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Bonn
Corona und Hygiene

Infektionsrisiko im Flugzeug: Wird das Virus durch Klimaanlagen verbreitet?

Um das Infektionsrisiko mit dem Coronavirus zu verringern, ist der Mindestabstand von 1,5 Metern eine wichtige Maßnahme. Dabei ist noch ungeklärt, inwiefern Klimaanlagen das Virus verbreiten. Welche Gefahr gibt es im Auto und im Flugzeug?
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Klimaanlage
Grundsätzlich hilft eine gute Belüftung von Räumen das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Foto: triosolution1/pixabay

Immer wieder werden neue Fragen zum Coronavirus aufgeworfen, für die es noch keine Antworten gibt. Vor allem was die Übertragungswege von Sars-CoV-2 angeht. Momentan wird diskutiert, inwieweit Klimaanlagen zur Verbreitung des Virus beitragen.

Alarmierende Meldung gibt es diesbezüglich aus China: Wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung berichtet hatte, gab es in einem fünfstöckigem Restaurant in Guangzhou eine beunruhigende Infektionskette. Das Restaurant wird demnach über eine Klimaanlage belüftet. Fenster gibt es dort nicht. Bei zehn Gästen wurde nach einem Restaurantbesuch Covid-19 diagnostiziert. 

Klimaanlagen: Werden die Viren durch den Luftstrom transportiert?

Forscher gehen davon aus, dass die Infektion von einem einzigen anderen Gast des Restaurants ausging. Doch genau dieser Gast steckte nicht nur Menschen in seiner direkten Nähe an. Er infizierte wahrscheinlich auch Menschen, die weiter entfernt saßen, als das eine Infektion durch Tröpfchen möglich gewesen wäre. Wissenschaftler nehmen an, dass die Klimaanlage schuld war an der Verbreitung des Virus in dem Lokal. Durch den Luftstrom seien die Viren weiter transportiert worden. 

Aber noch ist es zu früh, um alle Belüftungsanlagen als gefährlich abzustempeln. Denn hauptsächlich wird das Virus immer noch durch Tröpfcheninfektion, seltener durch Schmierinfektion übertragen. Durch eingebaute Filter in den Klimaanlagen würden, laut dem Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung e.V. (BTGA) in Bonn, die Tröpfchen mit dem Luftstrom nicht weiter getragen.

Klimaanlage und Belüftung im Auto

Um ein etwaiges Risiko einzuschränken, empfiehlt der BTGA Räume mit einem möglichst hohen Außenraumanteil zu lüften und Umluftanteile zu reduzieren. Auch laut dem Umweltbundesamt (UBA), kommt es vor allem auf die Art der Klimaanlage und auf die Wartung an. Grundsätzlich helfe eine gute Belüftung von Räumen eher, das Infektionsrisiko zu senken.

Das gilt auch für die Klimaanlage im Auto. Dr. Ernst Tabori, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrum für Hygiene sagte der autobild.de: "Sofern die Klimaanlage Frischluft ansaugt, spielt dies keine Rolle. Bei rezirkulierender Luftführung sieht das bei aerogen übertragbaren Erregern natürlich anders aus.

Da kann die wieder aufgewirbelte Luft das Risiko erhöhen." Im Auto verzichten Sie momentan also lieber auf Umluft. Vor allem, wenn Sie mit Personen im Auto sitzen, die nicht Ihrem Haushalt angehören. Ob Sie momentan noch mit einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit fahren dürfen, erfahren Sie hier.

Klimaanlage im Flugzeug: Scheinbar kein erhöhtes Infektionsrisiko

Sollten Flugreisen wieder möglich sein, werden sich einige Menschen möglicherweise fragen: Birgt Fliegen in Zeiten der Corona-Pandemie ein besonders hohes Infektionsrisiko? Die Behauptung: Klimaanlagen schleudern das Coronavirus durch die Luft und erhöhen die Ansteckungsgefahr.

Nach Angaben des Flugzeugherstellers Airbus sorgt ein komplexes und geschlossenes Belüftungssystem in Passagiermaschinen für eine sehr saubere Luft und ein geringes Infektionsrisiko an Bord. Es sorgt dafür, dass die Luft in der Kabine alle zwei bis drei Minuten erneuert wird und der Qualität in einem Krankenhaus entspricht. «Die Luft im Flugzeug ist bei der Landung sauberer als nach dem Schließen der Türen beim Start», sagt Airbus-Chef-Ingenieur Jean-Brice Dumont.

Die Luft im Flugzeug, eine Mischung aus Außenluft und recycelter Kabinenluft, wird in der Klimaanlage durch Hochleistungsfilter geleitet. Dabei werden Mikroteilchen abgeschieden: Partikel wie das Coronavirus können nach Angaben von Airbus mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,97 Prozent aus der Luft entfernt werden. Hinzu kommt, dass die Luft in der Kabine permanent von der Decke herabströmt und am Boden wieder abgesaugt wird. So gibt es weder seitwärts noch in Längsrichtung einen horizontalen Luftstrom, der Viren «herumschleudern» könnte.

Hygienemaßnahmen auch im Flugzeug wichtig

Die Luft in 10 000 Metern Flughöhe ist sehr trocken, mit minus 50 Grad Celsius sehr kalt und enthält kaum Sauerstoff. Der Luftdruck ist sehr niedrig. In der Passagierkabine eines Flugzeugs hingegen herrschen Luftverhältnisse, die den Bedürfnissen des Menschen hinsichtlich Temperatur, Druck, Sauerstoffgehalt, Feuchtigkeit und Qualität entsprechen müssen. Klimaanlagen sind Teil eines Systems, das diese Bedingungen herstellt und kontrolliert.

Eine Infektion durch Anhusten oder direkten Kontakt ist allerdings auch im Flugzeug möglich - gerade wenn Menschen eng beieinander sitzen und aus aller Welt zusammenkommen. «Es ist notwendig, dass die Passagiere auch im Flugzeug Masken tragen und alle Hygienemaßnahmen beachten», erklärt Dumont. Vom Betreten des Flughafens bis zur Ankunft gebe es mitunter ein engmaschiges Sicherheitsnetz - von Maskenpflicht bis zur Händedesinfektion.