• Wie kam es zur Kuba-Krise
  • Was hatte die Berliner Mauer damit zu tun?
  • Wie konnte die Krise überwunden werden?
  • Was bedeutete das für die weitere Zukunft?
  • Wie sieht es heute auf Kuba aus?

Castro hatte ab 1959 die Macht auf Kuba. Die Invasion und seine Entmachtung waren verhindert worden. Mit der Sowjetunion an der Seite Kubas waren neue Machtverhältnisse geschaffen worden, was den Amerikanern das Leben schwer machte. Und beinahe wäre die Welt in den Abgrund gestürzt. Wie kam es zu den verhängnisvollen Tagen und wie konnte man die Krise bewältigen? Wie entwickelte sich Kuba danach und wie sieht es heute dort aus?

Die Kuba-Krise - Vorgeschichte

Castro saß fest im Sattel (So kam Fidel Castro an die Macht - ein Rückblick). Die USA hatten mit der von ihr initiierten Invasion genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie vorgehabt hatten. Sie hatten die Situation sogar noch verschlimmert, denn Kuba war noch näher an die Sowjetunion gerückt. Der Kommunismus stand quasi vor der Haustür. Und dann kam der Tag, als die Vereinigten Staaten aufgeschreckt wurden: Ein Spionageflugzeug entdeckte sowjetische Atomraketen auf Kuba. Plötzlich waren die Vereinigten Staaten nur Minuten Flugzeit von der atomaren Apokalypse entfernt. Doch warum hatte Castro die Stationierung zugelassen? 

1962. Die atomare Aufrüstung in Ost und West beschleunigte sich immer weiter. In Berlin standen sich Truppen der USA und der Sowjetunion gegenüber. Am 13. August 1961 hatte man den Bau der Berliner Mauer begonnen, der Osten schottete sich ab. Willy Brandt, damals Bürgermeister von West-Berlin, forderte Kennedy in einem Brief zum Handeln auf. Doch Kennedy lehnte alle Vorschläge Brandts als unangemessen ab. Am 25. Oktober 1961 eskalierte die Situation, als DDR-Grenzposten versuchten, Repräsentanten der Westalliierten zu kontrollieren, die in den sowjetischen Sektor unterwegs waren. Dies wurde von den Amerikanern als Verstoß gegen das alliierte Recht auf ungehinderte Bewegungsfreiheit angesehen. Amerikanische Panzer fuhren am Checkpoint Charlie auf, ihnen direkt gegenüber standen sowjetische Panzer. Jedem war klar, ein Funke hätte genügt, um die Welt in den Krieg zu stürzen. Nur durch eine diplomatische Initiative von Präsident Kennedy bestätigte das sowjetische Staatsoberhaupt Nikita Chruschtschow den Vier-Mächte-Status für Berlin, die Panzer kehrten in ihre Kasernen zurück. Chruschtschow sah in Kennedy einen schwachen Präsidenten, der für Berlin keinen Krieg, ob mit oder ohne Atomwaffen, riskieren würde. 

Während des Kalten Krieges schien die Devise zu lauten: Wer zuerst schießt, der stirbt als Zweites. Im Falle eines Angriffs mit Atomwaffen hätte die Gegenseite noch genug Zeit, die eigenen Waffen abzuschießen, bevor die Raketen einschlugen. Daher war es das Bestreben, die Zeit zwischen Abschuss und Einschlag möglichst zu verkürzen, um dem Gegner die Möglichkeit des Gegenschlages zu nehmen. Und dazu mussten die Raketen möglichst nahe an der Grenze stationiert werden. Die USA hatten bereits seit 1953 Atomwaffen in der Bundesrepublik Deutschland stationiert, die Sowjetunion folgte 1959 mit der Stationierung in der DDR. Der Nachteil für die Sowjetunion: Während die mögliche Flugzeit auf ihr Territorium verkürzt wurde, war es für sie nicht möglich, schnell die USA selber zu bombardieren. Chruschtschow brauchte daher eine Basis, die möglichst nahe an den Vereinigten Staaten lag. Zwar hätte man Europa in Schutt und Asche legen können, aber die Masse der US-Amerikanischen Raketen nicht vernichtet. Inzwischen hatten die USA weitere Mittelstreckenraketen in England, Italien und der Türkei stationiert. Damit stieg in den Augen der Sowjetstrategen die Gefahr eines nuklearen Enthauptungsschlages massiv an. Noch dazu, wo die Sojwets der Bedrohung durch die mit Polaris-Atomraketen bestückten U-Boote der Amerikaner nichts entgegenzusetzen hatten. Nach dem Bündnis mit Fidel Castro hatte Chruschtschow aber die Möglichkeit, die USA direkt und massiv zu bedrohen. 

