Zelte, Sandspielzeug, ungeöffnete Lebensmittel: Am Brombachsee im Fränkischen Seenland haben Ausflügler und Urlauber in den vergangenen Jahren immer mehr Müll zurückgelassen, wie die Verantwortlichen des Zweckverbandes Brombachsee beklagen. Nun greifen die Politiker zu einem auf den ersten Blick ungewöhnlichen Mittel: Die Mülleimer rund um den See werden abmontiert.

Die Idee dahinter: Die Menschen sollen ihre Sachen, die sie mit zum Baden, Spazierengehen oder Sonnen an den See bringen, wieder mitnehmen und gar nicht erst in Versuchung kommen, sie in den Mülleimer zu werfen oder sogar einfach liegen zu lassen. Denn es droht eine Bußgeldzahlung.

Nur eine Lösung: Ein generelles Müllverbot

Nur eine große Lösung, nämlich ein generelles Müllverbot, sei zielführend, sagt der Chef des Zweckverbandes und Landrat von Weißenburg-Gunzenhausen, Manuel Westphal (CSU). "Ausnahmen wird es geben für Windeln, Zigarettenkippen und Hundekotbeutel. Auch im Bereich der in den Seezentren tätigen Gastronomie wird es Sonderlösungen für die Entsorgung der vor Ort gekauften Produkte geben."

2011 fielen am Ufer des Brombachsees knapp 48 Tonnen Müll an. 2020 waren es bereits mehr als 137 Tonnen, wie Westphal sagt. Die Art des Mülls habe sich zudem stark verändert, so blieben zum Teil sogar ungeöffnete Lebensmittel zurück oder auch Sandspielzeug oder Strandmuscheln. "Der entsprechende Unrat wird zum einen in die bereitgestellten Müllbehältnisse geworfen, bleibt aber vermehrt einfach auf der Fläche liegen."

Verschiedene Maßnahmen gegen das Müllproblem am Brombachsee:

Der Aufwand für die Mitarbeiter, gerade nach sonnigen Ferientagen am See aufzuräumen, sei immens. "Erscheint man nach solchen Tagen in den Morgenstunden am See, bietet sich ein unschönes Bild und zeigt, in welchem Maß Rücksicht auf unser höchstes Werbemittel - die intakte Natur - genommen wird."

Westphals Wunsch: Jeder Gast sollte den Strand so verlassen, wie er ihn gerne bei seinem nächsten Besuch vorfinden möchte. Doch nicht nur das zum Start der Saison 2022 geplante Abmontieren der Mülleimer soll helfen, die Umwelt rund um den See sauber zu halten. Zusammen mit der Gastronomie will der Zweckverband ein Pfandsystem für To-go-Waren einführen. Und: Man will bereits Kinder in der Schule und in Kindergärten mit Projekten für die Müllproblematik sensibilisieren.

Das Fränkische Seenland - gelegen im südlichen Mittelfranken - war im vergangenen Jahr ein äußerst beliebtes Ausflugsziel. "Im Jahr 2020 hat der Tagestourismus in den Sommermonaten stark zugenommen und konnte an einigen Wochenenden an gewissen Hotspots nur noch unter großen Anstrengungen gesteuert werden", sagt Hans-Dieter Niederprüm, Chef des Tourismusverbandes Fränkisches Seenland.

In diesem Jahr war der Ansturm bisher überschaubar. "Auch für die Ferien erwarten wir in diesem Jahr etwas Entspannung, da die traditionellen Urlaubsziele der Bayern wieder ansteuerbar sind und dies auch bei uns zu Entlastungen führen kann."

Damit der Ausflug ins Fränkische Seenland nicht schon an der Parkplatzsuche scheitert, wurde bereits im vergangenen Jahr eine Facebook-Seite "Parken im Fränkischen Seenland" gestartet. Hier wird in Abstimmung mit der Polizei darüber informiert, wenn Parkplätze überlastet oder gesperrt sind.

Corona-Pandemie: Mehr Menschen unternehmen Ausflüge in die Natur - und hinterlassen ihren Müll

Doch das Fränkische Seenland ist nicht die einzige Ausflugs- und Touristenregion im Freistaat, die mit einem großen Besucherandrang und zu viel Müll zu kämpfen hat. Schließlich sorgen die Corona-Einschränkungen seit mehr als einem Jahr dafür, dass viele Menschen statt Urlaubsreisen oder Kinobesuche Ausflüge in die Natur unternehmen. Es sind also auch schlichtweg mehr Menschen als sonst unterwegs.

"Ja, auch im Allgäu lassen leider Menschen ihren Müll einfach liegen", sagt etwa Simone Zehnpfennig, Sprecherin der Allgäu GmbH. Die genauen Gründe kenne man nicht: "Ob es an der lang geschlossenen Gastronomie liegt oder einfach am mangelnden Bewusstsein für eine sauber zu hinterlassende Landschaft, sei dahingestellt."

Einen wahren Run gibt es auch auf die bekannten Ausflugsziele in der Fränkischen Schweiz. "Der Besucheransturm ist momentan größer", sagt Matthias Helldörfer, Chef der Tourismuszentrale. Menschen, die ihren Müll einfach liegen ließen, seien zwar die Ausnahme, aber es ließe sich nicht verleugnen, dass es zu Problemen mit in der Landschaft entsorgtem Müll komme. Man stehe aber erst am Anfang der Ausflugs- und Urlaubssaison, auch sei das Wetter bis Ende Mai nicht gut gewesen. "Aber wir behalten das Thema im Auge", versichert er. So seien die vier Ranger des Naturparks regelmäßig unterwegs, um beispielsweise bei Wanderern das Thema Müll anzusprechen.

Banner und Flyer sollen zudem zu einen achtsamen Umgang mit der Natur animieren. Das diene auch als Signal für die einheimische Bevölkerung, sagt Helldörfer: Den Verantwortlichen in der Tourismus-Branche sei das Thema intakte Umwelt sehr wichtig.