• Verfahren zur Erdgasgewinnung aus 5000 Metern Tiefe
  • Risiken für Mensch und Umwelt
  • Kann deutsches Fracking von russischem Gas unabhängig machen?

Seit 2005 ist Fracking im Einsatz, vor allem die USA setzen stark auf diese Technologie zur Erdöl- und Erdgasgewinnung. In Deutschland ist Fracking wegen seiner Gefahren für Mensch und Umwelt seit 2017 weitgehend verboten. Im Zuge der aktuellen Energiekrise wird dieses Verbot von manchem Politiker infrage gestellt. Wie geht eigentlich Fracking – und was daran gilt als gefährlich?

Tiefe Gesteinsschichten sprengen

Fracking ist die Abkürzung für hydraulic fracturing, also hydraulische Frakturierung. Das ist ein Verfahren zur Erdgas- (oder auch Erdöl-)gewinnung aus schwer zugänglichen sehr tiefen Gesteinsschichten, sogenannten unkonventionellen Lagerstätten. Die gashaltigen Steinschichten, vorwiegend Schiefer, werden dabei durch Druck aufgesprengt.

Damit man an das Schiefergas kommt, sind Bohrlöcher von bis zu 5.000 Metern Tiefe nötig. Nach der Bohrung wird unter sehr hohem Druck Flüssigkeit über ein Bohrloch in die tiefen Gesteinsschichten gepumpt. Diese Frackingflüssigkeit ist ein Gemisch aus Wasser, Chemikalien und Quarzsand oder Keramikkügelchen.

Dadurch zerbrechen die Steine und das Gas tritt aus. Der Sand, die Keramikkügelchen und Chemikalien halten die entstandenen Risse offen, damit weiter Gas ausströmt. Gemeinsam mit einem Teil der eingepumpten Flüssigkeit gelangt das Gas dann durch die Bohrleitungen nach oben (= Flowback).

Gefahren für Grundwasser und Böden

Fracking birgt große Risiken für Mensch und Umwelt und ist daher sehr umstritten. Das Umweltbundesamt und viele Umweltschützer fürchten vor allem Grundwasserverunreinigung. Denn die fördernden Unternehmen setzen beim Fracking chemische Stoffe ein. Einige dienen etwa dazu, die Frackingflüssigkeit zum besseren Transport zu verdicken. Andere bewirken, dass sie am Ende wieder flüssiger wird, damit sie an die Oberfläche fließen kann. Manche werden zum Schutz vor Ablagerungen und Korrosion der Rohre gebraucht oder schützen das Bohrgerät. Biozide werden eingesetzt, um Bakterienwachstum zu hemmen. So kommen beim Fracking bis zu mehreren Hundert verschiedene Chemikalien zusammen. Was da genau alles in die Erde gepresst wird, wissen nur die ausführenden Unternehmen selbst. Es gibt keine Veröffentlichungspflicht. Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit sind daher auf freiwillige Auskünfte angewiesen. Dass viele der verwendeten Chemikalien wassergefährdend und toxisch sind, ist aber bekannt.

Fracking-Befürworter bestreiten das nicht. Sie argumentieren, die Flüssigkeit gelange nicht in die Umwelt. Aber bereits vor der Bohrung muss die giftige Flüssigkeit gelagert und transportiert werden. Dabei sind mögliche Unfälle die erste Gefahr. Etwa die Hälfte der eingepumpten Frackingflüssigkeit tritt später, zusammen mit dem geförderten Gas, durch das Bohrloch wieder aus. So entstehen große Mengen giftiger Abwässer. Die müssen entsorgt werden und stellen ein weiteres Umweltproblem dar. Der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie hält die Ummantelungen der Bohrleitungen aus Stahl und Zement für eine "undurchdringliche Barriere". Doch Materialfehler oder Materialalterung können vorkommen. Die Ummantelung verlöre dann ihre Schutzfunktion. Tritt Frackingflüssigkeit beim Hochpumpen aus einem unterirdischen Leck aus, kann sie ins Grundwasser gelangen. Ebenso Methangas. Denn die sehr tiefen Fracking-Bohrungen führen immer durch Grundwasserschichten.

Hinzu kommt beim Fracking ein hoher Flächenbedarf (Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Nutzung) und ein sehr hoher Wasserverbrauch. Pro Bohrung können, laut Umweltbundesamt, mehrere tausend Kubikmeter Wasser notwendig sein. Außerdem gibt es verschiedene Berichte und Forschungen zu Erdbeben, bei denen Fracking als Auslöser vermutet wird.

Fracking in Deutschland?

Die Expertenkommission Fracking urteilte in ihrem Bericht 2021, dass sich die Umweltrisiken von Fracking durch entsprechende Steuerung und Überwachung minimieren ließen. Der Bundestag könne prüfen, ob das Verbot von Fracking angemessen sei. Es sollten bei dieser Entscheidung allerdings neueste klimapolitische Aspekte sowie gesellschaftliche, wirtschaftliche und gesundheitliche Belange einbezogen werden. Wirtschaftsminister Habeck betonte jedoch, dass es derzeit keine Pläne für Fracking in Deutschland gäbe. Die Bundesregierung will vielmehr verstärkt auf erneuerbare Energien und Wasserstoff setzen.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder forderte kürzlich, Fracking zur Gasgewinnung in Deutschland "ergebnisoffen prüfen" zu lassen. Söder sieht das Potenzial deutschen Frackings dabei weniger in Bayern, vielmehr vor allem in Norddeutschland. Neben dem Weiterbetrieb von Kernkraftwerken, hält er Fracking offenbar für einen denkbaren Weg in die Energie-Unabhängigkeit Deutschlands.

Er berief sich dabei auf Erfahrungen in den USA, die sich durch Fracking vom Nahen Osten unabhängig gemacht hätten. Doch auch in den USA rücken die negativen Umweltauswirkungen der Technologie immer stärker in den Vordergrund. So will beispielsweise der US-Bundesstaat Kalifornien Fracking ab 2024 verbieten.

Fazit: Fracking ist keine Lösung

Hierzulande gibt es laut einer Studie des Umweltbundesamts von 2013 etwa 1300 Mrd. Kubikmeter technisch gewinnbares Schiefergas: "Damit könnte Deutschland theoretisch seinen derzeitigen Gasbedarf über ein Jahrzehnt vollständig decken ...". Dies sind aber nur theoretische Mengen, da in Deutschland bisher keinerlei Erfahrungswerte zu tatsächlich möglichen Fördermengen existieren. Die Erprobung, die Suche nach geeigneten Standorten, Umweltverträglichkeitsprüfungen und Zulassungen würden vermutlich Jahre benötigen. Eine schnelle Unabhängigkeit von Gasimporten verspricht das nicht.

Fracking ist ein umweltgefährdendes Verfahren, bei dem gefährliche Chemikalien eingesetzt werden und viel Wasser und Fläche verbraucht wird. Es kann unter bestimmten Umständen Erdbeben auslösen. Obwohl Erdgas von allen fossilen Energiequellen die wenigsten CO2-Emissionen verursacht, ist die Klimabilanz von Fracking-Gas negativ. Beim Fördern entweicht ein Teil des Erdgases und damit Methan, das noch klimaschädlicher ist als CO2.

Das Klimaschutzziel, möglichst schnell weg von fossilen Energien zu kommen, erreichen wir nicht, indem wir in Fracking investieren.