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Werkstattkosten

Auto-Reparatur: Rechte und Pflichten - alles, was du wissen musst

Wer ein defektes Auto hat, muss wohl oder übel in eine Werkstatt. Doch um bei der Reparatur nicht noch draufzuzahlen, sollte man seine Rechte und Pflichten besser genau kennen. So kannst du den "finanziellen Schaden" zumindest in Grenzen halten.
Welche Rechte und Pflichten hat man als Fahrzeughalter einer Werkstatt gegenüber?
Welche Rechte und Pflichten hat man als Fahrzeughalter einer Werkstatt gegenüber? Foto: CC0 / Pixabay / geraldoswald62
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  • Das solltest du vor einem Reparaturauftrag beachten, damit es nicht zu teuer wird
  • Was du tun kannst, damit sich deine Autoreparatur nicht ewig in die Länge zieht
  • Ende gut, alles gut - oder was ist, wenn das gleiche Problem bald wieder auftaucht?
  • Wie du dich vor unnötigen und überzogenen Kosten am besten schützen kannst

Ein kaputtes Auto ist ohnehin schon ärgerlich genug. Doch manchmal kommen auch noch Probleme mit der Werkstatt dazu. Dies können zu hohe Kosten sein, aber auch schlecht ausgeführte oder zu lange dauernde Reparaturen. Mit diesen Tipps kannst du zumeist noch weiteren Verdruss vermeiden.

Der erste Schritt zur Schadensbegrenzung: Einen Kostenvoranschlag einholen

Der Besuch einer Autowerkstatt wird eigentlich immer relativ teuer. Selbst ein einfacher Ölwechsel mit Filter ist in Abhängigkeit von Fahrzeug, Region und Werkstatt kaum noch unter hundert Euro zu haben. Umso mehr addieren sich die Kosten gerade bei größeren Schäden auf, sodass hier ganz schnell mehrere tausend Euro zusammenkommen können. Deshalb ist es umso wichtiger, vorab mit der Werkstatt klare Absprachen zu treffen, um nicht ein Fass ohne Boden entstehen zu lassen. Deshalb lautet der erste wichtige Schritt, die Kosten überschaubar zu halten: Lasse dir vor Auftragserteilung gerade bei aufwändigeren Reparaturen einen Kostenvoranschlag von der Werkstatt machen. Zwar darf dieser zumindest in einem gewissen Rahmen von der schlussendlichen Rechnung abweichen - 15 bis 20 Prozent, unter Umständen auch bis zu 25 Prozent muss der Kunde tolerieren -, dennoch werden dadurch die Kosten kalkulierbarer.

Allerdings kann der Kostenvoranschlag selbst (zumindest in bestimmten Branchen wie auch dem Kfz-Handwerk) etwas kosten. Um keine unliebsamen Überraschungen zu erleben, solltest du auch diese Frage auf jeden Fall schon vorher klären. Falls du dich dann für die Durchführung der Arbeiten entscheidest, empfiehlt es sich, einen klar definierten Reparaturauftrag zu erteilen. Wer seiner Werkstatt etwa einen Freibrief erteilt, indem der Auftrag beispielsweise lautet: den Wagen TÜV-fertig machen, dann ist das ein sehr großer Ermessensspielraum. Wobei gute Werkstätten größere und teurere Instandsetzungen ohnehin erst mit dem Kunden absprechen, bevor sie loslegen und diesen nicht vor vollendete Tatsachen stellen.

