Vor zwei Jahren kam mit "Blood of the Nations" raus, Euer erstes Album ohne Sänger Udo Dirkschneider. Entgegen aller Unkenrufe wurde es einer der größten Erfolge der Accept-Geschichte. Wie unterscheidet sich das neue Album davon?
Wolf Hoffmann: Wir wollten nichts völlig anderes, sondern ein würdiges Nachfolgewerk liefern. Ich glaube, es ist gelungen. Die Kritiken waren fantastisch. Jetzt müssen wir sehen, wie's bei den Fans ankommt - wir freuen uns drauf: wieder mit den Leuten zusammen kommen, wieder auf Tour. In Geiselwind hatten wir letztes Jahr einen tierisch geilen Auftritt. Das Publikum hat von vorn bis hinten mitgesungen. Mal sehen, wie sie am Wochenende reagieren. Das neue Album ist im gleichen Stil wie "Blood of the Nations", gleicher Produzent, gleiche Besetzung.

Also wieder klassische Metal-Hymnen?
Absolut. Mit Backing Vocals, heavy Gitarrenriffs und allem, was zum klassischen Heavy Metal gehört.

Du stehst nicht nur auf klassischen Heavy Metal, sondern auch auf klassische Musik.
Ja, ich bin Klassikfan. Schon immer gewesen. Ich habe eine Vorliebe für gewisse Komponisten: Tschaikowsky, Beethoven. Aber ich hör' auch andere. Wie Mozart. Ich bin ein Laie, finde klassische Musik aber total inspirierend. Es gibt gewisse Stilmittel, die funktionieren in der Klassik wie im Metal: Beides hat Dynamik, Theatralik.

Wie komponiert Ihr?
Wenn ich komponiere, baut alles auf den Gitarrenriffs auf. Man arbeitet an coolen Riffs, am Rhythmus, erst dann überlegen wir, worüber der Song gehen könnte. Ganz selten ist es umgekehrt, dass wir erst die Geschichte haben und dann die Musik schreiben. Bei "Stalingrad" war's zum Beispiel so: Wir dachten, das ist eine klasse Story, irre - darüber wollen wir einen Song schreiben.

Warum Stalingrad?
Warum nicht? Es ist eine faszinierende Geschichte. Mit dem ganzen Schrecken des Ereignisses ist es eines der herausragendsten Ereignisse der letzten 100 Jahre.

Ihr habt viele Fans in Russland. Spielte das eine Rolle?
Indirekt. Wir hätten den Song auch gemacht, wenn das Ereignis in Frankreich oder Italien passiert wäre. Dass wir in Russland seit einigen Jahren ziemlich angesagt sind, ist Zufall. Obwohl - die russische Seele ist uns artverwandt und musikalisch ganz nah.

Musikalisch ganz nah an der russischen Seele? Wo? Wie?
Das ist über Jahrhunderte entstanden. Tschaikowsky ist Russe, einer meiner Lieblingskomponisten. Der russische Musikgeschmack, die Strukturen, sind den deutschen sehr ähnlich.

Im deutschen Metal seid Ihr ein Klassiker. Sagen wir mal irgendwo zwischen den Scorpions und Rammstein - wo würdest du Accept da einordnen?
Ach, uns gibt's ja schon so viele Jahre. Ganz früher, als die New Wave of British Heavy Metal Anfang der 80er über Europa schwappte, waren wir hier die Gründer des Heavy Metal. Die Scorpions sind ja eher im Bereich des Hard Rock. Rammstein kamen viele Jahre später.

Euer "Balls To The Wall" kam im Soundtrack des Mickey Rourke-Films "The Wrestler" vor - typisches Beispiel für reinen Heavy?
Das war super. Einer dieser Zufälle, die's im Leben so gibt. Der Film spielt in den 80ern. Damals war Heavy Metal super angesagt, auch in den USA. Und der Hauptcharakter ist ein Metalfan, da passt's natürlich, dass auch Metalbands vorkommen. Der Verlag hat bei uns angefragt, das hat uns tierisch gefreut.

Als der Film in die Kinos kam, war der Metal gerade wieder populärer geworden. Da hat sich in den letzten Jahren einiges getan, oder?
Ja, ja, seit ein paar Jahren ist Metal wieder populär - speziell bei den Jüngeren. Wir haben so viele Junge im Publikum. Die kamen alle erst auf dem zweiten Bildungsweg zum Metal.

Aber auch die Musikindustrie hat sich ziemlich verändert.
Illegale Downloads sind für alle Künstler ein Problem. Wir müssen neue Wege finden, Musik zu vermarkten. Die Sachen, auf die man sich immer verlassen konnte, verschwinden über Nacht. Immer mehr Plattenläden machen dicht. In den USA gibt es kaum noch welche. Zum Glück ist der Metalfan im Umgang mit der Musik sehr bewusst, altmodisch. Der will eine CD.

Ihr seid selbst nicht mehr die Jüngsten. Wird so 'ne Tour nicht irgendwann zu anstrengend?
Wir sind ja nicht Mötley Crüe, wo zuerst der Lifestyle kommt: Sex and Drugs and Rock 'n' Roll. Wir waren nie eine Partyband. Wir waren ein paar musikbegeisterte Teenager - und sind es im Herzen immer noch. Wir machen's aus Freude an der Musik. Wenn man ein bisschen auf sich achtet, geht das schon.

Was tust du für deine Gesundheit?
Gesunde Ernährung ist wichtig, gerade unterwegs. Und Sport. Gymnastik und was man sonst so macht. Die meisten Hotels haben ja einen Fitnessraum, da kann man in die Tretmühle. Man muss sich gesund halten. Das machen wir alle.

Die Fragen stellte Natalie Schalk.

Accept in Geiselwind

Samstag, 14. April in der EventHalle Geiselwind:
Vorverkauf 31,50 €
Abendkasse 35,00 €
ab 18:30 Uhr Einlass
ab 19:45 Uhr Vorband "Hell"
ab 21:00 Uhr "Accept"