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Bayerisches Reinheitsgebot und Deutsches Reinheitsgebot: Was ist der Unterschied?

2016 feierte das Bayerische Reinheitsgebot 500. Geburtstag. Auch drei Jahre später fragen sich viele Menschen, was das eigentlich bedeutet. Und was ist eigentlich der Unterschied zum Deutschen Reinheitsgebot?
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Angaben des Deutschen Brauerbundes zufolge, wurden im Jahr 2018 über 6000 verschiedene Biermarken in Deutschland produziert. Foto: Andreas Gebert/dpa
Angaben des Deutschen Brauerbundes zufolge, wurden im Jahr 2018 über 6000 verschiedene Biermarken in Deutschland produziert. Foto: Andreas Gebert/dpa

Bayerisches Reinheitsgebot: Was bedeutet das?

Laut dem Bayerischen Reinheitsgebot dürfen für das Brauen von Bier lediglich drei Zutaten verwendet werden:

  • Wasser
  • Hopfen
  • Gerstenmalz

Die Experten des Deutschen Brauerbundes ordnen die Verordnung historisch ein: Das Reinheitsgebot wurde 1516 vom Bayerischen Landständetag in Ingolstadt erlassen. "Wie das Bier im Sommer und Winter auf dem Land ausgeschenkt und gebraut werden soll", heißt der Titel der Verordnung, die Herzog Wilhelm IV. von Bayern verantwortete. Es ist das älteste Lebensmittelgesetz der Welt und hat bis heute nicht als Bedeutung verloren.

Hintergrund der damaligen Gesetzgebung war das Verfälschen des Bieres durch zum Beispiel chemische Zusätze. Giftige Zutaten wurden in den Brauprozess einbezogen, um das Bier haltbar zu machen und zu konservieren. Bevor Hopfen dafür verwendet wurde, landeten regelmäßig Ochsengalle, Schafgarbe oder Fichtenspäne im Braukessel.

Das Deutsche Reinheitsgebot: Das steckt dahinter

Mit der Entdeckung der Bedeutung von Hefe für die Konservierung, wurde das Bayerische Reinheitsgebot angepasst. Rund 400 Jahren später trat Bayern in die Weimarer Republik ein. Bereits wenige Jahre zuvor erließ Kaiser Wilhelm das Deutsche Reinheitsgebot: Es besagt das für untergärige Biere ebenfalls nur Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe als Zutaten verwendet werden dürfen. Anders ist es bei obergärigen Bieren. Dabei sind auch andere Malzarten und verschiedene Zuckerarten, wie Rohr- oder Invertzucker erlaubt.

Bier aus dem Ausland

Seit dem Jahr 1987 dürfen auch ausländische Braugetränke unter dem Namen "Bier" nach Deutschland importiert werden, die nicht den Reinheitsgeboten entsprechen müssen. Das hindert die deutschen Brauereien nicht daran, sich weiterhin an das Reinheitsgebot zu halten. Mehr als 6000 verschiedene Biermarken werden in Deutschland hergestellt. Das zeigen Zahlen des Deutsche Brauer-Bundes aus dem Jahr 2018. Eine Vielzahl der Hersteller sieht sich weiterhin der Verordnung verpflichtet.

Kreativbrauer entwickeln eigene Standards

Trotz einer hohen Akzeptanz des Reinheitsgebotes, hat sich in den letzten Jahren eine Gegenbewegung gegründet: Die Deutschen Kreativbrauer.

"Der Verein Deutsche Kreativbrauer e.V. setzt der Marktmacht der Großbrauereien eine eigene starke Organisation entgegen, die mit vereinten Kräften für die Förderung kreativer und natürlicher Biervielfalt eintritt", heißt es von Seiten des Vereins. Konkret geht es den Brauern um ihre entwickelten Qualitätsstandards, die nach eigenen Angaben weit über das Reinheitsgebot hinaus gehen: Das "Natürlichkeitsgebot".

Es besagt, dass Hopfen- und Malzextrakte sowie künstliche Zusatz- und Farbstoffe als Zutaten verboten sind. Zusätzlich dürfen die im Brauprozess verwendeten Rohstoffe nicht genmanipuliert sein.

Die Brauer setzen sich dafür ein, dass neben den klassischen natürlichen Rohstoffen auch Gewürze, Kräuter oder Beeren den Weg in den Braukessel finden dürfen. Als Konsequenz fordern sie, dass auch bei solchen Zutaten als Inhaltsstoffe, das Produkt am Ende "Bier" heißen darf.

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