Laden...
München/Schweinfurt
Sterben und Corona

Bestatter in Zeiten des Coronavirus: Einstufung als "systemrelevant"?

Bestimmte Berufsgruppen sollen in den kommenden Wochen dafür sorgen, dass das System nicht völlig zusammenbricht. Ärzte, Polizisten und Lebensmittelversorger gehören dazu. Nun fordern auch Bestatter den Status für sich ein.
Artikel drucken Artikel einbetten
Im Krematorium könnte schon bald die Versorgung der Toten zum Problem werden. Die Schließung der Schulen und Kitas macht es Bestattern schwer, die Sterbefälle weiterhin zu betreuen. Sie fordern, als "systemrelevant" eingestuft zu werden.
Im Krematorium könnte schon bald die Versorgung der Toten zum Problem werden. Die Schließung der Schulen und Kitas macht es Bestattern schwer, die Sterbefälle weiterhin zu betreuen. Sie fordern, als "systemrelevant" eingestuft zu werden. Foto: Wolfgang Kumm (dpa)

Bayerns Bestatter fühlen sich vergessen. "Wir müssen unbedingt in die Liste der systemkritischen Berufe aufgenommen werden", kritisierte der Vorsitzende des Bestatterverbandes Bayern, Ralf Michal. Ärzte, Pfleger oder Polizeibeamte wissen ihre Kinder auch in Zeiten von Schul- und Kitaschließungen versorgt. Sind auch Bestatter ein unverzichtbarer Teil für das Funktionieren der Gesellschaft im Katastrophenfall?

Rat und Unterstützung im Trauerfall: Bei trauer.inFranken.de

 

Pro Jahr stirbt im Schnitt ein Prozent der deutschen Bevölkerung. 2018 waren es in Bayern knapp 135.000 Menschen, was im Schnitt rund 11.250 im Monat sind, die versorgt werden müssen. Wie die Fallzahlen im Zuge der Corona-Pandemie ansteigen werden, wagt niemand abzuschätzen. Zwar rechne Michal, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Bestatter ist, nicht mit einer Sterbewelle, doch dass die Todesfälle auch hierzulande steigen werden, scheint unaufhaltbar. Damit die Bestattung und die Betreuung der Trauerfälle auch in den kommenden Wochen gewährleistet werden kann, benötigen auch die rund 270 Bestatter in Bayern Hilfe bei der Aufsicht der Kinder.

Kaum Schutz vor Corona: Bestatter im Schichtsystem

Auch Bestatter sind auf Desinfektionsmittel, Masken und Handschuhe angewiesen, da sie in ihrem Beruf einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. "Egal, wo wir hingehen, wir bekommen keine Schutzausrüstung mehr", sagte Michal. Wären Bestatter als "systemrelevante" Berufsgruppe eingestuft, bekämen sie die nötige Ausrüstung. Derzeit werde im Betrieb von Ralf Michal in zwei Teams gearbeitet, die sich möglichst nicht begegnen sollen. Das Schichtsystem soll die Versorgung sicherstellen, auch wenn ein Mitarbeiter sich mit dem neuartigen Virus Sars-CoV-2 ansteckt.

Hilfe und Dienstleistungen im Trauerfall: Unter trauer.inFranken.de

 

Auch auf Trauerfeiern lauert eine größere Ansteckungsgefahr. Nicht nur, weil dort Tränen fließen und Taschentücher im Einsatz sind. Man solle den Kreis der Trauergäste nun auf das Notwendige reduzieren, rät Michel. Bestatter gingen inzwischen sogar dazu über, Kondolenzlisten auszulegen, in die die Trauergäste sich unbedingt gut leserlich eintragen sollen, um beim möglichen Auftreten einer Infektion informiert werden zu können. Trauergottesdienste sind nach dem offiziellen Verbot der Bundesregierung ohnehin in nächster Zeit nicht mehr möglich. Es braucht nun Formen des Gedenkens, die hinsichtlich der Infektionsgefahr unbedenklich sind.

Auf trauer.inFranken.de finden Sie Bestatter der Region im Branchenbuch sowie Infos und Unterstützung für den Trauerfall.

Weitere Artikel mit Fakten und Hilfe zum Thema Trauer und Tod:

Verwandte Artikel