Nach Schiedsrichter-Fehlentscheidungen gegen die Würzburger Kickers in der 2. Bundesliga will die Online-Druckerei Flyeralarm ihre Verträge mit dem Deutschen Fußball-Bund kündigen. Das teilte Firmenchef Thorsten Fischer nach dem 1:1 der Kickers gegen den 1. FC Nürnberg am Sonntag mit. "Nach heute elf spielentscheidenden Fehlentscheidungen kündige ich auf diesem Wege vorab in mündlicher Form - mit aller Gelassenheit und ohne Emotionen - sämtliche Verträge mit dem DFB. Dies betrifft mein komplettes Sponsoring für die Nationalmannschaft und den DFB", hieß es in einer Mitteilung.

Flyeralarm ist Hauptgeldgeber bei den Würzburger Kickers und daneben unter anderem Namenssponsor der Frauen-Bundesliga. Dieses Engagement wurde bis 2022/23 vereinbart. "Das Thema Frauen-Bundesliga, und das möchte ich explizit betonen, betrachten und prüfen wir separat", sagte Fischer laut einer weiteren Mitteilung. "Weil die Frauen in dieser männerlastigen Domäne DFB überhaupt nichts dafürkönnen. Flyeralarm hat weiterhin ein großes Herz für den Frauen-Fußball."

Ärger bei fränkischem Keller-Duell

Die Kickers hätten als Schlusslicht mit einem Erfolg gegen den Club aus Nürnberg wieder ernsthafter an die Rettung glauben können. Sie haben sechs Spiele vor Schluss sechs Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz - das aber mit einem Spiel mehr als Osnabrück.

Mehr noch als die Partie sorgte nach dem Schlusspfiff jedoch die Diskussion um Fehlentscheidungen für Aufsehen: Aktuell ging es um eine Szene, als Nürnbergs Verteidiger Lukas Mühl nach einem Foul gegen den durchgebrochenen Ridge Munsi nur Gelb und nicht Rot bekam (19.). "Das kann nur Rot sein", schimpfte Kickers-Sportchef Sebastian Schuppan danach bei Sky.

Zuvor hatte der Nürnberger Erik Schuranow (19) in der 5. Minute von einem Kickers-Patzer profitiert und sein zweites Saisontor erzielt. Weil der FCN viel zu passiv wurde, konnten die Kickers in der Schlussphase durch Lars Dietz ebenfalls per Kopf ausgleichen (78.).

Glaube an Seriosität verloren

Ob und wie für Flyeralarm ein Ende der anderen Sponsoren-Vereinbarungen möglich ist, war zunächst unklar. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur geht es dabei um Sponsorengelder in einem Volumen von knapp vier Millionen Euro, die die Druckerei vor allem für Bandenwerbung bei Länderspielen des DFB nun abziehen will.

"Ich habe den Glauben wie Hoffnung an eine Gleichbehandlung und seriöses Geschäftsgebaren verloren", sagte Fischer. Die Würzburger hätten zwar spielerisch in der Saison oft nicht überzeugt. Daneben aber listete Fischer elf Aktionen in der Saison auf, in denen die Unterfranken benachteiligt worden seien. "Diese krassen, ich sage mittlerweile mutwilligen Fehlentscheidungen gegen uns, lassen mir für uns keine andere Wahl zu", hieß es.

Für Ärger hatte unter anderem am 21. Spieltag im Februar ein unberechtigter Foulelfmeter gegen die Würzburger beim 0:1 in Kiel gesorgt. Trotz Videobeweis blieb es bei der falschen Entscheidung des Referees, die später auch der DFB einräumte. Damals hätte es zu "einer Rücknahme des Strafstoßes kommen müssen", teilte der Verband mit.