Ihre Leiche lag auf einem Campingplatz unter Palmwedeln: 2005 wurde Simone Strobel aus Unterfranken während eines Australien-Trips umgebracht. Ihr Mörder wurde bisher nicht gefunden, doch seit einigen Tagen häufen sich die Fortschritte der Ermittler im "Cold Case".

Der Fokus liegt aktuell auf Simones damaligem Freund, der nun des Mordes beschuldigt wird.  Nach der Ankgeklagte zehn Tage in Untersuchungshaft verbrachte, fand am Donnerstag (4. August 2022) im australischen Sydney der erste Gerichtstermin statt - mit einem überraschendem Ergebnis.

Update vom 04.08.2022: Angeklagter Ex-Freund kommt auf Kaution frei

Der des Mordes angeklagte Ex-Freund der vor 17 Jahren in Australien getöteten deutschen Erzieherin Simone Strobel kommt auf Kaution frei. Ein Gericht in Sydney entschied am Donnerstag (4. August), der Freilassung des 42-jährigen Deutschen stattzugeben, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Gerichtskreisen erfuhr. Zunächst hatte es geheißen, dass die Staatsanwaltschaft Berufung einlegen wolle. Später meldete die australische Nachrichtenagentur AAP, dass die Anklagebehörde sich dagegen entschieden habe.

Die Richterin im Downing Local Court, Margaret Quinn, begründete ihre Entscheidung damit, dass die Anklage bislang kaum Beweise für ihre Beschuldigungen vorgelegt hätten. Die Polizei wirft dem Deutschen vor, Strobel in dem Wohnmobil in Lismore erstickt und ihre Leiche dann in der Nähe versteckt zu haben. Zwar spräche vieles dafür, dass Strobel und ihr damaliger Freund kurz vor dem Mord gestritten und Alkohol getrunken hätten - "aber es scheint in diesem Fall keine direkten oder indirekten Beweise zu geben, die ihn mit der Straftat in Verbindung bringen", erklärte die Richterin. "Dies ist nicht der stärkste Indizienfall, den ich gesehen habe." Verteidiger Tim Game hatte zuvor betont, sein Mandant habe erst kürzlich seine DNA zur Verfügung gestellt und nichts habe darauf hingedeutet, dass sie ihn belasten würde.

Berichten zufolge hat die Ehefrau 200.000 australische Dollar - was etwa 136.000 Euro entspricht - als Sicherheit angeboten, um ihren Mann aus den "unmenschlichen Bedingungen" in der Haft zu befreien. Der Angeklagte kann nun unter Auflagen zu seiner Familie in Westaustralien zurückkehren. Dazu gehört unter anderem, dass der Angeklagte sich drei Mal pro Woche auf einer Polizeistation melden und seinen Reisepass abgeben muss, wie aus dem Gerichtsbeschluss hervorgeht. Auch darf er demnach keine verschlüsselten Kommunikationsdienste wie Whatsapp oder Viber benutzen. Der nächste Gerichtstermin ist für Ende September angesetzt.

Update vom 03.08.2022: Mordfall Simone Strobel - Ex-Freund im Fokus

Im Fall der vor 17 Jahren in Australien getöteten deutschen Erzieherin Simone Strobel sollte am Mittwoch (3. August 2022) die Kautionsverhandlung für ihren in Untersuchungshaft sitzenden Ex-Freund stattfinden. Der ebenfalls aus Deutschland stammende heute 42-Jährige war vor einer Woche in seinem Haus im westaustralischen Perth festgenommen und nach Sydney überführt worden. Dort wurde er des Mordes angeklagt. Das Gericht hat den Termin nun aber auf Donnerstag verschoben.

Die Anwältin des Beschuldigten, Vivian Evans, hatte vergangene Woche erklärt, sie sei dabei, mit der Staatsanwaltschaft die Bedingungen für die Kaution auszuhandeln. Die australische Nachrichtenagentur AAP berichtete unter Berufung auf die Justiz, das Gericht in Sydney wolle am 3. August entscheiden, ob der Verdächtige vorläufig freikommt. Das Verfahren soll anschließend nach Lismore nördlich von Sydney verlegt werden, wo Strobel 2005 gewaltsam zu Tode gekommen war.

