Viele Frauen, die in Unterfrankens Frauenhäusern auf Zuflucht hoffen, finden dort keinen Platz. Auf eine Frau, die im Frauenhaus Unterschlupf findet, kommen etwa im Frauenhaus der Würzburger Arbeiterwohlfahrt zwei Frauen, die wegen Platzmangels weggeschickt oder vertröstet werden müssen.


2016 wurden 57 Frauen abgewiesen


"Das ist extrem belastend für diese Frauen, die oft jahrelang Gewalt erlebt haben und sich gerade durchgerungen haben, aus dieser Situation auszubrechen", sagt Brita Richl, die das Würzburger Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt leitet. Dort hat sie im vergangenen Jahr 31 Frauen mit ihren 43 Kindern aufnehmen können. 57 Frauen samt ihren Kindern musste sie aber abweisen.

Ihr Frauenhaus hat eben nur sechs Plätze für Frauen und sechs weitere für Kinder. Richl: "Wir brauchen mehr Geld, mehr Personal - und mehr Plätze." Mit dieser Forderung steht Richl nicht alleine. Einen Mehrbedarf an Frauenhausplätzen sieht auch Franziska Boes, die in Würzburg ein Frauenhaus in der Trägerschaft des Sozialdienstes Katholischer Frauen leitet. Dort gibt es ebenfalls sechs Frauenplätze und sechs Kinderplätze.

Boes spricht davon, dass Gewalt gegen Frauen in allen Schichten der Gesellschaft vorkomme und schildert den - recht typischen - Fall einer Frau, deren Ehe am Anfang glücklich schien, dann aber kippte, als ihr eifersüchtiger Ehemann ihr das Training im Fitness-Studio verbot, den Kontakt mit Freundinnen erschwerte und begann, sie zu schlagen.


Die Frauen kostet es viel Überwindung


Diese Frau habe "Angst vor Stigmatisierung" gehabt, so Boes, sie habe sich deshalb niemandem anvertraut und sich immer mehr zurückgezogen. Boes berichtet, dass die Gewalt in dieser Ehe immer weiter zugenommen habe und über Jahre anhielt. Noch schlimmer wurde die Situation, als der Ehemann arbeitslos wurde und viel trank. Boes: "Erst als der Mann sie eines Abends so heftig schlug, dass sie Angst um ihr Leben hatte, rief die Frau am nächsten Morgen bei uns an."

Viele Frauen erzählen Boes solche Geschichten - zu viele. Boes musste im vergangenen Jahr 104 Frauen abweisen - Frauen, deren Gewalterfahrungen nicht minder schlimm sind als im berichteten Fall.

Dass das unterfränkische Angebot bei Weitem nicht reicht, sagt auch der SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib (Ochsenfurt) mit Blick auf die insgesamt 35 Frauenplätze und 41 Kinderplätze in Unterfrankens vier Frauenhäusern. Neben Würzburg bieten noch Aschaffenburg (zuletzt 52 Aufnahmen und 89 Ablehnungen) und Schweinfurt (zuletzt 56 Aufnahmen, 59 Ablehnungen) solche Einrichtungen an. Halbleib, der sich schon seit Jahren für eine Verbesserung der finanziellen Ausstattung der Frauenhäuser einsetzt, kritisiert deren "erbärmlich niedrige Grundfinanzierung" und spricht sich für eine Verdopplung des Landeszuschusses von aktuell 2,5 Millionen Euro aus.


CSU lehnte Dringlichkeitsantrag ab


Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Finanzforderung Realität wird, ist klein: Ein Dringlichkeitsantrag der SPD-Landtagsfraktion, der auf Basis einer Bedarfsstudie der Universität Erlangen eine umfassende Verbesserung des Hilfssystems für gewaltbetroffene Frauen und Kinder propagierte, wurde erst im Mai im Landtag abgeschmettert - mit den Stimmen der CSU.

Gefordert hatte die SPD unter anderem den Ausbau der Frauenhausplätze um 35 Prozent, eine Erhöhung des Personals der Frauenhäuser und die Festschreibung einer von Land und Kommunen gemeinsam getragenen, bayernweit einheitlichen Finanzierung von Frauenhäusern, Fachberatungsstellen und Interventionsstellen.



Für die CSU hatte im Mai der unterfränkische Abgeordnete Steffen Vogel (Haßberge) gegen die Annahme des Dringlichkeitsantrags plädiert. Begründet hatte Vogel dies damit, dass den Frauenhäusern erst im Januar 2017 eine 20-prozentige Personalkostenförderung zugesagt worden sei. Auch verwies er auf eine geplante Bedarfsermittlungsstudie. Seine Fraktion halte es für richtig, diesen Bericht abzuwarten.

Ein Bericht von Gisela Rauch.