Nürnberg
Sicherheit

Achtung, Schulanfänger! Haften Autofahrer wirklich immer bei Unfällen?

Für Bayerns Schüler enden die Sommerferien am 10. September und für viele Kleinkinder beginnt somit der Schulanfang. Eltern sollten allerdings Vorsicht walten lassen, denn viele Kindern werden beim Weg zur Schule in Unfälle verwickelt. Dabei haften Autofahrer unabhängig der Schuldfrage.
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Kinder können die Entfernung und Geschwindigkeit von Autos schlecht einschätzen. Symbolbild: Arne Dedert/ dpa
Kinder können die Entfernung und Geschwindigkeit von Autos schlecht einschätzen. Symbolbild: Arne Dedert/ dpa

Am 11. September beginnt für die ABC-Schützen ein neuer Lebensabschnitt. Für die jungen Verkehrsteilnehmer birgt der Schulweg aber auch Gefahren und stellt daher eine große Herausforderung dar. Deshalb mahnt die oberfränkische Polizei an alle Verkehrsteilnehmer zu mehr Rücksicht und Vorsicht im Straßenverkehr. Bei verstärkten Kontrollen zum Schulbeginn wollen die Polizisten auch die Gurt- und Kindersicherungspflicht überwachen.

Mit Beginn des neuen Schuljahres bewegen sich viele Schulanfänger noch unsicher auf den Straßen, weil sie mit dem Schulweg und dem richtigen Verhalten im Straßenverkehr noch nicht oder noch nicht optimal vertraut sind. Damit sie sicher und gefahrlos ankommen, engagieren sich neben der Polizei auch weitere Institutionen und ehrenamtliche Helfer, wie beispielsweise Schülerlotsen, für die Sicherheit auf dem Schulweg. Ein besonderer Appell der Oberfränkischen Polizei richtet sich an die erfahrenen Verkehrsteilnehmer, die zu mehr Rücksicht und einem vorbildlichen Verhalten insbesondere gegenüber den Schülern an Fußgängerwegen, Kreuzungen und Einmündungen aufgerufen werden.

Weniger Schulwegunfälle

Erfreulicherweise können die Statistiker für das vergangene Jahr einen Rückgang der Schulwegunfälle in Oberfranken um 6 Prozent verzeichnen. Während 2016 noch 59 Schüler bei diesen Unfällen verletzt wurden, waren es 2017 noch 55. Kein Schulwegunfall in Oberfranken endete tödlich.

Richtiges Verhalten sollte trainiert werden

Sicherheit vor Schnelligkeit lautet die Devise. Der schnellste Weg zur Schule ist nicht unbedingt auch der sicherste. Eltern sollten mit den künftigen Schulkindern schon vor dem großen Tag der Einschulung den geeigneten Weg immer wieder üben, dabei aufmerksam das Verhalten der Sprösslinge vor allem an neuralgischen Punkten beobachten und den Ablauf gegebenenfalls geduldig wiederholen. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn die Kinder sehr früh ihren Schulweg alleine meistern sollen.

Dabei spielt auch die korrekte Verhaltensweise der Erwachsenen im Sinne einer Vorbildfunktion eine herausragende Rolle. Kinder orientieren sich am Verhaltensmuster von Erwachsenen und imitieren dabei richtiges, aber eben auch falsches Handeln. Diesen Umstand sollten vor allem die Eltern aber auch jeder andere erwachsene Verkehrsteilnehmer - ob zu Fuß oder mit Fahrrad und Auto - zu jeder Zeit beachten.

Tipps der Oberfränkischen Polizei

Hier eine kleine Auswahl von Ratschlägen Ihrer Polizei für die Übungsgänge mit den Schulanfängern:

  • Eine grüne Fußgängerampel garantiert den Kindern nicht, dass kein Auto kommt. Erst vom Bordstein losgehen, wenn alle Autos wirklich stehen geblieben sind.
  • Der Zebrastreifen ist leider auch nur dann wirklich sicher, wenn alle Autofahrer sich an den Vorrang der Fußgänger halten und das Auto stoppen. Deshalb gilt auch hier: erst losgehen, wenn die Autos stehen.
  • Der Gehweg ist grundsätzlich für Fußgänger da. Trotzdem lauern Gefahren an Grundstücksausfahrten, wo Autos ein- und ausfahren.
  • Kinder sollten niemals zwischen geparkten Autos durchgehen, um eine Fahrbahn zu überqueren. Der Autofahrer sieht sie möglicherweise aufgrund der Sichthindernisse viel zu spät.
  • Der kürzeste Schulweg ist nicht immer der sicherste. Wählen Sie einen Schulweg mit möglichst wenig Verkehrskreuzungen und schlecht einsehbaren Ausfahrten.
  • Tauschen Sie die Rollen und lassen Sie sich den Schulweg einmal von Ihrem Kind erklären. So erkennt es Gefahrenstellen häufig selbst.
  • Wenn die Schule weiter entfernt ist und Sie Fahrgemeinschaften bilden, muss in jedem Fahrzeug für jedes Kind ein entsprechender Kindersitz vorhanden sein. Sichern Sie die Kinder auch auf Kurzstrecken richtig.
  • Lassen Sie vor dem Schulbeginn keine Hektik aufkommen. Wer morgens früher aufsteht, kann den Tag ruhiger beginnen. Kinder, die in Zeitnot zur Schule hasten, sind unachtsam und machen Fehler im Straßenverkehr.