Das Gericht verlegte die Entscheidung über eine Freilassung auf Kaution für ihren festgenommenen Ex-Freund auf Donnerstag. Der Gerichtstermin sei für 12 Uhr (Ortszeit) angesetzt worden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Gerichtskreisen. Am Mittwoch trugen Anklage und Verteidigung im Downing Local Court in Sydney aber bereits ihre Argumente und Gegenargumente für eine vorläufige Freilassung des Verdächtigen vor. Dieser nahm per Videoschalte aus der Haft an der Anhörung teil.

Die damals 25-jährige Simone Strobel aus Unterfranken war mit ihrem 24-jährigen Freund per Wohnmobil in Australien unterwegs. Anfang 2005 kamen die Schwester des Freundes und deren Freund aus Deutschland dazu. Die vier waren auf einem Campingplatz in Lismore, als Strobel plötzlich verschwand. Wenige Tage später wurde ihre Leiche in der Nähe des Campingplatzes unter Palmwedeln gefunden. Trotz eingehender Ermittlungen blieb der Fall bis heute ungelöst.

Update vom 28.07.2022: Zwei weitere Personen sollen festgenommen werden

Der heute 42 Jahre alte Ex-Freund der Erzieherin Simone Strobel aus Unterfranken muss bis mindestens 3. August in Untersuchungshaft bleiben, wie die australische Nachrichtenagentur AAP am Donnerstag berichtete. Dann werde er eine Freilassung auf Kaution beantragen, hieß es unter Berufung auf seine Anwältin.

Die australischen Ermittler stünden zudem mit den deutschen Behörden wegen der möglichen Ausstellung zweier weiterer Haftbefehle in Deutschland in Kontakt, zitierte der Sender 9News Polizeichef Scott Tanner. Die beiden Personen würden der Beihilfe zum Mord und der Justizbehinderung bezichtigt.

Der 42-jährige Verdächtige war am Dienstag in seinem Haus im westaustralischen Perth festgenommen worden und am Mittwoch nach Sydney an der Ostküste überstellt worden. Die Verteidigerin sagte, sie sei dabei, mit der Staatsanwaltschaft die Bedingungen für die Kaution auszuhandeln. Das Verfahren soll anschließend nach Lismore nördlich von Sydney verlegt werden, wo Strobel 2005 gewaltsam zu Tode gekommen war. Neben Mord wird dem Verdächtigen auch Behinderung der Justiz vorgeworfen. Der Ex-Freund Strobels ist mittlerweile in Australien verheiratet und hat den Namen seiner Frau angenommen. Australischen Medienberichten zufolge soll sie mit dem dritten gemeinsamen Kind schwanger sein.

Update vom 26.07.2022: Festnahme nach Tötung von Simone Strobel in Australien

Die damals 25 Jahre alte Erzieherin aus Unterfranken war gemeinsam mit ihrem 24-jährigem Freund mit einem Working-Holiday-Visum in Australien unterwegs. Zum Zeitpunkt ihres Todes Anfang 2005 hatten die beiden den Kontinent bereits monatelang mit einem Wohnmobil bereits. Auch die Schwester des Freundes und ihr Partner hatten sich der Tour angeschlossen. Auf einem Campingplatz in Lismore im Ostküstenstaat New South Wales verschwand die junge Frau plötzlich. Sechs Tage später wurde ihre Leiche in der Nähe unter Palmwedeln gefunden. Untersuchungen ergaben, dass die Frau Opfer eines Verbrechens geworden war.

Nach dem gewaltsamen Tod gründete die Polizei vor Ort eine Ermittlungsgruppe und arbeitete auch mit der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft in Würzburg zusammen. Bei einer ersten Anhörung im Jahr 2007 hatte die australische Justiz die drei Mitreisenden als Verdächtige eingestuft, darunter vor allem ihren damaligen Freund. Da die Ermittler aber nicht genug Beweise vorlegen konnten, wurde keine Anklage erhoben.

2020 setzten die australischen Behörden eine Million australische Dollar (rund 685 000 Euro) für Hinweise zum Tod von Simone Strobel aus, mit denen die für die Tat Verantwortlichen verhaftet und verurteilt werden könnten. Dies sei ein Verbrechen, das viele Familien mit jungen Verwandten, die um die Welt reisen, verfolgt hat, hieß es damals von der Polizei. Nach der Aussetzung der Belohnung gab es auch neue Hinweise, eine für Februar 2021 angesetzte gerichtliche Anhörung wurde aber abgesagt.

