• Diese Vogelarten überwintern in heimischen Gärten
  • So überstehen sie die kalte Jahreszeit 
  • Tipps und Tricks rund um Versorgung und Futterstelle

In den Wintermonaten sind Vögel wahre Überlebenskünstler. Entweder legen sie tausende Kilometer zurück, um einen warmen Ort zu finden - oder sie schlagen sich in ihrer Heimat durch die Kälte. Eine große Schwierigkeit ist dabei oftmals die Nahrungssuche. Hier erfährst du, welche Überlebensstrategien sich die Tiere angeeignet haben und wie du sie dabei unterstützen kannst, gut durch den Winter zu kommen.

Welche Vögel ziehen weg - und welche bleiben bei uns?

Einem Urinstinkt folgend fliegen manche Vogelarten während der kalten Jahreszeit in wärmere Breitengrade. Zu den bekanntesten Zugvögeln gehören Mauersegler, Nachtigall, Zilpzalpe oder Störche. Sie legen teilweise tausende Kilometer zurück und fliegen bis nach Afrika.

Andere Arten wie etwa Stare, Singdrosseln, Rotmilane, Kiebitze, Feldlerchen oder Mönchsgrasmücken entscheiden sich in milden Wintern immer häufiger für kürzere Strecken oder einen "Städtetrip" in größere menschliche Siedlungen. Dort sind die Temperaturen meist schon erträglich genug und das Nahrungsangebot ist durch die Nähe zum Menschen größer. 

Für Standvögel - also Arten, die das ganze Jahr über in ihrem Brutgebiet bleiben - ist das nicht unproblematisch, denn dadurch wird das Nahrungsangebot geringer. Zu den Standvögeln gehören beispielsweise Meisen, Rotkehlchen, Spechte, Eichelhäher, Kleiber oder Sperlinge. Gemeinsam mit ihnen verbringen auch einige Zugvögel aus anderen Ländern den Winter bei uns.  

Wie überleben Vögel die kalte Jahreszeit?

Vogelarten, die bei uns überwintern, haben sich viele clevere Strategien angeeignet, um die kalten Monate zu überstehen: 

  • Körpereigene Schutzmechanismen: Im Körper von vielen Vögeln verbirgt sich ein gut ausgetüfteltets Heizsystem: Zwischen Oberkörper und Beinen liegt das sogenannte "Wundernetz" - ein Aderngeflecht, das wie ein Wärmeaustauscher funktioniert und verhindert, dass Energie verloren geht. Auch gegen kalten Wind haben Vögel zielsichere Methoden: Sie plustern ihr Gefieder zu einem dichten, runden Ball auf, da bei dieser Körperhaltung am wenigsten Luft zwischen die Federn gelangt.
  • Zusammenschluss mit Artgenossen: Anders als im Sommer sind die Territorialinstinkte im Winter deutlich geringer. Dann schließen sich manche Vögel zu Gruppen zusammen. Entweder kuscheln sie miteinander oder bilden "vagabundierende Trupps", die in Scharen von Ort zu Ort ziehen und gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Neben menschlichen Siedlungen sind auch eisfreie Teiche ein beliebter Hotspot in der kalten Jahreszeit.
  • Landflucht: Wenn das Überleben in der Natur schwierig wird, zieht es manche Vögel in die Nähe von Städten. Dort sind die Temperaturen meist etwas wärmer - und die Chancen auf Nahrung deutlich höher. 
  • Veränderte Essgewohnheiten: Nicht nur der Nahrungsort, auch die Art der Nahrung verändert sich bei einigen Vogelarten. So manch ein Insektenfresser steigt im Winter auf vegetarische Ernährung aus Körnern oder Samen um. 
  • Geheimvorräte: Der Eichelhäher trägt seinen Namen nicht ohne Grund: Wenn der Winter kommt, versteckt er Eicheln im Boden, die er nach und nach wieder ausgräbt. Ein solches Verhalten ist auch bei anderen Arten zu beobachten; beispielsweise bei Sumpf-, Tannen- oder Haubenmeisen.

Insgesamt sind die gefiederten Tiere also durchaus in der Lage, sich an vorherrschende Lebensbedingungen anzupassen. Trotzdem ist der Winter für viele Vögel eine Herausforderung. Wir Menschen haben die Möglichkeit, ihnen in dieser Zeit ein klein wenig unter die Flügel zu greifen und sie dabei besser kennenzulernen.

Womit kann man sie unterstützen?