Reflektierende Accessoires und helle Kleidung

Reflektoren an den neuen Schulranzen für die Kleinsten sind nahezu bei allen Herstellern mittlerweile obligatorisch. Zusätzlich empfiehlt sich allerdings gerade in der dunklen Jahreszeit, die Schulkinder mit hellen Kleidungsstücken auf den Schulweg zu schicken und auch beim Kauf von Schuhwerk auf Modelle mit Reflektoren zurück zu greifen. Ergänzend hierzu gibt es leuchtend gelbe Sicherheitsdreiecke zum Tragen über der Kleidung für die Erstklässler. Gerade in den Monaten Oktober bis Februar laufen die Schüler im Dunkeln oder während der Dämmerung frühmorgens ihren Weg zur Schule und werden nachweislich von Autofahrern durch diese Accessoires besser wahrgenommen.

Nicht gleich mit dem Fahrrad zur Schule

Schulanfänger sollten noch nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Kinder sind in diesem Alter mit den Regeln und Gefahren im Straßenverkehr überfordert. Die Nutzung des Fahrrades empfiehlt sich erst ab bestandener Radprüfung, die in der Regel im vierten Schuljahr absolviert werden kann.

Das Verhalten an Bushaltestellen einschließlich Ein- und Aussteigen sollte ebenfalls vor Schulbeginn mit den Kindern geübt werden.

Trainings für die Kleinen - Überwachung für die Großen

Besonders geschulte Verkehrserzieher der Oberfränkischen Polizei führen zu allen diesen Themen Sicherheitstrainings mit den Schulkindern durch und üben mit den Schülern unter dem Motto "Sicher zur Schule - Sicher nach Hause" direkt im Verkehrsraum rund um ihre jeweilige Schule.

Mit Schulbeginn am 11. September 2018 und darüber hinaus wird die Polizei im Umfeld von Schulen, Bushaltestellen und anderen neuralgischen Punkten oberfrankenweit verstärkt Überwachungsaktionen durchführen, um die Sicherheit der Kinder auf dem Weg in die Schulen zu erhöhen und alle Verkehrsteilnehmer für die Belange der Kleinsten zu sensibilisieren.

Kinder über zehn Jahren haften für Schäden von Verkehrsunfällen

Laut der Versicherungsgruppe HUK-Coburg sind Kinder von der Komplexität des motorisierten Straßenverkehrs oft überfordert. Dies gilt besonders für die Einschätzung von Geschwindigkeiten und Entfernungen. Darum haften Kinder für Schäden, die sie Dritten bei einem Verkehrsunfall fahrlässig zufügen, erst ab ihrem zehnten Geburtstag. Das hat für Autofahrer weitreichende Konsequenzen. Werden sie in einen Unfall mit einem nicht-deliktsfähigen Kind verwickelt, haften sie unabhängig von der Schuldfrage.

Ob ältere Kinder über zehn Jahren tatsächlich für einen Unfall und seine Folgen einstehen müssen, hängt von ihrer Einsichtsfähigkeit ab. Entscheidend ist, ob sie die eigene Verantwortung und die Konsequenzen ihrer Handlungen richtig einschätzen können. Gleichzeitig kommt es auf das individuelle Verschulden in der konkreten Situation an und auf die Frage, ob von einem Kind dieses Alters korrektes Verhalten überhaupt erwartet werden konnte.

Lautet die Antwort ja, müssen aber auch Kinder für sämtliche Haftpflichtansprüche ihres Opfers aufkommen. Sobald das Kind selbst Geld verdient, muss es zahlen. Haben die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt, können auch sie zur Kasse gebeten werden. Schutz bietet in solchen Fällen eine private Haftpflichtversicherung.

Keine Ausrede für Gurtmuffel

Eine Auswertung der bayernweiten Verkehrsunfallstatistik ergab, dass im Jahr 2017 jeder fünfte tödlich verunglückte Autoinsasse nicht angegurtet war. In Oberfranken hatten von den 24 getöteten Fahrzeuginsassen im vergangenen Jahr, fünf der Insassen nachweislich keinen Sicherheitsgurt angelegt. Dieser Trend setzt sich bislang im Jahr 2018 fort: Im ersten Halbjahr 2018 erlitten 17 Autoinsassen tödliche Verletzungen - fünf der Getöteten hatten auf den "Lebensretter Nr. 1" verzichtet. Deshalb werden die Polizisten neben dem richtigen Verhalten im Straßenverkehr insbesondere auf die vorschriftsmäßige Beförderung und Sicherung der Kinder im Fahrzeug achten. Auch bei erwachsenen Gurtmuffeln lassen die Beamten keine Ausrede gelten.



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