70 Jahre lang war ein Paar aus Unterfranken verheiratet - bis der Mann eine Decke nahm, sie seiner Frau ins Gesicht drückte und sie tötete. Die Tat hat einen tragischen Hintergrund: Die Frau war an Demenz erkrankt.

Offensichtlich, so nimmt es die Staatsanwaltschaft an, handelte der 92-Jährige aus Aussichtslosigkeit - weil er mit seiner Frau kein gemeinsames Leben in Gesundheit und Selbstbestimmung führen konnte. Denn die 91-Jährige wäre in ein Heim gekommen. Ab Dienstag (10. November 2020) um 9 Uhr muss sich der Mann aus Gemünden (Landkreis Main-Spessart) wegen Totschlags vor dem Landgericht Würzburg verantworten.

Ehefrau mit Decke erstickt

Er hatte zusammen mit ambulanten Dienstleistern seine kranke Frau zuhause gepflegt. Doch als die Demenz fortschritt, sei absehbar gewesen, dass eine häusliche Pflege nicht mehr lange möglich sei. Ein Umzug in ein Heim war geplant. In der Tatnacht war laut Anklage alles zusammengekommen: die persönliche Überforderung durch die Pflege und die bevorstehende Trennung von seiner Frau. Anfang November 2019 soll der Mann dann seine Frau im Ehebett mit einer Decke erstickt haben.

Der Angeklagte verfasste einen Abschiedsbrief mit Anweisungen für die Zeit nach dem Tod. Denn er wollte auch sich das Leben nehmen. Laut Anklage soll er geschrieben haben, dass es der gemeinsame Wille der Eheleute gewesen sei, zusammen aus dem Leben zu scheiden.

Ob die demenzkranke Frau geistig in der Lage gewesen war, über ihr Leben zu entscheiden und die Tragweite dieser Entscheidung zu überdenken, wird aller Voraussicht nach Bestandteil der Verhandlung werden. Der Angeklagte rief etwa eine Stunde nach der Tat den Notarzt und bat, die Leichen abzuholen und die Hinterbliebene zu kontaktieren. Der Selbstmordversuch scheiterte jedoch.

Die Staatsanwaltschaft vermutet eine schwere depressive Verstimmung hinter der Tat. Es ist von einer verminderten Schuldfähigkeit auszugehen.

 

Hinweis der Redaktion: Wir berichten für gewöhnlich nicht über Selbstmorde oder Suizidversuche. Eine Ausnahme bilden Fälle von großem öffentlichen Interesse. Bei der Telefonseelsorge erreichen Sie unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Hilfe in schwierigen, möglicherweise ausweglos erscheinenden Situationen. Unter www.frnd.de ("Freunde fürs Leben") finden Sie zudem weitere Informationen und Hilfsangebote.