An der Pforte der Würzburger St. Josef Kirche ertönt die fröhliche Marschmusik eines Spielmannszuges. Der Boden unter den Füßen fängt an zu beben, als sich die Würzburger Ranzengarde in Bewegung setzt und durch den Mittelgang direkt hinter den Altar marschiert. Der Garde folgen Prinzenpaare verschiedener Gesellschaften - und ein Pfarrer. Wie in jedem Jahr feiern die Narren in Würzburg gemeinsam einen Gottesdienst.

Auch viele Menschen in Zivil sind am Donnerstagabend erschienen, die rund 900 Sitzplätze der Kirche sind gut gefüllt. Für Pfarrer Josef Treutlein sind Kirche und Fasching kein Widerspruch. "Das passt zu uns als Christen. Man kann viele ernste Themen ansprechen. Und es ist ja kein Ulk", betont der katholische Priester. So ausgelassen die Narren sein könnten, so ruhig und nachdenklich seien sie bei den wesentlichen Botschaften.


"Unsere Gesellschaft darf nicht auseinanderbrechen"


Das lässt sich auch im Faschingsgottesdienst beobachten. Der Theologe hält seine Predigt mit viel Witz und spricht dabei in Reimform. Er lässt sich aus dem Johannesevangelium inspirieren und zählt zum Beispiel alle Menschen zu den "Früchtchen" in Gottes Obstkorb, was unter den Besuchern für zahlreiche Schmunzler sorgt. Doch dann mahnt der Pfarrer mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte Respekt und Toleranz an. "Unsere Gesellschaft darf nicht auseinanderbrechen", lautet Treutleins Devise.

Eine ernste Botschaft im lustigen Gewand ist der Zweck des Faschingsgottesdienstes. Das erläutert auch Bruno Orlowski, federführender Organisator seitens der 1. Karnevalsgesellschaft Elferrat Würzburg. "Man sieht sich, trifft sich, kann seinem Glauben nachgehen." Für viele Narren spiele der Glaube eine wichtige Rolle. Heuer sind Mitglieder aus zwölf verschiedenen Gesellschaften der Region dabei, die zu den Beiträgen eines Gospelchors kräftig mitklatschen, schunkeln und mitsingen.


Positive Resonanz

Auch die Resonanz aus der Bevölkerung ist positiv. "Es ist wirklich schön, einfach weil eine fröhliche Stimmung ist", bestätigt ein 27-jähriger Würzburger. Auch Organisator Orlowski betont: "Die Leute sind hellauf begeistert." Viele würden sich jeden Sonntag einen solch lustigen Gottesdienst wünschen. Dass Spaß, Humor und Besinnlichkeit in der Kirche ankommen, zeigt sich auch an den Besucherzahlen. Bislang feierten die Narren ihren Gottesdienst hauptsächlich im Würzburger Neumünster. Doch in diesem Jahr mussten sie aus Platzgründen in die deutlich größere Kirche St. Josef umziehen.

Die Region um Würzburg gilt in Franken als närrische Hochburg. Direkt neben der Residenzstadt - im benachbarten Veitshöchheim - wird seit mehr als 20 Jahren die Live-Show "Fastnacht in Franken" vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet - ein verlässlicher Zuschauermagnet des Senders.

Auch der Faschingsgottesdienst hat sich längst als Institution etabliert. Bereits seit 1992 organisiert der Elferrat den jährlichen Gottesdienst. "Wir wollen während des Karnevals die Gemeinschaft teilen, gerade mit all den anderen Karnevalsgesellschaften zusammen", erläutert Orlowski. Gemeinsam feiert es sich einfach besser.