"Es ist schade für Andreas und es ist schade für Gemünden", sagte Bürgermeister Jürgen Lippert am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Sänger Kümmert kommt aus dem unterfränkischen Gemünden am Main im Landkreis Main-Spessart.

"Ich hatte schon zu meiner Frau gesagt: "Wir fahren nach Wien. Soweit kommt es nun doch nicht", sagte der 48-Jährige weiter. Kümmerts Entscheidung sei für ihn aber nicht ganz unerwartet gekommen. "Er ist immer wieder für eine Überraschung gut. Er ist einfach so. Und so überraschend, wie seine Entscheidung war - irgendwie passt es trotzdem."


Verständnis von Max Mutzke
Der Sänger Max Mutzke (33) hat nach dem Eklat beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (ESC) Respekt vor der Absage des Gewinners Andreas Kümmert. "Das ist eine krasse Entscheidung", sagte Mutzke am Freitag in seinem Heimatort Waldshut-Tiengen im Schwarzwald der dpa. "Ich kann sie nachvollziehen, weil der Druck hinter den Kulissen enorm groß ist." Gleichzeitig sei es schwierig, weil eine Absage immer auch das Publikum enttäusche. "Ich hätte damals nicht absagen können, weil ich einfach zu neugierig war."

Mutzke nahm 2004 für Deutschland am Eurovision Song Contest teil. Seitdem arbeitet er als Profi-Musiker. Ende Mai bringt er sein neuen Soul-Album auf den Markt. Bereut habe er seine ESC-Teilnahme nicht, sagte Mutzke: "Aber danach war es wichtig, neue Wege zu gehen."

Kümmert, der am Donnerstagabend vom Publikum zum Sieger bestimmt worden war, hatte am Ende der ARD-Show "Unser Song für Österreich" die Teilnahme am ESC-Finale ausgeschlagen. Damit wird die Zweitplatzierte Ann Sophie Deutschland am 23. Mai in Wien singen.


Joy Fleming ist enttäuscht
Die deutsche Soulsängerin Joy Fleming (70) hat sich enttäuscht über den Rückzieher von Andreas Kümmert beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (ESC) geäußert. "Ich denke, dass der junge Mann ganz toll gesungen hat", sagte sie am Freitag in ihrem Wohnort Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) der dpa. "Ich wäre stolz gewesen, wenn er für Deutschland angetreten wäre."

Kümmert hat aus ihrer Sicht kalte Füße bekommen. "Vielleicht kam er mit den ganzen gestylten Leuten, die da rumlaufen, nicht klar. Das war wohl etwas zu viel für ihn." Sie habe sich von Kümmerts Entscheidung wie vor den Kopf gestoßen gefühlt, sagte Fleming, die 1975 selbst beim Grand Prix angetreten war. Kümmert war vom Publikum zum Sieger bestimmt worden, schlug aber am Donnerstag am Ende der ARD-Show "Unser Song für Österreich" die Teilnahme am ESC-Finale aus.


Heißes Thema im Netz
Auch im Internet wird Kümmerts Rücktritt vom ESC diskutiert. "Wieso ist er denn überhaupt angetreten", war ein häufig zu lesender Kommentar in den sozialen Netzwerken, kurz nachdem er seine Entscheidung verkündet hatte, "hätte er sich das nicht vorher überlegen können" ein anderer. Er habe anderen Künstlern die Chance genommen, am Vorentscheid teilzunehmen, fanden User. Die Internetseite des Sängers,  http://www.andreas-kuemmert.de /, war am Freitag stundenlang nicht zu erreichen.

Fans aus Franken machten auf Facebook ihrem Ärger Luft, dass sie an der Telefonabstimmung teilgenommen hatten, und Kümmert dieses Engagement nun wertlos mache. Viele zollen ihm online allerdings auch Respekt: Auf Kümmerts privater Facebook-Seite finden sich zahlreiche Kommentare, die ihn unterstützen. "Mutige Entscheidung", heißt es da, "du bist ein echter Rock`n`Roller" und "lass dich jetzt bloß nicht runterziehen."


Eine Auswahl von Online-Reaktionen gibt es hier: