• Trotz unterschiedlichen Ansichten: Respekt und Wertschätzung nicht verlieren
  • Niemanden zum Umdenken drängen
  • Einzelgespräche führen statt Gruppendiskussionen
  • Herausfinden, warum Menschen an Verschwörungstheorien glauben
  • Reagieren, anstatt zu schweigen

Nichts spaltet unsere Gesellschaft in der letzten Zeit mehr, als Corona, die damit einhergehenden politischen Maßnahmen und die verbundenen Probleme unseres Gesundheitssystems. Zudem verbreiteten sich Falschmeldungen und Verschwörungstheorien zum Thema Corona besonders schnell. Für viele Menschen vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht mit unterschiedlichen Ansichten aus dem privaten oder beruflichen Umfeld konfrontiert werden. Wie reagiert man am besten, wenn Menschen beim Thema Corona und Impfung auf Falschmeldungen und Verschwörungstheorien zurückgreifen? Antworten und streiten? Oder besser nichts sagen und stillschweigend zustimmen? Folgende Tipps können dir helfen, um einen richtigen Umgang mit "Corona-Leugnern" und "Impfgegnern" zu finden.

Corona-Debatten: Verschwörungstheorie oder Falschmeldung?

Laut Verschwörungstheorie-Expertin und Autorin Ingrid Brodnig* liegt der Unterschied zwischen Verschwörungstheorie und einer Falschmeldung in fortlaufenden Behauptungen, die suggerieren, hinter all dem Gesagten stecke ein "größerer, böser Plan" von einflussreichen Machthabern. Dabei unterscheidet der Behauptende ganz klar zwischen Gut und Böse und es werden weitere "geheime Ziele" hinter der eigentlichen Sache vermutet, die nur einer "erleuchteten" Minderheit bekannt sind. Wie solche Denkweisen entstehen, sei individuell, ergänzen die Experten Roland Imhoff und Pia Lamberty.

Es gibt jedoch ein gewisses Muster bestimmter Merkmale, das auf Verschwörungstheorien jeglicher Art übertragbar ist. Dabei handelt es sich um folgende drei Erkennungsmerkmale:

  1. Verschwörungstheorien liefern eine einfache Erklärung der Welt. Sie ermöglichen ein einfaches Verstehen von Zusammenhängen. Komplexe Zusammenhänge werden nicht mit einbezogen, Situationen werden nicht hinterfragt.
  2. Verschwörungstheorien geben Menschen ein Gefühl der Überlegenheit. Sie gehören zu dem kleinen, auserwählten Kreis der wirklich wissenden Personen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Bedürfnis nach Einzigartigkeit und Verschwörungsdenken, was eine Studie belegt.
  3. Verschwörungstheorien geben Menschen das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit. Gerade Menschen, die während der Pandemie überdurchschnittlich viele Ängste aufgebaut haben, sind empfänglicher für Verschwörungstheorien als andere, fand die Hochschule Innsbruck bei einer Umfrage heraus.

Das Hauptproblem bei Gesprächen mit Menschen, die Verschwörungstheorien glauben, ist, dass der Inhalt der Diskussion nicht greifbar ist. Meistens drehen sich solche Gespräche im Kreis und man springt von einer Behauptung zur nächsten, anstelle einer einzelnen Behauptung auf den Grund zu gehen und diese konkret aufzuschlüsseln. Gerne werden bei solchen Diskussionen vermeintliche Fachwörter eingesetzt - eine Expertise wird vorgetäuscht. Wissenschaftlich spricht man hier von "Technobabble". Davon solltest du dich jedoch nicht einschüchtern lassen. Grundsätzlich sollte man auf Falschaussagen oder Verschwörungstheorien reagieren, mit denen man konfrontiert wird, so Psychologe Marius Raab von der Universität Bamberg. Sagt man nichts dazu, fühlt sich die Person, die die Aussage verbreitet, möglicherweise im Recht und deutet es als stillschweigende Zustimmung.

