Toyota GT 86: Das Sport- und Spaßmobil

Eine Erfolgsstory ist der Toyota GT 86 bisher nicht. Seit seiner Markteinführung 2012 wurden in Europa gerade mal 17.000 Exemplar verkauft, davon rund 3.500 Stück in Deutschland. Das ist erstaunlich, denn der GT 86 ist ein preisgünstiger Sportwagen mit Rennsport-Feeling. Jetzt soll es die Ausbaustufe des handlichen Japaners richten.

 
Toyota GT 86: Das Sport- und Spaßmobil
Gründlich überarbeitet: der neue Toyota GT 86 Foto: Harald Dawo

Eine Rennstrecke bei Barcelona, ihr Name fällt in eine veritable Gedächtnislücke. Muss im Frühsommer 2012 gewesen sein, die Erinnerung folgt der Logik. Weil es angenehm warm war und die Toyota-Leute ihr mit dem Hinweis auf die Sprünge halfen, den GT 86 Ende 2011 auf der Tokyo Motor Show vorgestellt zu haben. Was aber im Langzeitspeicher auch nach fast fünf Jahre noch unauslöschlich haftete, war die Verblüffung (oder war es gar Begeisterung?) darüber, wie driftend leicht sich das kleine Sport- und Spaßmobil um die Ecken des katalanischen Raceways bewegen ließ. Dieses Gefühl hat sich bei seinem Nachfolger noch verstärkt.

Das Kontrastprogramm: Läppische drei Grad minus in Lappland. Die Menschen im finnischen Rovaniemi, die schon deshalb noch an den Weihnachtsmann glauben, weil sie jedem erzählen, er sei hier zu Hause (obwohl sie ihn noch nie gesehen haben), entwickeln bei solchen Temperaturen schon leichte Sommergefühle. Außerdem mussten sie sich - was zu vorübergehenden Irritationen führte - an einen japanischen Polar-Express gewöhnen. Die Evolutionsstufe des Toyota GT 86 wurde nämlich auf Eis gezündet, was natürlich zu deutlich spektakuläreren Heckausbrüchen führte, als es schnöder Asphalt jemals zulassen würde.

 

Die Gene des Nürburgring-Klassenbesten

Im Ergebnis macht das keinen großen Unterschied. Denn der neue, gründlich überarbeitete Kleinsportwagen folgt nach wie vor ganz der Zielvorgabe des großen Toyota-Vorsitzenden Akido Toyoda, die schlicht heißt: "Es muss Spaß machen, ein Auto zu fahren." Nun gibt es eine ganz Reihe von Interpretationsmöglichkeiten, Spaß zu haben. Vor allem bei Toyota, wo inzwischen jedes dritte verkaufte Auto wohl deshalb ein Hybrid ist, weil immer mehr Kunden Spaß am Stromern und am Benzinsparen haben. Freilich ahnen, ja glauben wir zu wissen, welchen Fun-Faktor Toyoda meint. Schließlich hat der Mann auch mit über 60 noch größtes Vergnügen daran, alljährlich beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring selbst hinterm Steuer zu sitzen. Wenn man weiterhin weiß, dass dort 2014 ein GT 86 den Klassensieg einfuhr, wird vollends klar: Dieser Toyota wendet sich an alle Infizierten, die das Rennvirus in sich tragen. Und der Einstiegspreis von 29.900 Euro, der sich bei voller Ausschöpfung einer knappen Liste an Extras nur um 5.500 Euro steigern lässt, macht ebenfalls Spaß.

Nun waren die Fahrversuche auf Eis und Schnee trotz höchsten Spaßfaktors sicherlich nicht dazu geeignet, die technischen Voraussetzungen für schnelle Rundenzeiten auszuloten. Aber es gibt sichtbare Hinweise, die auf deutliche Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger schließen lassen. Die Nase steht jetzt tiefer im Wind, die Frontstoßfänger wurden gründlich überarbeitet. Am Heck sitzt jetzt ein richtiger Spoiler anstatt eines integrierten Stummels, und gemeinsam mit den LED-Lichtern vorne und hinten lassen die 17-Zoll-Felgen die japanische Frohnatur sehr viel breiter aussehen.

 

Optimiertes Fahrwerk mit Track-Modus

Bei den inneren Werten fällt zuerst das kleine, handliche Sportlenkrad auf, dann sticht das rechts neben Tempoanzeige und Drehzahlmesser sitzende Multi-Infodisplay ins Auge. Mit ihm lassen sich nicht nur die Fliehkräfte anzeigen, sondern per Stoppuhr auch Rundenzeiten messen. Neu ist auch der hübsch über der Mittelkonsole integrierte 6,1 Zoll große Touchscreen, über den das Multimedia- und Navigationssystem bedient wird. Nett auch die silber-grauen oder roten Ziernähte, die je nach Geschmack beim Interieur Akzente setzen.

 

Die jungen Wilden unter den potentiellen Käufern dürften die Fahreigenschaften mehr interessieren. Wesentlichste Neuerungen zu diesem Thema: Der 200 PS starke 2-Liter-Boxer-Saugermotor erhielt eine neue Direkteinspritzung, was zu Leistungen von 0 auf 100 km/h in 7,6 Sekunden mit der 6-Gang-Handschaltung führt (Automatik 8,2 Sekunden). Der Topspeed liegt bei 226 bzw. 210 km/h. Den größten technischen Fortschritt allerdings, so die Techniker aus Toyoata, hätten sie bei der Optimierung des Fahrwerks gemacht. Sie versprechen im Vergleich zum Vorgängermodell ein besseres Handling, mehr Stabilität und mehr Fahrkomfort. Auch ein Track-Modus ist jetzt an Bord. Wer mit der Taste in der Mittelkonsole den VSC Sport Modus aktiviert, darf auf elektronische Unterstützung zählen.

 

Ein GT-X mit 1.000 PS und dem Driftking

Dies alles ließ sich auf spiegelglattem Untergrund nicht wirklich nachvollziehen. Vor allem nicht der Speed, schließlich ist die finnische Polizei dafür berühmt-berüchtigt, bei entsprechender Überschreitung die fahrbaren Untersätze humorlos zu konfiszieren. Wie man hört, fällt nur der Schlitten von Santa Claus unter die Ausnahmeregelung. Und um dessen Geschwindigkeit einigermaßen zu simulieren, ließen die Toyota Leute ausgerechnet einen fliegenden Norweger einfliegen. Frederic Aasbø heißt der junge Mann, seine Referenz ist der Weltmeistertitel 2015 im Driften. 2016 war er bei der in den USA ausgedrifteten Meisterschaft Vize. Um es kurz zu machen: Frederic bat die Anwesenden zur Probefahrt in einem umgerüsteten GT 86 auf Serienbasis, dessen Zusatzkürzel -X sich auf einen 3,4 Liter-Turbomotor mit 1.000 PS und fast 1.600 Newtonmeter Drehmoment bezog. Diese Werte sind in Frederics normalem Asphalt-Leben gut genug, in unter 40 Sekunden einen Satz Semi-Slicks zu vernichten. On ice machte der Driftking bei Tempo jenseits von 160 die Seitenfenster zur Frontscheibe und Akido Toyodas Philosophie zur neu gewonnenen Weisheit: Es muss Spaß machen, ein Auto zu fahren.