Atomraketen auf Kuba - Am Rande des Abgrundes

Seit Mitte der 1950er Jahre verfügte Amerika über ein hochmodernes Spionageflugzeug, die U2. Da dieses Flugzeug in einer Höhe von 20000 Metern operierte, galt es als sicher, dass weder Raketen noch Düsenjäger diese Maschine erreichen konnten. Hoch entwickelte Kameratechnik machte es möglich, Informationen zu sammeln, welche dann später ausgewertet wurden. Doch 1960 gelang es der UDSSR mittels einer neu entwickelten Rakete ein solches Flugzeug in ihrem Luftraum zu zerstören, der Pilot wurde gefangen. Damit war eines der am besten gehüteten Geheimnisse der USA gelüftet. Allerdings stellte man die Flüge nicht ein. Es war zu dieser Zeit das einzige Mittel, um an Informationen zu gelangen. Während zweier Aufklärungsflüge über Kuba am 5. und 29. August wurden Bilder von sowjetischen Luftabwehrraketen aufgenommen. Am 14. Oktober fand ein weiterer Flug statt und die Entdeckungen alarmierten die USA. Eindeutig waren Techniker und Soldaten zu erkennen, die Startrampen für sowjetische Mittelstreckenraketen vom Typ SS-4 und SS-5 in der Nähe von San Cristóbal aufbauten.

Chruschtschow hatte geschickt die Möglichkeit genutzt, die das Schweinebucht-Desaster bot. Mit der Begründung, Kuba gegen eine Invasion durch die USA zu unterstützen, ließ er mit der sowjetischen Marine und Handelsflotte über 42000 Soldaten und 230000 Tonnen Ausrüstung nach Kuba verschiffen, darunter auch 40 R-12 und 24 R-14 Mittelstreckenraketen mit den dazugehörenden Atomsprengköpfen, mit jeweils 0,65 bzw. 1,65 Megatonnen Sprengkraft. Zum Vergleich: Die über Nagasaki abgeworfene Bombe hatte eine Sprengkraft von 0,024 Megatonnen. Mit der Stationierung waren die USA jetzt in der vergleichbar ungünstigen Lage wie vorher die UDSSR. Amerika lag nun in Reichweite von Raketen, die nur noch eine äußerst geringe Vorwarnzeit hatten, ähnlich wie die UDSSR durch die Raketen in der Türkei bedroht waren. Präsident Kennedy berief am 16. Oktober einen Beraterstab ein, um die Möglichkeiten zu erörtern: Hinnehmen der Stationierung oder aber Luftangriffe und die folgende Invasion Kubas. Weitere Aufklärungsflüge zeigten die Existenz von 16 bis 32 Atomraketen mit einer Reichweite von bis zu 4500 Kilometern, was die Nervosität innerhalb des Beraterstabes noch vergrößerte und zu massiven Kontroversen führte. Air-Force-General Curtis E. LeMay drängte auf Luftangriffe, Justizminister Robert. F. Kennedy hingegen setzte sich für eine Seeblockade ein, die dann auch angeordnet wurde.