Am Dienstag dann die überraschende Nachricht, dass Eingreiftruppen aus New South Wales den Mann in Western Australia festnahmen. Nach Informationen des Guardian könnte der 42-Jährige bereits am Mittwoch nach Sydney - der Hauptstadt von New South Wales - geflogen werden und dort am Donnerstag vor dem Ermittlungsrichter stehen. Welche neuen Erkenntnisse zur Festnahme des damaligen Freundes führten, blieb zunächst unklar.

Update vom 10.11.2020: Neue Hinweise nach Belohnung

Nach dem Aussetzten einer Belohnung über umgerechnet 600.000 Euro haben die australischen Ermittler neue Hinweise erhalten. Diese Erkenntnisse im Bundesstaat New South Wales seien nun Teil der laufenden Ermittlungen, sagte ein Sprecher der dortigen Polizei am Dienstag (10.11.2020).

Unabhängig davon bestätigte die Staatsanwaltschaft in Würzburg, dass mittlerweile die Ermittlungen gegen einen Beschuldigten eingestellt worden seien. Dabei handele es sich aber nicht um den Freund der Getöteten, der als Hauptverdächtiger gilt, sondern um einen Mitreisenden.

Einzelheiten zu den neuen Hinweisen im Fall von Simone Strobel wurden nicht bekannt

Die australischen Behörden hatten im Oktober eine Million australische Dollar für Hinweise zum Tod der jungen Frau ausgesetzt. Die umgerechnet etwa 600 000 Euro sollte es für Informationen geben, mit denen die Verantwortlichen des Verbrechens verhaftet und verurteilt werden könnten.

Einzelheiten zu den neuen Hinweisen aus Australien wurden nicht bekannt. Es könnte neue DNA-Untersuchungen und eine erneute Überprüfung von Beweisen geben, hieß es. Es handele sich um eine "interessante Entwicklung", sagte der örtliche Kriminalinspektor Grant Erickson der Zeitung Northern Star.

Verdächtiger wird von der deutschen Polizei nun als Zeuge klassifiziert 

Neben den neuen Hinweisen in Australien hätten die Behörden in Deutschland in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass eine bislang als verdächtig eingestufte Person nun als Zeuge klassifiziert werde, hieß es weiter. Auch diese Entwicklung werde von den Ermittlern in Australien überwacht. Die Polizei in New South Wales sei mit ihren deutschen Kollegen in ständigem Kontakt.

Zu den neuen Hinweisen aus Australien wollten sich weder die Staatsanwaltschaft noch die Polizei in Würzburg äußern. Die Ermittlungen gegen den einen Beschuldigten seien "unabhängig von der erfolgten Auslobung in Australien" eingestellt worden, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Ursprüngliche Meldung: 25-Jährige aus dem Kreis Würzburg in Australien tot aufgefunden

Simone lag auf einem Sportplatz weniger als 100 Meter vom Campingplatz entfernt, versteckt unter Palmblättern. Die Polizei in Richmond gründete eine Task Force, um den Fall in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei Würzburg sowie der Würzburger Staatsanwaltschaft aufzuklären. Ein Tatverdächtiger konnte bislang nicht gefasst werden.

Der Leiter der zuständigen Polizeibehörde in Australien, Scott Tanner, ist sicher, dass es in Australien und Deutschland Menschen gibt, die wichtige Informationen zu Simones Tod vorenthalten: "Wir wissen, die Wahrheit ist da draußen, und wir wissen, dass es dort Menschen gibt, die sie zurückhalten."

Die Regierung von North South Wales hat nun eine Belohnung von einer Million australischer Dollar - umgerechnet etwa 600.000 Euro - für Informationen ausgeschrieben, die zu einer Verhaftung und Verurteilung der Verantwortlichen führen.

600.000 Euro Belohnung für entscheidende Informationen ausgeschrieben

"Seit 15 Jahren ist die Polizei fest entschlossen, die Wahrheit darüber aufzudecken, was mit Simone passiert ist. Sowohl die Gemeinde in Lismore, als auch ihre Angehörigen in Deutschland, verdienen Antworten", so der Minister für Polizei und Katastrophenschutz, David Elliott.

Auch die Bayerische Kriminalpolizei hat 2014 eine Belohnung von 10.000 Euro für entscheidende Hinweise ausgelobt. Wie der Mitteilung der australischen Polizei zu entnehmen ist, gilt diese auch heute noch.