• Der Schlagerhit "Layla"
  • Darf das Lied auf dem Münchner Oktoberfest gespielt werden?
  • Von der Spider Murphy Gang bis zu Beatrice Egli: 10 Schlager mit schlüpfrigen Texten

Über Musikgeschmack lässt sich bekanntlich streiten. Manche mögen Rock, manche Jazz und manche eben Schlager. Mit dem Ballermann-Hit "Layla" haben es DJ Robin & Schürze nicht nur auf Platz eins der Single-Charts geschafft, sondern abseits der Schlager-Blase in eine bundesweite sozialkritische Debatte. Im Refrain heißt es: "Ich hab' 'nen Puff und meine Puffmama heißt Layla. Sie ist schöner, jünger, geiler." Zu viel für manche. Sexistisch sei das Lied. Auf einigen Volksfesten darf der Song nicht gespielt werden. Auch die Münchner Wiesnwirte wollen ihn nicht auf dem kommenden Oktoberfest hören. Die Musikgeschichte der vergangenen Jahrzehnte zeigt aber: "Layla" ist nicht der einzige Song mit Inhalten, die Raum für Interpretation lassen.

1. Spider Murphy Gang: Skandal im Sperrbezirk

1980: Deutschland führt erneut die Sommerzeit ein, die britische Rockband Queen landet mit "Another One Bites The Dust" und "Crazy Little Thing Called Love" zwei Nummer-eins-Hits in den USA. In München verschärft die CSU die Sperrbezirksordnung. Prostitution ist in der bayerischen Landeshauptstadt fortan innerhalb der Stadtgrenzen verboten.

Genau dieser Vorstoß beschert der Spider Murphy Gang 1982 indirekt ihre erste Platzierung an der Spitze der deutschen Charts: "Skandal im Sperrbezirk". Frontman Günther Sigl hat sich für den Song von der "Befreiung" Münchens von käuflicher Liebe inspirieren lassen.

In dem Lied nimmt die fiktive Prostituierte Rosi in ihrer Wohnung den anderen Damen die Freier weg. Sie ist unter der Telefonnummer 32168 erreichbar. Das im Song vorkommende Wort "Nutten" führte dazu, dass damals bayerische Radiosender den Hit boykottierten.

2. Mickie Krause: 10 nackte Friseusen

Abgesehen davon, dass die Berufsbezeichnung heute Frisörin ist, bescherte der von vielen als schlüpfrig betrachtete Song rund um zehn unbekleidete Haarstylistinnen Partysänger Mickie Krause 1999 den Durchbruch.

Im Text des Songs mit der eingängigen Melodie werden Frauen unter anderem als Hasen, Weiber und Schnitten bezeichnet.

Zweideutig ist der Refrain: "Ich will 10 nackte Friseusen, 10 nackte Friseusen, 10 nackte Friseusen mit richtig feuchten ..." - na was? Haaren natürlich.

3. Roland Kaiser und Peter Wackel: Joana

Schlagersänger Roland Kaiser ist dafür bekannt, in seinen Songs oft charmant sexuelle Wünsche zu äußern. So auch in "Joana" aus dem Jahr 1984.

Der Text beginnt mit "Joana, geboren, um Liebe zu geben, verbotene Träume erleben, ohne Fragen an den Morgen". Klingt nach dem Wunsch nach einer heißen Liebesnacht mit dieser Joana. Im weiteren Verlauf ist sich der Sänger sicher, dass die Dame die Sehnsucht teilt. Er will ihr "Lächeln und Flehen" erkennen.

Ballermannsänger Peter Wackel coverte "Joana" 2007 zusammen mit dem Österreicher Christian Cabala alias DJ Chris Tuxi († 2010). Die Partystars unterstrichen ihr Begehren mit den Zusätzen "du geile Sau", "du Drecksau" und "du Luder".

4. Olaf Henning: Cowboy und Indianer

Der Sänger und Komponist Olaf Henning fordert in "Cowboy und Indianer" eine Dame dazu auf, mit ihm dies zu spielen.

Der Text lässt viel Spielraum zur Interpretation: "Komm, hol das Lasso raus, wir spielen Cowboy und Indianer wir reiten um die Wette, ohne Rast und ohne Ziel ..."

Was in dem Song wirklich gemeint ist, ist nicht bekannt. Gedanken sind frei.

5. Mickie Krause: Donaulied

Vergangenes Jahr hat das "Donaulied" für ähnlichen Diskussionsstoff gesorgt wie "Layla". Das Volkslied stammt allerdings bereits aus dem Jahr 1790 und durchlief im Laufe der Zeit verschiedene Versionen. Ja, man muss es so sagen: Es ging ursprünglich um Vergewaltigung. Ein junger Mann geht am Donaustrand spazieren, sieht ein schlafendes Mädchen und kann nicht widerstehen. In einer Version heißt es: „Ich machte mich über die Schlafende her“.

