Update vom 26.09.2018, 16.37 Uhr: Abkochgebot muss weiter aufrechterhalten werden

Aufgrund der aktuell vorliegenden Ergebnisse der mikrobiologischen Trinkwasser-Untersuchungen vom Montag am Hochbehälter Zellingen muss das Abkochgebot für alle betroffenen Gemeinden weiter aufrechterhalten werden. Dies sind im Landkreis Würzburg Eisingen, Erlabrunn, Helmstadt mit Holzkirchhausen, Hettstadt, Höchberg, Kist, Leinach, Neubrunn mit Böttigheim, Thüngersheim, Uettingen, Waldbüttelbrunn mit Roßbrunn und Mädelhofen sowie im Landkreis Main-Spessart Retzbach mit Zellingen.

In der Probe vom Montag wurden zwei Kolonien Enterokokken festgestellt. Dieser positive Befund wird nun vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) weiter analysiert. Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden diese veröffentlicht.

Wie gestern beim Gespräch mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden und beim gestrigen Pressegespräch erläutert, kann das Abkochgebot erst bei konstantem Vorliegen eines ausreichenden Chlorgehaltes sowie konstant unauffälligen mikrobiologischen Befunden aufgehoben werden.

Dies ist nun nicht wie noch gestern erhofft der Fall. Sicheres Trinkwasser ist jedoch oberstes Gebot, deshalb müssen die Behörden auf dem Abkochgebot bestehen.

Update vom 21.09.2018, 16.08 Uhr: Abkochen bis nächste Woche - woher kommen die Keime?

Die Gesundheitsämter Main-Spessart sowie Stadt und Landkreis Würzburg haben mit der Fernwasserversorgung Mittelmain (FWM) einvernehmlich die weiteren Maßnahmen festgelegt, um das Abkochgebot baldmöglichst aufheben zu können. Das teilten die beiden Landratsämter sowie die Fernwasserversorgung Mittelmain in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

Notwendig sei die Fortsetzung der Chlorung, um die Keimbelastung nachhaltig auszuschalten. Aufgrund des sehr weit verzweigten Leitungsnetzes bedarf es hierfür zum Schutz der Bevölkerung leider "eines längeren Zeitraums". Bereits tags zuvor wurde bekannt, dass das Abkochgebot noch bis in die nächste Woche hinein aufrecht erhalten werde.

Erste Ergebnisse der Trinkwasser-Untersuchungen in der kommenden Woche

Zusätzlich werde das Trinkwasser täglich umfangreich auf Bakterien untersucht. Im Laufe der kommenden Woche werden erste Ergebnisse erwartet.

Für sicheres Trinkwasser ist es weiterhin erforderlich, das Abkochgebot in den betroffenen Gemeinden (Eisingen, Erlabrunn, Helmstadt mit Holzkirchhausen, Hettstadt, Höchberg, Kist, Leinach, Neubrunn mit Böttigheim, Thüngersheim, Uettingen, Waldbüttelbrunn mit Roßbrunn und Mädelhofen) voraussichtlich bis in die nächste Woche hinein aufrechtzuerhalten.

Erst bei konstantem Vorliegen eines ausreichenden Chlorgehaltes sowie konstant unauffälligen mikrobiologischen Befunden im Ortsnetz der jeweiligen Gemeinden kann das Abkochgebot aufgehoben werden, heißt es in der Pressemitteilung.

Ursachenforschung: Woher kommen die Keime?

Parallel läuft derzeit die Ursachenforschung in Zusammenarbeit mit den Behörden und Fachinstituten auf Hochtouren. Noch konnte der Grund für die Keimbelastung nicht gefunden werden.

Die Hotline des Gesundheitsamtes Würzburg ist weiter unter der Telefonnummer 0931/8003-5984 am Samstag und Sonntag jeweils von 9 bis 14 Uhr für Fragen erreichbar.

Update vom 20.9.2018, 16:03 Uhr: Abkochgebot für Trinkwasser im westlichen Landkreis Würzburg bleibt weiter bestehen

Das Landratsamt Würzburg meldet, dass das Trinkwasser in einigen Gemeinden weiterhin verunreinigt ist. Das Abkochgebot bleibt "bis in die nächste Woche hinein" bestehen.

Nach der Feststellung einer "geringfügigen Überschreitung des Grenzwertes für Enterokokken im Trinkwasser" bleibt das Abkochgebot in folgenden Gemeinden des Landkreises Würzburg voraussichtlich bis in die nächste Woche hinein weiterhin bestehen:

Eisingen, Erlabrunn, Helmstadt mit Holzkirchhausen, Hettstadt, Höchberg, Kist, Leinach, Neubrunn mit Böttigheim, Thüngersheim, Uettingen, Waldbüttelbrunn mit Roßbrunn und Mädelhofen.

Die Hotline des Gesundheitsamtes ist unter der Telefonnummer 0931/8003-5984 von Freitag bis Sonntag jeweils von 9 bis 14 Uhr für Fragen erreichbar.

Ursprüngliche Meldung: Trinkwasser in Gemeinden in Unterfranken mit Fäkalkeimen belastet

Edith Franz aus Leinach ist sauer. Sie gehört zu den knapp 50.000 Betroffenen im westlichen Landkreis Würzburg sowie im Landkreis Main-Spessart, die ihr Leitungswasser seit einigen Tagen abkochen müssen, weil es mit Fäkalkeimen verunreinigt ist. Die wiederum können Übelkeit und Durchfall auslösen.

