Leere Flaschen, Pizzakartons, Chipstüten: Das Mainufer ist am Montagmorgen (14.06.2021) zugemüllt. Die Mülleimer quellen über. Wie bereits angekündigt, zog die Stadt Konsequenzen aus dem ausufernden Partygeschehen und den dabei anfallenden Müllbergen der vergangenen Wochenenden.

In Teilbereichen der Kurt-Schumacher-Promenade und am Graf-Luckner-Weiher ließen die Mitarbeiter des Gartenamtes am Wochenende demonstrativ den Müll liegen. Wieder waren hunderte Menschen zum Mainkai gekommen, um dort den Abend zu verbringen. 

Update, 14.06.2021: Müll bleibt in Würzburg liegen

Die Aktion des Gartenamtes soll den Menschen vor Augen führen, wie viel Abfall bei den Feiern am Ufer verursacht wird. Am Montag (14.06.2021) liefen ab sechs Uhr die Aufräumarbeiten der vom Müll überfluteten Wiesen. 

Krawalle wie in einigen anderen Städten blieben in Würzburg aus. Wir ziehen nach dem ersten Wochenende mit gesperrtem Kranenkai ab 22 Uhr eine positive Bilanz. Wir bedanken uns bei der Polizei, die mit viel Fingerspitzengefühl den neuen Party-Hotspot in Corona-Zeiten entschärft hat“, resümiert Kommunalreferent Wolfgang Kleiner nach einem Wochenende, das bei schönem Wetter in Summe ruhiger verlief als die letzten Wochen.

Die Sperrung des Kranenkais funktionierte aus städtischer Sicht problemlos. Ein Teil der Menschenmenge ging, das sei zu erwarten gewesen, nach der Räumung dieser Uferpromenade nicht direkt nach Hause, sondern verteilte sich am Mainufer Richtung Löwenbrücke oder auch im Bereich der Juliuspromenade neu. Ein vergleichbarer Ansammlungspunkt mit lauter Musik und starkem Alkoholkonsum bis in Morgenstunden konnte jedoch weder am Freitag noch am Samstag von Stadt und Polizei ausgemacht werden.

Partymeile in Würzburg gesperrt - trotzdem mehr als 15 Kubikmeter Müll

Die Kontrollen des Jugendschutzes würden zeigen, dass aktuell nachts auf den Straßen sehr viel Alkohol getrunken werde, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg. 90 Prozent der Angetroffenen haben alkoholische Getränke bei sich. Diese Normalität in der Öffentlichkeit flächendeckend und teilweise sehr viel Alkohol zu konsumieren, trage dazu bei, dass auch Jugendliche immer selbstverständlicher mit Bier- und Weinflaschen auf der Straße und in Parkanlagen anzutreffen sind, was für den Jugendschutz sehr bedenklich sei. Auch Cannabis-Konsum sei an einigen Stellen ein Thema. Auch wenn in Leserbriefen und Presseberichten immer von „den Jugendlichen“ gesprochen werde, handele es sich bei maximal 10 Prozent der Feiernden um echte Jugendliche, das Gros der Feiernden sind junge volljährige Erwachsene - meist zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Am Graf-Luckner-Weiher und am Sanderauer Mainufer sensibilisierte das städtische Gartenamt zudem mit einer „Wir haben dieses Wochenende frei!“-Aktion. Der Müll blieb von Freitag bis Montag liegen. Ca. 15 Kubikmeter Müll waren es am Ende alleine in der Kurt-Schuhmacher-Anlage. Knapp 200 Pizzakartons seien an diesem Wochenende zwischen dem Hauptbahnhof und Altem Kranen eingesammelt worden. Allein dies sei eine riesige Herausforderung. Das Gartenamt wird mit zusätzlichen Mülltonnen auch für diese Schachteln noch einmal gezielt an einigen Stellen nachjustieren. 

In der Bilanz ergebe sich kein ganz einheitliches Bild beziehungsweise Verhalten: „Die meisten BürgerInnen nutzen die bereit gestellten Tonnen. In diesem Jahr wurde die Zahl noch einmal deutlich verstärkt. Wenn eine Tonne voll ist, legen manche ganz ordentlich Kartons oder Tüten daneben. So soll es sein. Andere betrachten dies aber auch als Freibrief nun den Müll überall entsorgen zu dürfen. Generell sollten sich die BürgerInnen einmal fragen, ob zum Feiern automatisch immer so viel Müll dazu gehören muss. Nachhaltig mit Mehrwegflaschen oder wiederverschließbaren Schüsseln sind leider nur die wenigsten unterwegs“, so Gartenamtsleiter Dr. Helge Bert Grob.