Nahrung, Sicherheit, Wärme - diese Grundbedürfnisse gilt es zu erfüllen. Um Vögeln den Winter zu erleichtern, kannst du beispielsweise

  • Rückzugsmöglichkeiten schaffen: Dafür eignen sich zum Beispiel Holz- oder Laubhaufen im Garten, in denen sich Vögel verstecken können. Besonders sinnvoll sind beerentragende Sträucher wie Wildrose, Hartriege, Schlehe oder Weißdorn. Diese Pflanzen tragen auch im Winter Früchte und bieten eine zusätzliche natürliche Nahrungsquelle. 
  • Vogeltränken aufstellen: Frisches Wasser ist im Winter oft Mangelware - besonders, wenn Teiche oder Pfützen vereist sind. Deshalb freuen sich Vögel ganz besonders nach frostigen Nächten über eine Tränke, mit der sie ihre Energiereserven wieder auffüllen und ihr Gefieder reinigen können. Eine Kerze oder ein Grablicht verhindert, dass das Wasser einfriert. 
  • Futterplätze einrichten: Einen großen Gefallen kannst du den gefiederten Tieren tun, indem du ihr knappes Nahrungsangebot um eine Futterstelle erweiterst. 

Beim Füttern treten jedoch viele Fragen auf: Welche Lebensmittel eignen sich? Wo stelle ich das Futter hin? Wie kann ich für Sicherheit sorgen? 

Was gibt es beim Füttern zu beachten?

Zuerst solltest du entscheiden, welche Futterstelle(n) infrage kommen. Meisenknödel sind schnell aufgehangen, sollten aber nicht aus Plastiknetzen bestehen, weil sich Vögel darin verheddern können. Ein Vogelhaus bietet neben Nahrung auch ein wenig Schutz und verschönert den Garten, muss jedoch regelmäßig gesäubert werden. Futtersäulen* gelten als besonders hygienisch. 

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene "Ernährungstypen" bei Vögeln: Weichfresser und Körnerfresser. Als Basisfutter für Körnerfresser kommen beispielsweise ungeschälte Sonnenblumenkerne oder andere Nüsse und Samen infrage. Weichfresser mögen unter anderem Rosinen, Obst, Haferflocken oder Kleie. Verzichten sollte man unbedingt auf Brot, das in Vogelmägen unangenehm aufquillt sowie auf salzige Lebensmittel wie Speck oder sonstige Essensreste. Auch bei gekauften Produkten ist ein zweiter Blick angebracht: Billiges Futter kann verschmäht werden oder schädliche Zusatzstoffe enthalten. 

Oberstes Gebot bei der Vogelfütterung sind außerdem Sauberkeit und Hygiene. "Die Futterstelle muss so gebaut sein, dass das Futter nicht nass wird. Zudem darf kein Kot ins Futter gelangen", betont Klaus Sanzenbacher, Vorsitzender der Kreisgruppe Kitzingen des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Wichtig sei zudem, dass Futterhäuser in einer freien Umgebung stehen, sodass die Vögel ihre Fressfeinde rechtzeitig wahrnehmen können. Dieselben Bedingungen gelten auch für Trinkwasserstellen. 

Wer frisst was?

Sobald die Futterstelle eingerichtet ist, wird es spannend. Vermutlich dauert es nicht lange, bis die ersten neugierigen Vögel anfangen, sich am Buffet zu bedienen. Doch mit welchen Besuchern ist zu rechnen und was mögen sie besonders gerne? 

  • Eichelhäher: ganze Erdnüsse, Maiskörner, Eicheln
  • Elster: ganze Erdnüsse, Maiskörner
  • Blaumeise und Kohlmeise: Sonnenblumenkerne, gehackte Erdnüsse, andere Nüsse
  • Kleiber: Getreideflocken, Hanf, Nüsse (Haselnuss), Sonnenblumenkerne
  • Buchfink: Sonnenblumenkerne, gehackte Erdnüsse, andere Nüsse, ölhaltige Samen (Hanf), Bucheckern
  • Grünfink und Stieglitz: gehackte Nüsse, ölhaltige Samen (Hanf & Mohn), Sonnenblumenkerne
  • Grünspecht: Äpfel, Fett, gefettete Erdnüsse (Fettblock mit Erdnüssen oder Mehlwürmern)
  • Amsel: Äpfel, Rosinen, Haferflocken, gehackte Nüsse, Mehlwürmer, geschälte Sonnenblumenkerne, getrocknete Beeren
  • Rotkehlchen: gehackte Nüsse, Getreideflocken, Mehlwürmer, Rosinen in Kokosfett/Talg
  • Haussperling und Feldsperling: Allesfresser

Nachdem die Vögel bemerkt haben, dass es sich bei dir gut überwintern lässt, bereichern sie deinen Garten mit ihrer Artenvielfalt. Dann kannst du es dir mit einem warmen Getränk an deinem Wohnzimmerfenster gemütlich machen und dabei zusehen, wie sie die Futter- und Rückzugplätze dankbar annehmen. 

Übrigens...

Ein eigener Garten ist keine Voraussetzung für das Beobachten von Vögeln. Der LBV hat eine Webcam eingerichtet, mit der du live und hautnah mitverfolgen kannst, wer am Futterhaus zu Gast ist. 

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