Was ist aber, wenn die Reparatur deutlich länger dauert, als eigentlich dafür vorgesehen war? Das kommt dann darauf an, ob im Reparaturvertrag ein bestimmter Fertigstellungstermin vereinbart worden ist. Wurde hier ein Datum festgelegt oder eine klar definierte Zeitdauer angegeben, ist die Werkstatt verpflichtet, sich auch daran zu halten. Andernfalls muss sie dir einen möglichen, durch die Verzögerung entstandenen Schaden ersetzen und dir zum Beispiel die Kosten für einen Mietwagen ersetzen. Wurde jedoch kein Zeitpunkt vereinbart, dann solltest du dem Kfz-Betrieb eine angemessene Frist setzen. Ist dein Auto bis dahin nicht repariert, dann ist die Werkstatt auch in diesem Fall schadenersatzpflichtig. Das dicke Ende kommt ja bekanntlich zum Schluss: die Rechnung. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, noch vor Zahlung genau zu prüfen - zumindest soweit möglich -, ob auch alle beauftragten und berechneten Arbeiten durchgeführt wurden. Außerdem solltest du dein Fahrzeug vorsorglich und noch gleich auf dem Betriebsgelände auf etwaige Reparaturschäden überprüfen. Wie schon erwähnt, darf und kann die Rechnung durchaus im Rahmen von 15 bis 20 Prozent vom Kostenvoranschlag abweichen. Jedoch solltest du dabei genau kontrollieren, ob zumindest keine nicht von dir vorher beauftragten Arbeiten durchgeführt worden sind. Ein diesbezüglicher Rechtsstreit geht jedoch in Fällen eines fehlenden Auftrages nicht immer zu Gunsten des Kunden aus.

Die Auswahl der Werkstatt macht bereits einen wesentlichen Preisunterschied aus

Eine ganz wesentliche und dabei die Kosten bestimmende Frage, ist die Wahl der Werkstatt. Muss es unbedingt eine zumeist deutlich teurere Vertragswerkstatt sein, oder tut es auch eine freie Werkstatt. Der ADAC bringt es auf die Formel: Jüngere Fahrzeuge bis etwa zum Alter von vier Jahren sollte man besser in eine Vertragswerkstatt bringen und die älteren in die zumeist günstigeren freien Werkstätten. Der Grund dafür ist die sogenannte Sachmängelhaftung innerhalb der ersten zwei Jahre. Hier schreiben die Hersteller vor, dass das Fahrzeug zur Behebung in eine Vertragswerkstatt gegeben werden muss. Auch während der Garantiezeit sind die Kunden verpflichtet, für eine kostenfreie Reparatur einen vom Hersteller autorisierten Betrieb aufzusuchen.

Für die Zeit danach kann die Vertragswerkstatt genau dann noch von Vorteil sein, wenn zwar keine Haftungsansprüche mehr bestehen, aber der Hersteller im Rahmen einer Kulanzregelung bereit wäre, einen Kostenzuschuss zu zahlen oder die Kosten sogar ganz zu übernehmen. Ein weiterer Vorteil ist bei den herstellergebundenen Werkstätten darin zu sehen, dass ganz besonders moderne Fahrzeuge immer mehr elektronische Steuerungselemente enthalten. Diese unterscheiden sich dann je nach Automarke. Die Vertragswerkstätten sind hier oftmals besser mit Diagnose-Geräten ausgerüstet und die Fachleute markenspezifisch geschult. Dies kann in bestimmten Fällen durchaus Zeit und Geld sparen. Der Kostenvorteil der freien Werkstätten kommt dann meist nicht nur durch niedrigere Arbeitslöhne zustande, sondern auch dadurch, dass diese nicht immer die Originalersatzteile verbauen.

Inspektionen oder Unfallarbeiten darfst du übrigens auch während der Garantiezeit von einer freien Werkstatt durchführen lassen, solange dort zumindest nach den Vorschriften der Hersteller gearbeitet wird. Gerade in solchen Fällen besteht ein nicht unerhebliches Einsparpotenzial. Von Vorteil ist es zudem für dich, wenn der ausführende Betrieb Mitglied der Kfz-Innung ist. Solltest du Probleme mit der durchgeführten Reparatur haben, dann kannst du kostenlos die Schiedsstelle der Innung einschalten. Insgesamt lässt sich also feststellen, dass sich der Besuch einer Vertragswerkstätte gerade bei relativ neuen Fahrzeugen anbietet und ganz besonders auch dann, wenn im Wagen ein hohes Maß an komplexer Elektronik verbaut ist, für deren Wartung und Reparatur nicht nur spezifische Messgeräte erforderlich sind, sondern auch entsprechend ausgebildete Profis von Vorteil sind. Hast du schon ein etwas betagteres Fahrzeug, das zudem nicht mit der allerneusten Hightech-Elektronik vollgestopft ist, dann kannst du deinen Geldbeutel beim Besuch einer freien Werkstatt auf jeden Fall deutlich schonen.