In der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA ist Dirk Nowitzki in seiner 18. Saison bei den Dallas Mavericks einer der erfahrenen Routiniers, in seinem Privatleben mit der zweieinhalbjährigen Tochter Malaika und dem gut ein Dreivierteljahr alten Sohn Max immer noch ein Vater in den Anfangsjahren, der Tag für Tag neue Erfahrungen macht. Und das trotz seiner 37 eigenen Lebensjahre.

Wie sich Leistungssport und Familie vereinbaren lassen, darüber sprach der Würzburger am vergangenen Wochenende am Rande der Partie bei den Miami Heat.

Herr Nowitzki, zur Partie bei den Miami Heat, die am 1. Januar stattfand, sind Sie mit Ihren Dallas Mavericks bereits einen Tag zuvor angereist. Wie haben Sie Silvester in der Party-Metropole Miami gefeiert?
Dirk Nowitzki: Eigentlich überhaupt nicht. Nachdem ich mich schon seit einigen Wochen mit Nasennebenhöhlen-Problemen herum plage, bin ich nach einem guten Abendessen bereits um 23 Uhr ins Bett gegangen und habe Mitternacht schon geschlafen. Für mich persönlich war das jetzt allerdings auch nicht so schlimm, denn wenn man etwas älter ist, dann ist Silvester ohnehin nicht mehr der große Kracher. (lacht) Letztlich ist es für mich ein ganz normaler Tag wie jeder andere.

Hat Sie diesbezüglich auch Ihre Rolle als zweifacher Familienvater etwas ruhiger werden lassen?
Ja, das kann sehr gut möglich sein. Das Leben hat sich mit den beiden Kindern grundlegend verändert. Ab und zu freut man sich sogar ein kleines bisschen, wenn man mal auswärts mit dem Team ist und ausschlafen kann. Zu Hause ist das nicht mehr möglich. Auch wenn das Ganze mit viel Arbeit verbunden ist, macht es mir natürlich einen riesengroßen Spaß mit den beiden. Unsere Tochter begreift jetzt auch schon langsam, was um sie herum passiert spricht sogar bereits einige Worte Deutsch.

Haben sich durch Ihre Vaterrolle auch die Prioritäten in Ihrem Leben, sprich: Familie auf der einen, Sport und Beruf auf der anderen Seite, etwas verschoben?
Wenn ich auf dem Basketball-Court stehe, hat sich eigentlich nichts verändert. Ich liebe nach wie vor den Wettbewerb und habe Spaß am Training. Aber klar, wenn ich dann die Halle verlasse, steht zu 100 Prozent die Familie im Vordergrund. Als Single konnte ich mir im Grunde die Zeit frei einteilen und machen, worauf ich gerade Lust hatte. Das geht jetzt natürlich nicht mehr. Mittlerweile muss man alles auf beziehungsweise mit der Familie abstimmen. Aber wie gesagt, das macht alles trotzdem einen Riesenspaß. Ich wollte ja schon länger Kinder haben und genieße daher auch die Zeit mit ihnen in vollen Zügen.

In der NBA ist es keine Seltenheit, dass fünf oder sechs Auswärtspartien in Folge auf dem Spielplan stehen und das Team dadurch bis zu zwei Wochen am Stück unterwegs ist. Kommt Ihnen diese Zeit, in der Sie nicht bei Frau und Kindern sein können, heute etwas länger vor als früher?
Ja, definitiv! Die Kleine merkt jetzt schon, was es bedeutet, wenn der Papa wieder mal mit dem Koffer zur Haustüre geht. Da fängt sie dann manchmal sogar zu weinen an. Und das ist dann schon hart. Aber die paar Jährchen ziehe ich das jetzt noch so durch. Auf der anderen Seite ist es aber auch toll, wenn sie dann mit zum Spiel kommen und auch schon das Wort "Maverick" sagen kann.

Es ist bekannt, dass Sie an Niederlagen lange zu knabbern haben. Verfliegt der Ärger über ein verloren gegangenes Spiel heute schneller, wenn man nach Hause kommt und in strahlende Kinderaugen blickt?
Grundsätzlich nehme ich Niederlagen nach wir vor sehr hart. Das war in meiner ganzen Karriere schon immer der Fall. Teilweise konnte ich sogar kaum schlafen. Aber jetzt stehst du eben früher auf, und den Kindern ist es egal, ob du wenig geschlafen oder in der Partie zuvor kaum Würfe getroffen hast. Die wollen einfach Zeit mit ihrem Papa verbringen. Das ist dann schon eine gute Ablenkung und macht einfach Spaß.

Lassen Sie uns noch über sportliche Dinge sprechen. Hier in Miami haben Sie im Jahr 2011 mit den Dallas Mavericks Ihren größten Triumph, die NBA-Meisterschaft, gefeiert. Wenn Sie heute in diese Arena, in die Umkleidekabine oder auf den Court kommen: Werden dann immer noch Erinnerungen bei Ihnen wach?
Ein bisschen schon, ja. Natürlich versucht man, nicht zu sehr in der Vergangenheit zu leben. Aber diese Arena und die Stadt selbst werden aufgrund der Meisterschaft ganz sicher für immer in meinem Gedächtnis bleiben. Was wir hier erlebt und welchen Traum wir uns erfüllt haben, werde ich niemals vergessen. Aber gleichzeitig muss man das Ganze auch möglichst aus dem Kopf bekommen, wenn man wieder herkommt. Schließlich gilt es, ein Match auf höchstem Niveau zu absolvieren.

Am 23. Dezember 2015 haben Sie beim 119:118-Erfolg gegen die Brooklyn Nets einen weiteren Meilenstein in Ihrer einzigartigen Karriere erreicht. In der ewigen Scorerwertung der NBA sind Sie an Shaquille O'Neal vorbeigezogen und rangieren nun auf Platz sechs. Sind das Dinge, die Sie während der Saison im Auge haben oder geht so etwas im Alltag fast schon unter?
Speziell an jenem Abend ging das schon etwas unter. Mir war es deutlich wichtiger, dass wir diese Begegnung gewinnen, als dass ich an Shaq vorbeigezogen bin. Aber wenn man sich das jetzt im Nachhinein mal überlegt: 18 Jahre lang in dieser Statistik permanent hochzuklettern und dabei so viele Legenden hinter sich zu lassen, dann ist das schon absoluter Wahnsinn. Aber mein Hauptaugenmerk liegt nach wie vor darauf, Spiele mit der Mannschaft zu gewinnen. Alles andere ist vielleicht in zehn oder 20 Jahren ganz schön, wenn man das einmal seinen Kindern oder Enkeln erzählen kann.

Ihr Vertrag bei den Dallas Mavericks läuft noch bis 2017 - jedoch mit der Option, bereits in diesem Jahr auszusteigen. Werden Sie Ihren Kontrakt erfüllen beziehungsweise könnten Sie sich sogar vorstellen, noch ein weiteres Jahr dranzuhängen?
Zunächst einmal habe ich fest vor, bis 2017 zu spielen. Was danach kommt, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Letztlich hängt viel davon ab, ob ich dann noch Spaß habe und gesund bin. Das lasse ich ganz entspannt auf mich zukommen.

Das Gespräch führte Dirk Sing