• Einflüsse auf die Haltung
  • Man ist, wie man sitzt
  • Tipps für eine gesunde Sitzposition

Verhaltensforscher, Wissenschaftler und Psychologen untersuchen seit Jahren die unterschiedlichen Sitzhaltungen von Menschen. Nicht nur in Bezug auf gesundheitserhaltende Aspekte, sondern auch im Bereich der non-verbalen Kommunikation sowie der Körpersprache, werden die Sitzpositionen unter die Lupe genommen.

Eine entspannte Sitzposition kann zum Beispiel Lässigkeit ausdrücken, aber gleichzeitig auch Desinteresse oder Überheblichkeit signalisieren. Um die Stuhlbeine gewickelte Füße bedeuten dagegen Anspannung und Unsicherheit, ebenso, wenn nur auf der Vorderkante der Sitzfläche gesessen wird. Das Wippen mit dem Fuß gilt als ein Zeichen für Nervosität sowie Desinteresse. Aufrechtes Sitzen vermittelt hingegen Sicherheit, ein nach vorne geneigter Oberkörper drückt Interesse und Konzentration aus. Doch welche Positionen gibt es noch und was sagen diese einem möglichen Gegenüber?

Man ist, wie man sitzt

Die Sitzmöbelfirma "Steelcase" gab bereits 2014 eine internationale Haltungsstudie mit Untersuchungen aus über elf Ländern und mit 2000 Probanden heraus. Hintergrund waren die veränderten Arbeitsumgebungen und damit verbundene veränderte Sitzpositionen, sowie deren mögliche Einflüsse auf die Verhaltensweisen der Teilnehmer. Weiter eruieren bereits seit Jahren Forscher*innen die non-verbalen Kommunikationsmittel, welche unter anderem auch Haltungen und die Körpersprache betreffen.

Man unterscheidet mehrere unterschiedliche Sitztypen.

  • "A-Position": Bei dieser Sitzhaltung werden die Knie zusammengedrückt und die Beine stehen nebeneinander, von vorne erscheint diese Haltung wie ein "A". Diese Haltung wirkt zwar weniger erwachsen, dafür drückt sie Freundlichkeit, ein gewisses Maß an Kommunikativität und Kreativität aus.
  • "I-Position": Diese Sitzposition beinhaltet gerade und parallele Beine und Füße, dabei stehen die Fußsohlen fest auf dem Boden. Dies gilt als Zeichen für Offenheit, sowie für einen akkuraten und sensiblen Charakter. Weiter werden Personen mit dieser Sitzhaltung als offen und direkt eingeschätzt. Sie haben meistens ihren Platz bereits gefunden und sind deshalb ausgeglichener.
  • "V-Position": In dieser Haltung ähneln die Beine mit parallelen Füßen und auseinanderfallenden Knien der Form eines "V". Diese Sitzhaltung signalisiert Lässigkeit und Überheblichkeit. Menschen, die am liebsten so sitzen, gelten als entspannt, aber auch chaotisch und schwerer zu durchschauen. Eine gewisse Wankelmütigkeit wird Personen mit dieser Sitzhaltung ebenso nachgesagt wie eine Affinität zur Freizeitgestaltung in der Natur.
  • "X-Position": Diese Sitzposition gilt als die beliebteste Sitzhaltung. Personen, die die Beine gerne im Sitzen überschlagen, gelten als aufmerksam, konzentriert, flexibel und energiegeladen sowie ideenreich, aber auch als ungeduldig, verträumt und teilweise rücksichtslos. Teamfähigkeit, Aufgeschlossenheit und eine besondere Vorstellungskraft zeichnen diese Personen jedoch weiter aus.
  • "Z-Position": Diese Sitzposition wirkt elegant und lässt auf ein sicheres Auftreten schließen. Hier stehen die Beine seitlich und parallel zueinander. Diese Haltung wird öfters mit Intelligenz und Ideenreichtum verbunden, aber ebenso als egoistisch und ehrgeizig wahrgenommen. Menschen, die gerne so sitzen, werden mitunter als stur und unentschlossen empfunden. Eine entspannte Lebensweise mit Priorität auf dem persönlichen Wohlbefinden gehören weiter zu den Interpretationen der Z-Position. 
  • SchneidersitzMenschen, die gerne im Schneidersitz sitzen, werden als fröhlich, unkompliziert, kreativ, charmant, aber mit einer eigenen Meinung, die auch offen vertreten wird, wahrgenommen und gelten als angenehme Gesprächspartner. Weitere Eigenschaften sollen zum einen ein gewisser Wankelmut und Sprunghaftigkeit sein, sowie eine naive und lockere Lebenseinstellung. 
  • Beine gerade, Knöchel gekreuzt: Diese Position gilt als selbstsicher, selbstzufrieden und friedlich. Wer am liebsten so sitzt, strahlt Gelassenheit und Offenheit aus und ist nicht so leicht aus der Fassung zu bringen.

Tipps für einen gesunden Sitz

Aber nicht nur deine Persönlichkeit hat Einfluss auf deine Sitzhaltung. Stress und die Einrichtung deines Arbeitsplatzes können sich negativ auf deine Gesundheit auswirken.

Die Deutschen fühlen sich zunehmend gestresster. Auch wenn in den letzten beiden Jahren mehr Bewegung im Freien stattfand, wurde gleichzeitig im Alltag so viel gesessen wie noch nie. Im Durchschnitt sitzen Deutsche täglich 8.5 Stunden, junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren sogar 10.5 Stunden am Tag. Bereits eine Sitzdauer von 4,5 Stunden am Stück erhöht die Anfälligkeit für Rückenleiden. Die Folge sind Rückenschmerzen, Verspannungen und andere körperliche Probleme.

Eine gesunde Sitzhaltung an sich vermeidet zwar auf lange Sicht keine Versteifung der Muskulatur, reduziert aber die negativen Auswirkungen des Sitzens. Schon Kleinigkeiten können die Sitzhaltung am Arbeitsplatz verbessern, wie eine angepasste Sitzhöhe mit ausreichender Beinfreiheit und Ablagemöglichkeiten für die Arme, sowie ein passender Bürostuhl und verstellbaren Monitore. Ein gerader Rücken ist unbedingt zu empfehlen, damit sich die Wirbelsäule nicht verdreht. Weiter sollten einseitige Belastungen vermieden werden, denn dies führt generell zu Verspannungen und Schmerzen, weshalb das Gewicht immer gleichmäßig auf beiden Seiten verteilt sein sollte.

Neben einer gesunden Position ist regelmäßige Bewegung das beste Mittel, um einer Rückenversteifung vorzubeugen. Kurzes Strecken und Dehnen am Arbeitsplatz, ein lockeres Ausschütteln der Arme und Beine, sowie ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft sind nicht nur für den Rücken gut.

Lesetipp: Was deine Körpersprache über dich verrät