Der Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz soll mehrere Schülerinnen im Rahmen seiner Trainertätigkeit sexuell missbraucht haben.

In einem Bericht vom Spiegel wurde dem 43-Jährigen sexuelle Übergriffe gegen junge Schwimmerinnen vorgeworfen. Nun fordert der Deutsche Schwimm-Verband eine Aufklärung.

Schwimm-Lehrer stand bereits 2010 unter Verdacht

Gegen den Trainer wurde bereits 2010 wegen des Verdachts der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen ermittelt, wie der Focus schreibt. Damals bestritt er die Vorwürfe und das Verfahren wurde gegen Geldauflage eingestellt. Im Vorfeld gab es einen privaten Täter-Opfer-Ausgleich. Ein anderes Verfahren gegen Stefan Lurz wegen Beleidigung und sexueller Nötigung wurde 2019 wegen Verjährung eingestellt.

Lurz trat freiwillig von seinem Amt als Trainer zurück, bestreitet aber die Vorwürfe. Der Verband hat nun interne Ermittlungen eingeleitet. Die Schwimmerin Sarah Köhler und der Wasserballer Tobias Preuß haben als Athletensprecher im Deutschen Schwimm-Verband Aufklärung gefordert. 

"Jegliche Form von Gewalt und Missbrauch von Macht hat in keiner gesellschaftlichen Schicht, in keiner Position und auch sonst an keiner Stelle einen Platz in unserer Gesellschaft und in unserem Verband", hieß es in einer vom DSV am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme. "Ganz besonders im Umgang mit Kindern und Minderjährigen ist ein solches Verhalten in besonderem Maße verwerflich, unmoralisch, unethisch und aufs Schärfste zu verurteilen. Wir fordern deshalb im Namen aller Aktiven eine vollumfängliche und unabhängige Aufklärung jeglicher Verdächtigungen seitens der Justiz und des DSV."

"Wir müssen Vorbilder sein"

Köhler, die bei der vergangenen WM Silber über 1500 Meter Freistil sowie Gold mit der Freiwasser-Staffel gewann, und Preuß ermutigten Athleten, "die sich heute oder in der Vergangenheit Gewalt, Machtmissbrauch oder Grenzüberschreitungen ausgesetzt gefühlt haben, sich zu wehren". Jeder, der Hinweise zur Aufklärung eines Falles habe, solle Kontakt zum DSV oder einer anderen Beratungsstelle aufnehmen. "Habt keine Angst, dass ihr hierdurch Nachteile in eurer Karriere oder in welcher Form auch immer bekommen könntet – dem ist nicht so. Wir müssen als Athletinnen und Athleten Vorbilder sein und dürfen sexualisierter Gewalt in unserem Verband keine Chance geben!"

Außerdem in Würzburg: Angeklagter gesteht Vergewaltigungen und heimlich gedrehte Videos