Die Debatte vor allem unter Volksfestveranstaltern und Politikern löste eine Partyversion von Mickie Krause aus dem Jahr 2012 aus. Er hat allerdings die erwähnte Zeile entschärft und „Da wachte sie auf und sie sagte ‚Komm her!‘" daraus gemacht. Eine junge Frau, die die "Beine weit von sich streckt" zu schwängern und dann abzuhauen, ist aber auch nicht gerade die "feine englische Art": "Ich mach' dich zur Mutter und lass' dich allein."

Am Ende des Songs bekommt Mickie Krause gerade noch die Kurve: "Und die Moral von der Geschicht':  Männer sind Schweine, vertrau ihnen nicht." Vielleicht ist die Partyversion doch sozialkritischer als Kritiker meinen.

6. SDP: Deine Freundin

Die Berliner Band SDP, die sich genreübergreifend bewegt, spielt - ähnlich wie Mickie Krause in "10 nackte Friseusen" - mit einem überraschenden Kontext.

In "Deine Freundin" heißt es: "Deine Freundin die kann Blasen, die kann Blasen, die kann Blasen [...] an den Füßen nicht ertragen.

Hinter dem 1999 gegründeten Duo SDP verbergen sich die Berliner Hip-Hop-Musiker Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin.

7. Heino: Blau blüht der Enzian

Heino kommt in seinem Klassiker "Blau blüht der Enzian" aus dem Jahr 1972 nicht gleich zur Sache. Der blonde Sänger mit der Sonnenbrille beschreibt eine Wanderung mit einem "Schweizer Madel" zu mehreren Berghütten

In der ersten Hütte habe er mit der jungen Frau zusammen gesessen, in der zweiten Hütte zusammen gegessen, in der dritten Hütte habe er sie geküsst. Nur was in der vierten Hütte passiert ist, bleibt offen. "Keiner weiß, was dann geschehen ist", schließt die betreffende Strophe ab.

Nur einer weiß, wie Heinos alpines Abenteuer ausgegangen ist: Kabarettist Wolfgang Trepper, der in seinen Programmen vor allem Schlagersongs beleuchtet und aufs Korn nimmt. Welchen Ausgang der gemeinsamen Wanderung Trepper vermutet, erfährst du in dem Video.

8. Mirja Boes: 20 Zentimeter

Mirja Boes ist heute vor allem als Comedienne und Schauspielerin bekannt. Vor ihrer TV-Präsenz trat die Viersenerin unter anderem als "Möhre" in der Diskothek "Oberbayern" am Ballermann auf.

Im Song "20 Zentimeter" macht sie einem "kleinen Peter" unmissverständlich klar, dass ein Mann schon gut bestückt sein sollte, um sie zu gewinnen. Mindestens 20 Zentimeter sollten es schon sein.

Ein Auszug: "In der Kürze liegt die Würze, doch ich mag es lang und dick und bist du zu kurz gekommen, Kommst du bei mir nicht zum Flirt!"

9. Dorfrocker: Die Glöcknerin von Dingolfing

Die unterfränkische Party-Rock-Band Dorfrocker beschreibt im Song "Die Glöcknerin von Dingolfing" eine augenscheinlich freizügige Sennerin (obwohl es in Dingolfing keine Alm gibt). Sie sei so jung und schön.

Mit einer Pfarrbediensteten, die etwa die Glocken der Stadtpfarrkirche Dingolfing zum Läuten bringt, hat das Lied nämlich nichts zu tun, wie ein Ausschnitt des Textes zeigt: "Und am Abend kommt sie nach Haus' und dann holt sie die Glocken raus und sie spielt mit viel Gefühl mit ihrem Glockenspiel."

Noch anzüglicher wird es gegen Ende des Songs, denn am Sonntag komme die Schwester der Sennerin dazu und "spielt mit ihrer Schwester im Duett".

10. Beatrice Egli: Mein Herz

Die DSDS-Gewinnerin 2013 startete mit dem von Dieter Bohlen geschriebenen Schlager ihre ganz große Karriere. Wer vermutet, dass die Schweizerin Beatrice Egli in dem Song von der großen Liebe träumt, irrt sich.

Vielmehr trifft sie in der Disco auf einen jungen Mann, der sie antanzt. Sie kann sich keine Beziehung vorstellen, aber einen One-Night-Stand: "... Doch ich spür' in mir, er ist genau der Typ von Mann nur für den Moment, nicht ein ganzes Leben lang."

Lesetipp: Alles zum Aus von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) und Dieter Bohlens kurzes RTL-Comeback erfährst du hier.