Am 22. Oktober wandte sich Präsident Kennedy an die internationale Presse. Er forderte die UDSSR zum Abzug der Raketen auf und drohte offen mit dem Einsatz von Atomwaffen. Gleichzeitig bezogen rund 200 US-Kriegsschiffe um Kuba herum Stellung. Drei Tage später lieferten sich vor dem UN-Sicherheitsrat die Botschafter der USA und der UDSSR einen verbalen Schlagabtausch. Die Situation wurde noch heikler, als am 26. Oktober mit Atomwaffen bestückte U-Boote der UDSSR zum Auftauchen gezwungen wurden, welche einen sowjetischen Frachter mit Kurs auf Kuba begleiteten. Fidel Castro forderte daraufhin Nikita Chruschtschow auf, einen atomaren Erstschlag auf das Territorium der USA zu befehlen, was dieser jedoch ablehnte. Im Gegenteil, er bot Kennedy an, die Raketen aus Kuba abzuziehen, wenn dieser dafür zusagte, von einer Invasion abzusehen, was Kennedy zusagte. Am folgenden Tag stand die Welt vor der atomaren Katastrophe: Ein weiteres U-Boot der UDSSR, die B-59, wurde von elf Zerstörern und einem Flugzeugträger umzingelt. Was die Amerikaner nicht wussten: Auch dieses U-Boot war mit atomaren Waffen bestückt. Die US-Marine warf Wasserbomben ab, um das Boot zum Auftauchen zu zwingen. An Bord des U-Bootes musste man sich entscheiden, ob man sich wehren sollte oder nicht. Walentin Sawitski versuchte, mit Moskau in Kontakt zu treten, erfolglos. Langsam, aber sicher, ging der Sauerstoff aus, auch die Batteriekapazitäten waren erschöpft. Niemand an Bord wusste, wie die Situation an der Wasseroberfläche aussah. Hatte am Ende der Dritte Weltkrieg bereits begonnen? Drei Offiziere mussten eine Entscheidung treffen: auftauchen oder aber schießen, auch mit atomaren Torpedos. Kapitän Sawitski, unterstützt vom politischen Offizier, war dafür, die Torpedos abzuschießen. Er war sich sicher, der Krieg wäre bereits in vollem Gange. Der Dritte Offizier hingegen, Wasili Archipow, dem die gesamte Flotte unterstand, konnte seine Kollegen davon überzeugen, dass der Abschuss eines Torpedos ein zu großes Risiko darstellte. Das U-Boot tauchte auf. Gemeinsam mit drei anderen U-Booten wurde es gezwungen, in die UDSSR zurückzukehren

Das Ende der Krise. Was bedeutete das für Kuba?

Durch diesen Vorfall, der durchaus im nuklearen Holocaust hätte enden können, bemühten sich beide Seiten um Deeskalation. Chruschtschow ließ Präsident Kennedy am nächsten Tag wissen, er würde umgehend die Raketen aus Kuba abziehen, sofern die USA ihrerseits zusagten, ihre Raketen aus der Türkei abzuziehen und, wie bereits vorher gefordert, auf eine Invasion auf Kuba zu verzichten. Am Abend traf sich Justizminister Robert Kennedy mit dem Botschafter der UDSSR, Dobrynin. Der US-Präsident ließ ausrichten, er stimme dem Vorschlag Chruschtschows zu, seine Raketen aus der Türkei abzuziehen. Noch in derselben Nacht entschied Chruschtschow, dass die Basen abgebaut und die Raketen wieder zurück in die UDSSR gebracht würden. Damit Präsident Kennedy sein Gesicht wahren konnte, wurde vereinbart, dass nur der Invasionsverzicht öffentlich gemacht werden würde. Der Raketenabzug aus der Türkei würde zeitversetzt und unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Krise war beendet und markierte gleichzeitig den Beginn der Entspannungspolitik. Der sogenannte "heiße Draht", die direkte Krisenverbindung zwischen dem Kreml und dem weißen Haus, wurde etabliert. Die Politiker hatten begriffen, dass man unter allen Umständen einen Atomkrieg verhindern musste.