Sogar auf Kinderspielplätzen: Flaschen liegen gelassen oder Notdurft verrichtet

„Null Verständnis haben wir, wenn sogar vor Kinderspielplätzen nicht Halt gemacht wird und hier Flaschen landen oder gar die Notdurft verrichtet wird.“ Das Wochenende, das unter besonderer Beobachtung stand, rief erfreulicherweise auch einige private Müllsammler auf den Plan. „Mir wurde beispielsweise von einer Dame berichtet, die rund um die Tischtennisplatte in der Sanderau 15 Tüten fremden Müll eingesammelt hat. Das ist natürlich eine starke Aktion. Da sagen wir herzlich Dankeschön!“

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Bereits im Vorfeld ließ die Stadt Würzburg den Bereich am Alten Kranen am Wochenende (12. - 13. Juni) zwischen 22 und 6 Uhr morgens für die Öffentlichkeit sperren und mit Hilfe der Polizei räumen. Grund dafür waren neben den großen Menschenansammlungen vor allem die Lärmbelästigung und die anfallenden Müllberge. Bis zu 500 Personen versammelten sich am Wochenende (12.-13. Juni) dort.

Die Stadt Würzburg will die Partynächte am Alten Kranen und die Verschmutzung entlang des Mains bis zum Graf-Luckner-Weiher nicht mehr dulden. Die Verantwortlichen ziehen aus den Wochenenden Anfang Juni Konsequenzen. So werden laut einer Pressemitteilung der Stadt Würzburg auch am kommenden Wochenende (18. und 19. Juni) die Grünanlagen am Alten Kranen Freitag und Samstag ab 22 Uhr bis 6 Uhr morgens für die Öffentlichkeit durch eine entsprechende Allgemeinverfügung gesperrt und auch mit Security und mit Unterstützung der Polizei gesichert.

Polizei plant Sperrung am Mainkai auch am kommenden Wochenende

Die Stadt plant so vorzugehen:

  • Bereits ab 20 Uhr informieren Sicherheitsleute über die bevorstehende Sperrung,
  • ab 21.30 Uhr wird dann mit Hilfe einer Ausleuchtung dieses Bereiches die Sperrung angekündigt. 

Die offizielle Außengastronomie also etwa die Pizzeria Locanda im Bereich des Alten Kranens sei davon nicht betroffen. Ziel sei es, diesen Bereich hinsichtlich der Besucherfrequenz und Nutzungsart wieder zu normalisieren. Abhängig von der Entwicklung solle die Sperrung auch bald möglichst wieder aufgehoben werden.

Grund für die Sperrungen am Alten Kranen sei nicht nur der Schutz vor der Corona-Pandemie und die weiterhin geltenden AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten und im Alltag Maske tragen). Vielmehr habe das Party-Geschehen inzwischen derartige Ausmaße angenommen, dass in dem Bereich entlang der Partymeile am Mainkai an eine Nachtruhe nicht mehr zu denken sei. Der Schutz der Anwohner und der Nachtruhe habe Vorrang. 

Ruhestörung und Müll   - Anwohner verärgert 

Ärgerlich war auch: Feiernde Personen zerstörten zahlreiche vom städtischen Gartenamt frisch bepflanzte Blumenrabatten entlang des Maines vollständig, so dass auch Sachschäden entstanden sind. Die Mitarbeiter des Gartenamtes, die laut Stadt jedes Wochenende mehrfach in den Grünanlagen tonnenweise den Abfall der Feiernden eingesammelt hatten, werden den Müll der Feiernden in den Teilbereichen der Kurt-Schumacher-Promenade und am Graf-Luckner-Weiher liegen lassen. Auf diese Maßnahme wird mit Plakaten begleitend hingewiesen: „Wir haben dieses Wochenende frei! Ihre Stadtgärtner und Stadtreiniger“

Die Stadt Würzburg weist darauf hin, dass Spaziergänger und andere Gäste in diesen Bereichen auf die Verschmutzung durch Glasscherben und anderen Müll aufpassen sollten. Es gelte Vorsicht beim Betreten!

„Wir haben bislang vor allem auf Kommunikation und Einsicht gesetzt“, sagt Oberbürgermeister Christian Schuchardt. „Bei vollstem Verständnis für alle, die es nach diesem langen Lockdown zu Hause nicht mehr aushalten und im Freien etwas Entspannung und Spaß suchen – leider ist die Grenze überschritten. Spaß haben im Freien ja, Verstöße gegen Corona-Beschränkungen und Party auf Kosten der Anwohner – nein. Wir wollen als Stadt keine Eskalation wie zurzeit in anderen Städten.“

Party-Exzesse auch in Bamberg

Sollten diese Maßnahmen keinen Erfolg haben, würden weitere Verschärfungen auch mit den politischen Gremien – wie dem Bau- und Ordnungsausschuss und dem Stadtrat – abgestimmt. Die Stadt Würzburg betont, dass die Kontaktbeschränkungen sowie die AHA-Regeln weiterhin auch im Freien gelten. Ruhestörungen durch die Benutzung von Musikinstrumenten und Lautsprechern würden weiterhin geahndet und die Nachtruhe zum Schutz der Anwohner von 22 bis 6 Uhr sei einzuhalten. (Sicherheitsverordnung der Stadt Würzburg § 8.)

Wie Bamberg mit Randale und Müll umgeht, lesen Sie hier

Corona-Ticker für Würzburg

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