Corona-Schicksale, Verzweiflung, Einsamkeit und Ängste verändern Menschen

Hast du mit jemanden zu tun, der Falschaussagen und Verschwörungstheorien Glauben schenkt, solltest du dich fragen, was diese Person zu ihren Aussagen treibt, anstelle sie zu verurteilen. Welches Schicksal hat die Person erlitten, dass sie so starkes Misstrauen in Institutionen wie Politik, Medizin bis Wissenschaft hat? Nicht wenige Menschen haben in der letzten Zeit nahezu ihre Existenz verloren, da sie durch die Corona-Krise gezwungen waren, ihre Geschäfte, Lokale oder Dienstleistungen aufzugeben. Diskussionen über die Ansichten zu Corona sind ein schwieriges und explosives Thema. Deshalb solltest du dir genau anschauen, mit wem du diskutierst. Jemanden, der anders denkt und sehr emotional damit umgeht, gleich als Verschwörungstheoretiker zu bezeichnen, kann als Angriff auf die gesamte Persönlichkeit vom Gegenüber wahrgenommen werden und die Fronten werden sich definitiv verhärten. Hier spielt, trotz aller Meinungsverschiedenheiten, Fingerspitzengefühl eine große Rolle.

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Mit Freunden oder Familienmitgliedern, die offensichtlich Verschwörungstheorien nachgehen oder skeptisch gegenüber der Coronaimpfung sind, solltest du auf jeden Fall in Kontakt bleiben, wenn sie dir am Herzen liegen. Hier kannst du beispielsweise einen gemeinsamen Weg finden, indem ihr offen, aber respektvoll darüber redet. Beidseitiges Verständnis ist hier die Basis, um sich austauschen zu können, mögliche Grenzen zu setzen und sich nicht dauerhaft zu zerstreiten. Zudem ist es wichtig, so Marius Raab weiter, andere gemeinsame Themen oder Aktivitäten zu finden, die nichts mit Corona und den damit verbundenen Theorien zu tun haben. Auch hier kann eine Absprache für das zukünftige Miteinander wertvoll sein. Es ist wichtig, Signale zu senden, weiterhin für die geliebte Person da zu sein, obwohl man der jetzigen Überzeugung nicht zustimmt und diese eventuell sogar für gefährlich empfindet.

Sinnvoller, als sich an Gruppendiskussionen oder in Gruppenchats zu beteiligen, wäre es, Einzelgespräche mit der Person zu führen, die die Verschwörungstheorien anschiebt, bevor sich die Fronten verhärten. Stelle Fragen und appelliere an die Vernunft der Person und weise auf die möglicherweise fragwürdigen Quellen der Behauptung hin. Google zusammen mit der Person ihre Aussagen und vermeide ein Themen-Hopping. Sprecht mit Experten, wie Ärzten oder Apotheker*innen. "Versuchen Sie in solchen Gesprächen nicht sofort jemanden zum Umdenken zu bringen, sondern gehen Sie mit der Gewissheit rein: Niemand geht in eine Debatte, um nachher die Welt anders zu sehen. Aber es ist schon viel erreicht, wenn jemand nur Zweifel hat", so Ingrid Brodnig.

Pandemie: Am Ende zählt Zusammenhalt

Eigenverantwortung und Courage solltest du zeigen, wenn jemand alte oder kranke Menschen aus deinem Umfeld verunsichert oder angreift, die eventuell ohne die schützende Wirkung des Corona-Impfstoffes womöglich schon nicht mehr am Leben wären. Appelliere an das Gewissen der Person, die die Aussagen über mögliche Horrorszenarien trifft. Überzeuge verunsicherte, von Falschaussagen verleitete Personen* mit ihren alten Werten, um ihnen eine denkbare Angst vor Tod und Krankheit zu nehmen.

Auch Kinder sollten nicht unnötig mit Angst und Schrecken über Corona und die Impfung konfrontiert werden. Fakt ist: Solltest du von einer neuen Behauptung hören, prüfe erst selbst, inwieweit diese richtig ist oder, ob eine Verschwörungstheorie dahinter steckt. Diskutiere und spreche offen mit Menschen, die eine andere Ansicht haben - hier sind beiderseitiges Verständnis für das Denken und die Situation des anderen wichtig. Niemand sollte hier verurteilt werden. Am Ende müssen wir alle gemeinsam die Pandemie meistern und zusammenhalten, um sie zu überstehen. 

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