Trinkwasser in Unterfranken: Viele Gemeinden weiterhin betroffen

Franz wirft der Kommune vor, ihre Bürger nicht sofort und ausreichend über die akute Gefahr informiert zu haben. Die Ursache ist noch immer nicht gefunden worden, aktuell versuchen Experten mit entsprechenden Mengen Chlor die Bakterien in den Griff zu bekommen. In der Gemeinde Zell (Landkreis Würzburg) ist das gelungen, dort wurde das Abkochgebot am Dienstagabend aufgehoben.

Trinkwasser verunreinigt: Edith Franz erfuhr nur durch Zufall von der Gefahr

Die Warnung war am Freitag um 14 Uhr an die örtliche Presse gegeben worden. Weil Edith Franz aus Leinach zu dieser Zeit weder Radio hört, noch im Internet surft, erfuhr sie erst am Samstag durch einen zufälligen Anruf ihrer Kinder aus München von der Gefahr aus ihrem eigenen Wasserhahn. Ihre Familie habe derzeit Durchfall, ebenso die Nachbarn. Ob es mit dem Wasser zu tun hat, ist unklar. Sie solle sich an ihren Hausarzt wenden, habe ihr der Ansprechpartner der Hotline des Gesundheitsamtes gesagt, als sie nach unzähligen Versuchen endlich jemanden an die Strippe bekam.

Edith Franz ist mit ihrem Ärger nicht allein. Auch Bewohner anderer Gemeinden sind sauer. Viel zu spät und ungenügend seien sie über die Gefahr informiert worden. Weder habe es am Freitag Lautsprecherdurchsagen oder Warnungen per Handzettel gegeben, heißt es auch in Höchberg. Dort sind bislang mehr als 60 Beschwerden bei der Gemeinde eingegangen. Bürgermeister Peter Stichler bestätigt, dass er und seine Mitarbeiter teils massiven Vorwürfen ausgesetzt seien.

Angst vor Hysterie: Keine öffentlichen Trinkwasser-Warnungen

Stichler hatte bereits Freitagnachmittag über eine Mail des Betreibers Kenntnis von dem verunreinigten Wasser, hat sich aber gegen eine Lautsprecherdurchsage mittels Feuerwehrwagen entschieden. "Ich hatte doch keine weitergehenden Informationen oder klare Anweisungen von der Fernwasserversorgung oder dem Landratsamt, was zu tun ist", so der Bürgermeister. "Da verbreiten wir doch Hysterie, wenn wir durch die Gemeinde fahren und sagen, dass das Wasser verunreinigt ist."

Zudem sei er lediglich von der zuständigen Fernwasserversorgung Mittelmain und auch nur per Email informiert worden. "Wenn ich nicht auch am Wochenende arbeiten würde, hätte ich gar nichts gewusst." Heute, so sagt er, sei ihm klar, dass die Anordnung einer Lautsprecherfahrt eine gute Möglichkeit gewesen wäre, auch jene Bürger schnell zu erreichen, die nicht Radio hören oder in sozialen Netzwerken unterwegs sind. Er könne verstehen, dass die Bürger empört seien.

Stichler fordert von den zuständigen Behörden Gespräche ein. Die Erstellung eines Masterplans sei dringend notwendig. "Ich möchte wissen, wie wir künftig in solchen Fällen agieren sollen. Dazu braucht man schnelle und klare Anweisungen von den zuständigen Behörden." Das Gesundheitsamt hatte erst am Montagmittag den Feuerwehren der betroffenen Gemeinden eine entsprechende Datei für Lautsprecheransagen zur Verfügung gestellt. Reiner Reichert, Geschäftsleiter der Gemeinde Leinach, betont, dass man am Freitag vom örtlichen Feuerwehrkommandanten und der Feuerwehrführung im westlichen Landkreis noch die Auskunft bekommen habe, dass keine zusätzliche Benachrichtigung der Bevölkerung angeordnet werde.

Beschwerden: Trinkwasser-Hotline nur zeitweise erreichbar

"Verunreinigtes Trinkwasser ist alles andere als harmlos! Nur weil Freitag ist und die Behörden mittags Schluss machen, kann das ja wohl nicht bedeuten, dass Gefahrenlagen danach einfach nicht kommuniziert werden", äußerte sich eine Leserin. Tatsächlich war die Hotline laut Gesundheitsamt am Freitag nur von 18 bis 20 Uhr und am Samstag von 10 bis 12 Uhr besetzt. Seit Montag ist sie durchgängig erreichbar.

Die Verunreinigung des Wassers war am Freitagvormittag im Trinkwasserlabor der Fernwasserversorgung Franken (FWF) entdeckt worden, die für den Zweckverband Fernwasserversorgung Mittelmain (FWM) die technische Betriebsführung übernommen hat.

Da bei Enterokokken eine Meldepflicht besteht, wurden die Gesundheitsämter im Landkreis Würzburg und Main-Spessart informiert. "Alle Verantwortlichen haben sich sofort an einen Tisch gesetzt", sagt Eva von Vietinghoff-Scheel, die stellvertretende Werkleiterin des Zweckverbands. "Noch während der Besprechung mit den Gesundheitsämtern und der technischen Betriebsführung der FWF ging die erste Pressemitteilung an die lokale Presse, ans Radio und an die betroffenen Gemeinden."

Um die Bevölkerung in den nächsten Tagen besser zu informieren, verwendet das Landratsamt Würzburg nun die Warn-App "Katwarn". Die versteht sich eigentlich als ergänzendes Warninstrument des Katastrophenschutzes, kann aber auch zur Informationsstreuung genutzt werden.

Von Angelika Kleinhenz, Melanie Jäger und Ernst Lauterbach