVG) sahen lediglich die Stufe 3, also automatisierte Systeme, im öffentlichen Raum vor. Vergangenes Jahr der nächste Schritt: Im Juli ist die Gesetzesänderung in Kraft getreten, die bundesweit autonome Fahrzeuge der Stufe 4 im Straßenverkehr zulässt. Wer aber schon in den Startlöchern schert, muss sich noch etwas gedulden. Denn das Gesetz sieht vorerst unter anderem folgende Anwendungsbereiche vor:

  • Shuttle-Verkehre
  • Linienverkehr: Busse, die auf einer festgelegten Route unterwegs sind
  • Logistik: Transport zwischen zwei Lagern oder Produktionsstätten sowie der sogenannte Transport auf der ersten oder letzten Meile
  • Automated Valet Parking (AVP): Man stellt sein Fahrzeug in einer "Drop-Off Area" eines Parkhauses ab, aktiviert die App auf dem Smartphone und das Auto sucht sich selbständig den Parkplatz

Trotz der Euphorie der Bundesregierung geht das Zukunftsinstitut in einer vom ADAC in Auftrag gegebenen Studie davon aus, dass autonomes Fahren für alle frühestens 2040 endgültig ankommen wird - in den Köpfen der deutschen Autofahrer und auf der Straße. Die Kosten für ein autonomes Auto werden sich übrigens in Grenzen halten, zumindest wenn es nach Berechnungen der Boston Consulting Group (BGC) geht. Die internationale Unternehmensberatung geht in einer Studie aus dem Jahr 2015 davon aus, dass autonome Autos rund 1.300 und 6.000 Euro mehr kosten werden. In den ersten zehn Jahren nach Markteinführung werden diese Kosten laut BGC aber deutlich um vier bis zehn Prozent pro Jahr zurückgehen.