Auch für viele Parteifreunde überraschend hat die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm am Mittwoch ihren Austritt bei den Grünen erklärt. Stattdessen will die 46-Jährige bald eine neue Partei für Bayern gründen. "Es ist an der Zeit: Bayern fehlt eine Kraft, die klar und deutlich für ihre Positionen, ihre Werte einsteht", schrieb die Tochter von Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) in einer am Mittwoch verbreiten Mail. "Der Schritt fällt mir nicht leicht, und es ist kein Schritt, der leicht sein wird. Ich weiß aber, es muss sein."

Die Grünen verlieren mit der gebürtigen Würzburgerin Stamm nicht nur eines ihrer bekanntesten Gesichter, sondern auch einen Sitz im Landtag. Bis zur Landtagswahl 2018 hat die Fraktion nun nur noch 17 Abgeordnete, da Stamm ihren Platz als parteilose Abgeordnete behalten möchte.

Für die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katharina Schulze, ein Unding: "Bei der Landtagswahl haben die Wähler 18 Grüne-Abgeordnete gewählt. Wir halten es für geboten, dass sie ihren Sitz zurückgibt." Generell bedauere die Fraktion die Entscheidung, gleichzeitig respektiere sie den Schritt aber natürlich auch.


Die Grünen verlieren ein bekanntes Gesicht

Claudia Stamm sitzt seit 2009 im bayerischen Landtag. Seit 2007 war sie Mitglied der bayerischen Grünen und gehörte bis zuletzt zu den profilierteren und bekannteren Abgeordneten. Sie hat sich aber immer wieder auch mit der jeweiligen Fraktionsspitze angelegt.

"Es ist kein Geheimnis, dass ich in den letzten Jahren oft nicht mit dem Kurs oder der Positionierung der Landes-, Bundesländer- oder Bundesgrünen übereingestimmt habe", schrieb Stamm selbst in ihrer Mail. "Diesen Kurs habe ich immer wieder versucht durch Anträge, öffentliche Diskussionsbeiträge oder in Gesprächen zu korrigieren." Sie habe lange mit sich gerungen, doch ihr fehle oftmals eine klare Positionierung der Grünen. "Ein Kurs, der so schwammig ist - mit dem kann ich nicht mitgehen."

Stamms Mutter wollte die Entscheidung nicht kommentieren: "Der Schritt ist eine persönliche Entscheidung und damit eine persönliche Angelegenheit von Claudia Stamm", sagte sie auf Anfrage der dpa.

"Claudia Stamm wird den Grünen fehlen", sagte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Da er nicht glaube, dass es einfach sein werde, eine neue politische Kraft zu etablieren, drohe der Landespolitik der dauerhafte Verlust einer selbstbewussten umweltpolitischen Stimme.