Zwar war in den Augen der Weltöffentlichkeit Kennedy als Sieger aus der Krise hervorgegangen, doch waren damals nicht alle Fakten bekannt, wie beispielsweise das Zugeständnis, die Atomraketen aus der Türkei abzuziehen. Bis zum Fall der Sowjetunion blieb es auch auf Kuba verhältnismäßig ruhig. Das Embargo durch die USA wurde mal gelockert, dann wieder verschärft. Doch Castro blieb weiter an der Spitze des Staates. Mit dem Ende der Sowjetunion stürzte Kuba allerdings in eine schwere Krise. Die Subventionen durch den Sowjetstaat fielen weg, überall machte sich Mangel bemerkbar. Castro jedoch hielt weiter am Sozialismus fest und rief ein Notstandsprogramm aus. Einsparungsmaßnahmen, Stromsperren, Kürzungen von Lebensmittelzuteilungen waren die Folge. Die kubanische Führung verfolgte zunehmend den Kurs einer Liberalisierung der Wirtschaft. Man gab die Planwirtschaft auf und ließ wieder private Unternehmen zu, der Tourismus wurde ausgebaut und überflügelte Mitte der 1990er Jahre sogar den Zuckerrohrexport als Devisenbringer. 1994 kam es zu einer Massenflucht aus Kuba in die USA, die von der kubanischen Führung geduldet wurde. Auf Druck der UNO und von Regierungen aus aller Welt versprachen die USA, das Embargo gegen Kuba zu überprüfen und zu lockern. Nachdem Castro den 25. Dezember wieder als offiziellen christlichen Feiertag zugelassen hatte, besuchte Papst Johannes Paul II im Januar 1998 das Land. Im selben Jahr wurde Castro erneut für weitere fünf Jahre als Staatsratsvorsitzender bestätigt und blieb weiterhin gleichzeitig Staatschef, Regierungschef und Oberhaupt der Streitkräfte. Im Januar 2000 wurde von US-Senat eine Lockerung des Embargos gebilligt, wenn auch nur im bescheidenen Umfang. 2002 wurde nach einem Referendum der Sozialismus als "unwiderruflicher" Bestandteil der kubanischen Verfassung festgeschrieben.

Aufgrund gesundheitlicher Probleme gab Fidel Castro 2006 vorläufig die Regierungsgeschäfte an seinen Bruder Raúl ab, der im Februar 2008 neuer kubanischer Staatschef wurde, Fidel Castro trat endgültig zurück. 2016 starb er, sein Bruder regierte noch bis 2018, bis er das Präsidentenamt an Miguel Diaz-Canel übergab.  Mit Präsident Obama setzte eine Entspannung ein, die jedoch unter Trump wieder rückgängig gemacht wurde. Dieser verhängte ein Ölembargo gegen Kuba, das bis dahin preiswertes Öl aus Venezuela erhielt, und setzte das Land wieder auf die Liste der terroristischen Staaten. Viele Länder, die bis dahin noch Unterstützer Kubas waren, zogen sich aus Angst vor Sanktionen durch die USA zurück. Devisen blieben aus, auch der Tourismus brach mehr oder weniger zusammen. Auch unter dem neuen Präsidenten Joe Biden ist eine Entspannung nicht in Sicht. Durch die Maßnahmen, welche von der kubanischen Regierung gegen die aufflammenden Proteste verhängt wurde, werden aus Sicht des amerikanischen Präsidenten Menschenrechtsverletzungen begangen. Damit wären weitere Maßnahmen, wie beispielsweise Vermögenssperren, rechtmäßig und würden geprüft. Eine Entspannung ist weiterhin nicht in Sicht, Kuba wird wohl noch lange Zeit isoliert bleiben.

Hier findest du Teil 1 und Teil 2 der Reihe zur Geschichte Kubas.