Die Polizei in Unterfranken hat am Mittwoch (18.05.2022) zahlreiche Anrufe von besorgten Bürgerinnen und Bürgen entgegengenommen. Sie alle berichteten jeweils von einem Betrugsversuch - alle nach demselben Muster: 

Bisher noch Unbekannte geben am Telefon an, dass Angehörige Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang verursacht hätten. Vermeintliche Polizeibeamte, Staatsanwälte oder fordern mit großem Nachdruck die angerufene Person auf, eine Kaution für ihre Angehörigen zu zahlen, um so eine angebliche Gefängnisstrafe für den Angehörigen zu verhindern.   In den meisten Fällen erkannten die Angerufenen die Falle, legten auf und verständigten die Polizei. In fünf Fällen führten die Anrufe der Betrüger jedoch zum Erfolg.

Insgesamt rund 500.000 Euro in fünf Fällen erbeutet

Name steht im Telefonbuch

Ein 89-Jähriger aus Würzburg ließ sich von der beschriebene Masche täuschen. In Sorge um seine Tochter holte der Senior rund 280.000 Euro in bar sowie rund 25.000 Euro in Goldbarren von der Bank und übergab gegen 14.30 Uhr sein Hab und Gut in der Steigstraße in Versbach an einen schlanken, etwa 172 Zentimeter großen und rund 40 Jahre alten unbekannten Mann.

Bankdaten erfragt

Dasselbe passierte einer  62-Jährige aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld. Die Dame übergab im Glauben, ihre Tochter damit vor einer Haftstrafe zu bewahren, 19.000 Euro Bargeld kurz nach 12.00 Uhr in der Maxstraße in Bad Kissingen an einen unbekannten Mann, der etwa 20 Jahre alt und rund 180 Zentimeter groß und hager gewesen sein soll. Der Geldabholer habe Hochdeutsch gesprochen und war mit einem lachsfarbenen Pullover, einer blauen Jeans und Turnschuhen bekleidet. Neben dem Bargeld gab die Betrogene noch ihre Bankdaten an die Täter weiter, unter dem Vorwand einer späteren Rückerstattung.

Personalausweisdaten herausgegeben

Ein 48-jähriger Mann aus Würzburg übergab vor dem dortigen Amtsgericht 13.000 Euro Bargeld an eine weibliche Geldabholerin. Der Beamte ließ sich in großer Sorge um seine Ehefrau von den Betrügern täuschen und dachte so seiner Frau zu helfen. Schon während es Telefonats gab der Mann die Daten seines Personalausweises an die Täter weiter.

Aus Sorge auf Forderung eingegangen

Eine 85-Jährige aus Bad Kissingen ging bislang unbekannten Betrügern ebenfalls auf den Leim und übergab am Vormittag in der Theresienstraße 60.000 Euro Bargeld an einen schlanken, ca. 30-jährigen Mann, der 175 Zentimeter groß gewesen sein soll. Aus Sorge um ihre Enkelin hatte sie alle Alarmsignale übersehen.

Weiteres Geld gefordert

Nach dem gleichen Prinzip wurde ein 92-Jähriger aus Bad Kissingen betrogen. Er übergab einem angeblichen Richter vor dem Amtsgericht in Schweinfurt 150.000 Euro in Schmuck, Goldmünze und Goldbarren als vermeintliche Kaution für seinen Sohn. Als noch mehr Geld gefordert wurde, übergab er nochmals 30.000 Euro in bar an einen Unbekannten vor dem Amtsgericht in Fulda.

Festnahme eines Geldabholers gelingt

Auf den Betrugsanruf reagierte ebenfalls eine 80-Jährige aus dem Landkreis Würzburg. Sie erkannte jedoch die Masche und stieg nur zum Schein auf die Forderung ein. Der informierten Polizei gelang es bei der Übergabe den 41-jährigen Abholer festzunehmen. Beute aus den anderen Taten konnten nicht gefunden werden. Der 41-Jährige sitzt mittlerweile in Untersuchunghaft.  

Die Kriminalpolizei Würzburg ermittelt in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Würzburg zu den Hintermännern und den Identitäten der Geldabholer. Personen, die am Mittwoch in der Nähe der Tatorte verdächtige Beobachtungen gemacht haben oder sonst Hinweise auf die Identität der Gesuchten geben können, werden dringend gebeten, sich unter Telefonnummer 0931/457-1732 zu melden.

Aufgrund der weiterhin hohen Fallzahlen im Bereich Callcenterbetrug und dem damit verbundenen finanziellen Schaden, aber auch den psychischen Folgen für die Betroffenen ist es wichtig besonders ältere Menschen und deren Angehörige über dieses Betrugsphänomen zu informieren und zu sensibilisieren. 

Die wichtigsten Hinweise sind:

  • Legen Sie auf! Wählen Sie die 110 und erfragen bei der Polizei den angeblichen Einsatz, beziehungsweise ob tatsächlich Verwandte in Not sind. 
  • Die Polizei weist Sie niemals an, Geld oder Schmuck zu Hause zur Abholung bereitzulegen oder an Abholer zu übergeben!
  • Übergeben Sie keine Geldbeträge an Fremde! Auch die Polizei holt bei Ihnen keine Wertsachen ab.
  • Die Täter können jede gewünschte Rufnummer auf dem Telefon anzeigen lassen - bei der echten Polizei erscheint niemals die 110 (auch nicht mit Vorwahl)!
  • Sprechen Sie mit ihren Freunden, Nachbarn und Verwandten über den Vorfall
  • Weitere Informationen: https://www.polizei.bayern.de/schuetzen-undvorbeugen/senioren/004577/index.html

Diese Art des Trickbetrugs ist nicht neu: Dreister Telefonbetrug: Unbekannte ergaunern Geld und Schmuck von Seniorin

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