Der unfreiwillige Spendenlauf von Rechtsextremisten im oberfränkischen Wunsiedel hat die Veranstalter zu "virtuellen Millionären" gemacht. Das YouTube-Video über die spektakuläre Aktion am 15. November sei bis jetzt rund 2,3 Millionen Mal abgerufen worden, teilte Fabian Wichmann mit, der mit dem Zentrum Demokratische Kultur (ZDK) in Berlin und der Aussteiger-Initiative "Exit" die ironische Anti-Neonazi-Demonstration federführend mit begleitet hatte.

Allein über Facebook seien mehr als eine Million Menschen erreicht worden, weitere neun Millionen über Berichte in Fernsehen und in Printmedien, sagte Wichmann am Freitag in vor Journalisten in Bad Alexandersbad (Landkreis Wunsiedel). Weltweit hatte die Aktion ein enormes Medienecho ausgelöst: So wurden mehr als 400 Online-Artikel in mehr als 40 Ländern gezählt.
Inzwischen wurde das Konzept des "unfreiwilligen Spendenlaufs" bereits mehrfach an anderen Orten übernommen, so in Remagen, Worms und Weißenfels, weitere Anfragen liegen bereits vor.

Bei ihrem alljährlichen sogenannten "Heldengedenken" in Wunsiedel waren die Neonazis mit der kreativen Aktion "Rechts gegen Rechts" gegen ihren Willen zu "Spendensammlern" für die Initiative "Exit" gemacht worden, die sich um Aussteiger aus der Rechtsextremistenszene kümmert. Transparente entlang der Route trugen ironische Slogans wie "Endspurt statt Endsieg" oder "Im Spendenschritt Abmarsch", an einem Stand wurden den Marschierern Bananen unter dem Motto "Mein Mampf" angeboten.

Nach den Worten von Martin Becher, Leiter der Projektstelle gegen Rechtsextremismus in Bad Alexandersbad und ebenfalls Mitorganisator der Aktion, war die Abkehr von der üblicherweise "moralisch beladenen und bedrückenden" Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten zu einer "ironisch-spöttischen" Form eine echte Befreiung für viele Bürger: "Im Lachen wurden die Neonazis auf ihre Normalgröße geschrumpft." Zugleich hat die Aktion nach seinen Beobachtungen auffallend auch zur Mobilisierung des zivilgesellschaftlichen Widerstands gegen rechtsextremistische Aktivitäten in der Region beigetragen.

Für jeden in Wunsiedel zurückgelegten Meter floss ein Euro in den "Exit"-Spendentopf. Zu den 10.000 Euro, die so am 15. November "erlaufen" wurden, seien in den Folgetagen noch weitere 7.000 Euro zusammengekommen, so Fabian Wichmann. Jetzt werde daran gearbeitet, die Internet-Seite "Rechts gegen Rechts" zu einem "Mini-Fundraising-Tool" weiter zu entwickeln.