Weil er nach rund 70 Jahren Ehe seine demenzkranke Frau tötete, muss sich ein 92-Jähriger seit Dienstag (10. November 2020) wegen Totschlags vor dem Landgericht Würzburg verantworten.

Zum Prozessauftakt hat der Angeklagte die tat Gestanden. Laut seinem Verteidiger handelte der angeklagte 92-Jährige nicht aus Eigennutz oder Feindseligkeit, sondern aus Liebe. 

Update vom 10.11.2020, 11.10 Uhr: Mann (92) gesteht Tötung seiner Ehefrau nach fast 70 Jahren Ehe

Ein 92-jähriger Mann hat vor dem Landgericht Würzburg gestanden, seine kranke und pflegebedürftige Frau nach fast 70 Jahren Ehe getötet zu haben. Der Mann habe nicht aus Eigennutz oder Feindseligkeit gehandelt, sondern aus Liebe, sagte der Verteidiger am Dienstag (10. November 2020) zu Prozessauftakt im Namen seines Mandanten. «Ich habe mich in den all den Jahren bestmöglich um meine Frau gekümmert», verlas der Anwalt eine Erklärung.

Nahezu rund um die Uhr habe er die 91-Jährige gepflegt, lediglich zweimal in der Woche Hilfe einer Sozialstation bekommen. Der Angeklagte sei verzweifelt gewesen, weil die Pflege ihn überfordert und er nicht gewollt habe, dass seine Frau in ein Heim muss. Beide hätten verabredet, gemeinsam sterben zu wollen.

Ehemann erstickt seine Frau (91) mit Decke

Am 3. November 2019 nahm der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft eine Decke, drückte sie seiner Frau ins Gesicht und erstickte sie. Auch die Anklage geht davon aus, dass der 92-Jährige aus Aussichtslosigkeit handelte - weil er mit seiner Frau kein gemeinsames Leben in Gesundheit und Selbstbestimmung führen konnte. Ein anschließender Suizidversuch scheiterte.

Der Mann aus Gemünden (Landkreis Main-Spessart) muss sich wegen Totschlags verantworten, «ohne ein Mörder zu sein», wie der Oberstaatsanwalt sagte. Er vermutet eine schwere depressive Verstimmung hinter der Tat und geht von einer verminderten Schuldfähigkeit aus.

Das Paar hatte keine Kinder. Der Prozess soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

Erstmeldung vom 09.11.2020: 92-Jähriger tötet seine demenzkranke Frau - Abschiedsbrief erklärt die Tat

Weil er nach 70 Jahren Ehe seine demenzkranke Frau tötete, muss sich ein 92-Jähriger ab Dienstag (10.11.20202 um 9 Uhr) wegen Totschlags vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass der Mann aus Aussichtslosigkeit gehandelt hat - weil er mit seiner Frau kein gemeinsames Leben in Gesundheit und Selbstbestimmung führen konnte. Denn die 91-Jährige wäre wegen ihrer fortschreitenden Krankheit in ein Heim gekommen.

Zuvor pflegte ihr Mann sie zu Hause. In der Tatnacht Anfang November 2019 habe der Angeklagte auch sich selbst das Leben nehmen wollen. Der Versuch scheiterte. In einem Abschiedsbrief soll er geschrieben haben, dass es der gemeinsame Wille der Eheleute gewesen sei, zusammen aus dem Leben zu scheiden.

Staatsanwaltschaft vermutet verminderte Schuldfähigkeit

Ob die demenzkranke Frau geistig in der Lage gewesen war, über ihr Leben zu entscheiden und die Tragweite dieser Entscheidung zu überdenken, wird aller Voraussicht nach Bestandteil der Verhandlung werden. Die Staatsanwaltschaft vermutet eine schwere depressive Verstimmung hinter der Tat. Es ist von einer verminderten Schuldfähigkeit des Deutschen auszugehen.