Brüssel
Neue Richtlinien

Änderungen beim Führerschein geplant: Klasse B erweitert, digitaler Führerschein, Fahrverbot und mehr

Beim Führerschein soll sich bald einiges ändern. Davon wären nicht nur Millionen Autofahrer betroffen, sondern auch Motorrad-, Lastwagen- oder Busfahrer. Die wichtigsten geplanten Neuerungen im Überblick.
Führerschein
Der Autoführerschein soll bald noch mehr können: Autofahrer sollen mit mehr Fahrzeugtypen fahren dürfen. Foto: Marius Becker/dpa
  • Änderungen beim Führerschein 2023: EU überarbeitet Richtlinie
  • Führerschein Klasse B wird erweitert
  • Digitaler Autoführerschein: Das soll sich ändern
  • Neu für Fahrschüler*innen: Refresher-Kurse und mehr

Mit dem Führerschein soll bald mehr möglich sein. Dazu überarbeitet die EU-Kommission ihrer Führerscheinrichtlinie und schon 2023 soll die neue Version verabschiedet werden. Welche Änderungen stehen zur Diskussion?

Neue Richtlinie für Führerscheine ab 2023: Das ändert sich für Autofahrer

Die wohl größte Neuerung ist die Erweiterung des Führerscheins der Klasse B. Bislang darf man damit nur Kraftfahrzeuge bis zu einer Gesamtmasse von 3,5 Tonnen fahren. Diese zulässige Gesamtmasse soll nun auf 4,25 Tonnen angehoben werden. Vor allem für Camping-Fans ist das eine gute Nachricht. Denn laut dem ADAC sind die meisten Wohnmobile zu schwer für den normalen Führerschein. Wer ein Wohnmobil oder einen Transporter fahren möchte, kann das dann auch mit der Fahrerlaubnis für die Klasse B.

Auch für Motorradfahrer*innen werden die Regeln mit der neuen Richtlinie voraussichtlich gelockert. Die EU legt besonders viel Wert darauf, dass die Regeln in den Mitgliedsländern vereinheitlicht werden. Beim Führerschein B196 ist das bislang aber noch nicht der Fall. Mit dieser Erweiterung des Pkw-Führerscheins darf man Leichtkrafträder bis 125 ccm fahren - das gilt nur in Deutschland. National geltende Regeln sollen jedoch künftig in der ganzen EU anerkannt werden. Motorradfahrer*innen dürften dann ihre 125er-Maschine auch im EU-Ausland fahren.

Die Digitalisierung soll ebenfalls vorangetrieben werden. Mit der neuen Richtlinie wäre ein digitaler Führerschein bei einer Polizeikontrolle oder der Autovermietung ausreichend. Das soll über eine entsprechende App auf dem Handy funktionieren. In Deutschland ist die Einführung einer solchen App 2021 gescheitert, dank der EU-Richtlinie könnte der digitale Führerschein eine zweite Chance bekommen. Auch die Führerscheinkarte könnte in Zukunft anders aussehen: Statt des Chips soll ein QR-Code auf die Karte, um den Führerschein fälschungssicherer zu machen.

Fahranfänger müssen zum Auffrischungskurs: Das plant die EU

Für Fahrschüler*innen sind ebenso Änderungen geplant. So soll das Mindestalter für Lkw- und Busführerscheine auf 18 Jahre abgesenkt werden. Bislang darf man die Klasse C für Lastwagen erst mit 21 Jahren erwerben, die Klasse D für Busse sogar erst mit 24 Jahren. Da in vielen Ländern jedoch ein akuter Mangel an Berufskraftfahrern herrscht, will man die Regeln lockern.

Beim Autoführerschein gibt es dagegen strengere Regeln für Fahrschüler*innen. Es ist angedacht, dass die praktischen Fahrstunden erst nach bestandener Theorieprüfung beginnen dürfen. Die Fahrprüfung könnte auch in Simulatoren abgenommen werden, zumindest in Teilen. Außerdem sollen die Fahranfänger*innen nach einem Jahr mit Führerschein einen "Refresher-Kurs" besuchen. Die Teilnahme wäre verpflichtend. Der Auffrischungskurs wurde von Verkehrssicherheits-Fachleuten empfohlen, um die Unfallzahlen zu senken.

Im Gegenzug wird den Prüflingen aber auch eine Erleichterung versprochen: Die Wohnsitzregelung könnte aufgeweicht werden. Dann wäre es möglich, die theoretische und praktische Prüfung in unterschiedlichen EU-Mitgliedsstaaten zu absolvieren. Diesen Schritt begründen die Politiker*innen mit der zunehmenden Mobilität der Bevölkerung.

Beschluss noch 2023: Wann kommen die Führerschein-Änderungen nach Deutschland?

Einheitliche Regeln in der EU bedeuten aber nicht nur mehr Freiheiten, auch die Strafen werden angepasst. In der neuen Führerscheinrichtlinie soll zum Beispiel die Länge des Führerscheinentzuges vereinheitlicht werden - und gegenseitig anerkannt. Wer ein Fahrverbot in Frankreich oder Italien bekommen hat, darf dann also auch in Deutschland nicht fahren. Einheitliche Grenzwerte bei Alkohol und Drogen am Steuer sowie die Angleichung des Punktesystems sind ebenfalls in Arbeit. Polizeikontrollen sollen dadurch erleichtert werden, dazu sollen auch die Führerscheindaten aller EU-Bürger*innen in einer gemeinsamen Datenbank gespeichert werden.

Wann genau und in welcher Form die neuen Änderungen in Kraft treten, ist noch nicht klar. Laut dem Fahrplan der Initiative wird die EU-Kommission im ersten Quartal, also bis Ende März, die 4. Führerscheinrichtlinie festmachen. Der Vorschlag geht dann erstmal durch das EU-Parlament und den Rat der EU, im Laufe des Jahres 2023 sollte der Beschluss stehen. Dann ist es aber Sache der einzelnen Länder, die Richtlinie in ihren Gesetzen zu verwirklichen. Ob Deutschland noch in diesem Jahr die Änderungen umsetzt, ist fraglich. Es könnten zudem noch weitere Änderungen dazukommen, die Richtlinie liegt bislang noch nicht ausformuliert vor. 

Aber auch ohne die EU-Richtlinie stehen 2023 einige Änderungen für Autofahrer*innen an: Einen Überblick findet ihr hier.