Für die Tötung seiner dementen Frau sollte ein 92-jähriger Mann nach Ansicht der Staatsanwaltschaft für zwei Jahre und neun Monate in Haft. Auch wenn der Angeklagte mit der jahrelangen nahezu alleinigen Pflege der Schwerkranken überfordert war, habe er nicht das Recht gehabt, das Leben der 91-Jährigen zu beenden, sagte Oberstaatsanwalt Thorsten Seebach am Donnerstag (12. November 2020) vor dem Landgericht Würzburg. Das hohe Alter der Frau ändere nichts am Recht auf Leben und der Menschenwürde.

Unter anderem wegen einer schweren Depression des Angeklagten und verminderter Schuldfähigkeit sei der Deutsche wegen Totschlags im minderschweren Fall zu verurteilen.

"Ich konnte meine Frau nicht mehr leiden sehen": 92-Jähriger erstickt sie - Urteil gefallen

Der 92 Jahre alte Ehemann ist nun zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Die Strafe wegen Totschlags in einem minderschweren Fall werde zur Bewährung ausgesetzt, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht Würzburg, Hans Brückner, am Donnerstag (12. November 2020). Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt. Zudem muss der Mann 10 000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Das Urteil gegen den Deutschen ist noch nicht rechtskräftig, die Verteidigung verzichtet aber auf Rechtsmittel. 

Der Angeklagte hatte gestanden, am 3. November 2019 seine demente und schwer kranke Frau mit einer Decke erstickt zu haben. Er bereue die Tat. Er habe die 91-Jährige jahrelang nahezu alleine zu Hause gepflegt und sei überfordert gewesen. "Im Laufe dieser Pflegezeit konnte ich meine Frau nicht mehr leiden sehen und musste sie irgendwie befreien von der Demenz und von allen Schwierigkeiten", sagte er. "Ich habe die Kontrolle wahrscheinlich verloren gehabt. Ich konnte nicht anders handeln." Das Paar aus Gemünden am Main (Landkreis Main-Spessart) war fast 70 Jahre verheiratet und hatte keine Kinder.