Im Kampf gegen das Wildschwein werden bayerische Jäger möglicherweise in Kürze zu einem militärischen Hilfsmittel greifen dürfen. Auf Antrag der CSU stimmte der Agrarausschuss des Landtags am Mittwoch dafür, "in besonderen Problemregionen" die Installation von Nachtzielgeräten und Lampen auf den Jagdgewehren zu erlauben - "für eine ausgewählte, besonders geschulte Personengruppe zur Bejagung von Schwarzwild".

Mit "besonderen Problemregionen" sind diejenigen Gegenden gemeint, in denen die Wildschweine sich besonders stark vermehrt haben und Schäden in der Landwirtschaft anrichten. Wildschweine waren früher in Bayern weitgehend auf Spessart, Rhön und andere Waldgebiete in Franken beschränkt. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges haben sie sich aber flächendeckend nach Süden ausgebreitet.


Ein ewiger Streit zwischen Bauern und Jägern

Das verursacht Kollateralschäden auf mehreren Ebenen: Viele Bauern klagen seit Jahren über gefräßige Schweine. Das Wildschweinproblem ist deswegen auch Streitthema zwischen Bauern und Jägern. Erstere beschuldigen die Letzteren, zu wenig Sauen zu schießen. Der Bayerische Jagdverband wiederum - geleitet vom früheren CSU-Politiker Jürgen Vocke - lehnt bisher Nachtzielgeräte als "nicht waidmännisch" ab.

Der Beschluss des Agrarausschusses bedeutet nicht, dass die Jäger ab sofort Nachtzielgeräte aufschrauben dürften. Denn nach dem Waffenrecht ist Privatleuten die Verwendung von Nachtsichtgeräten verboten. "Die Genehmigung muss vom Bundeskriminalamt kommen", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Herrmann hat keine Sicherheitsbedenken - der Innenminister hält das Risiko für sehr gering, dass Jäger die Nachtsichtgeräte für kriminelle Zwecke nutzen könnten. "Ich habe da keine Probleme", sagte er.

"Wir gehen davon aus, dass wir noch in diesem Jahr in die Umsetzung kommen", sagte Angelika Schorer (CSU), Vorsitzende des Agrarausschusses. Es gehe nicht um eine generelle Freigabe, sondern um "schwierige Situationen" mit Wildschweinen. "Wir wollen keine Waffengesetzänderung, und wir wollen auch keine Änderung des Jagdrechts", betonte die Allgäuer CSU-Politikerin.

Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger - selbst passionierter Jäger - erwartet nicht, dass Nachtzielgeräte das Wildschweinproblem lösen. "Sie sind nicht das Allheilmittel, um die Zahl der Wildschweine merklich zu reduzieren."