Eine Frau aus Gunzenhausen hatte Mitte März ein schweres Verbrechen bei der Polizei gemeldet: Mehrere Männer hätten sie entführt und sexuell missbraucht. Nach umfangreichen Ermittlungen hat die Kriminalpolizei herausgefunden, dass die Tat so nicht stattgefunden haben kann.

Am Donnerstag (31. März 2022) gab das Polizeipräsidium Mittelfranken neue Details zu dem Fall bekannt.

Update vom 31.03.2022: Überfall fand offenbar nicht statt, wie geschildert

Nachdem ein Fall von Entführung und sexuellem Missbrauch in Gunzenhausen bei der Polizei gemeldet wurde, liefen bei der Kriminalpolizei Ansbach umfangreiche Ermittlungen. Die Beamten führten zahlreiche Vernehmungen, zum einen mit dem mutmaßlichen Opfer als auch Personen aus dem persönlichen Umfeld der Frau. Auch Zeugen im Bereich des Tatorts wurden befragt, wie das Polizeipräsidium mitteilte. 

Da die Geschädigte angegeben hatte, die Tatwohnung solle sich in der Nähe einer Tankstelle befinden, fuhren die Beamten in Begleitung der Frau sämtliche in Frage kommende Örtlichkeiten an um die Wohnung identifizieren zu können - ohne Erfolg.

Ebenso wurde eine rechtsmedizinische Untersuchung an der Frau durchgeführt, wobei keinerlei gefunden wurden, die auf eine kürzlich begangene Sexualstraftat schließen lassen würden. Wie zuvor berichtet wurde, hatte sie jedoch Verletzungen im Gesicht und am Körper. Schließlich kamen die Ermittler zu dem Ergebnis, dass der Vorfall, wie er durch das mutmaßliche Opfer geschildert wurde, so nicht stattgefunden haben kann.

"Es ist davon auszugehen, dass die Männer, die die Frau entführt und vergewaltigt haben sollen, nicht existieren", so die Polizei. Als Motiv für die ursprüngliche Anzeige vermuten die Beamten die psychische Verfassung der Frau. Die Kriminalpolizei hat keine Ermittlungen wegen Vortäuschens einer Straftat eingeleitet. Denn dafür sei es erforderlich, dass bewusst falsch ausgesagt wurde. "In vorliegendem Fall kann dies so nicht unterstellt werden."

Ursprüngliche Meldung vom 16.03.2022: Frau meldet Entführung und sexuellen Missbrauch

Bei einem schweren Überfall in Mittelfranken soll eine Frau von mehreren Männern angegriffen und anschließend sexuell missbraucht worden sein. Die Frau war wohl am Samstagabend (12. März 2022) in eine Wohnung verschleppt worden, wo sich die Männer an ihr vergingen. Nun sucht die Kriminalpolizei dringend nach den Tätern und hat zu diesem Zweck eine Personenbeschreibung veröffentlicht.

Gegen 18.20 Uhr lief die Frau im Gunzenhausener Gemeindeteil Frickenfelden einen Gehweg entlang. Dort wurde sie nach eigenen Angaben plötzlich von einem fremden Mann angegriffen und in ein Fahrzeug gezogen. In dem Wagen sollen sich zwei weitere unbekannte Männer befunden haben, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken berichtet.

Die drei sollen die Frau anschließend in ein bislang noch unbekanntes Haus beziehungsweise eine Wohnung gebracht haben. Dort wurde die Frau von den Männern geschlagen und massiv sexuell missbraucht, wie sie später bei der Polizei angab. Danach brachten sie ihr Opfer zurück zum Ausgangsort des Überfalls und setzten sie dort aus.

Eine Polizeisprecherin sagte auf dpa-Nachfrage zu dem Fall, eine solche Tat wäre höchst ungewöhnlich, und vieles sei noch unklar. Aber die Frau schildere den Vorfall sehr detailreich und habe auch dazu passende Verletzungen im Gesicht und am Körper. "Wir nehmen es definitiv ernst."

Ob alle drei die Frau vergewaltigt hatten, wollte die Polizeisprecherin nicht sagen. Auch zu weiteren Details hielt sie sich bedeckt. "Die Kollegen brauchen jetzt erstmal Zeit. Das sind umfangreiche Ermittlungen, die da anlaufen." Die Frau habe nur einen der Männer genauer beschreiben können, bislang gebe es noch keine Hinweise auf konkrete Verdächtige. Die Polizei sucht daher nun nach Zeugen.

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