Um den Wildwuchs und zuvorderst das ungezügelte Wachstum der Büsche zu begrenzen, sind erneut Ziegen auf der Mainleite. Quartier haben dort nach wie vor etwa 100 Wildschweine, die in der
Nacht vor der Ankunft der Hornträger die gerade erst aufgestellten Elektro-Weidezäune niedergemacht haben.

Die Zäune stehen wieder. Seit der letzten Woche im Juli lassen sich die Wiederkäuer das frische Grün schmecken, das es nach dem nassen Frühjahr in dem Bereich der ehemaligen Weinberge zwischen Schweinfurt und Schonungen in steiler Lage oberhalb des Mains gibt. Organisiert hat den Einsatz der Paarhufer wie schon im vergangenen Herbst der Verein "Mainleite Schweinfurt-Schonungen e.V.", dessen Mitglieder täglich nach den Tieren schauen und diese mit frischem Wasser versorgen.

Die drei Ziele der aktuell 115 Mitglieder sind: "Nachhaltige Stärkung des Bereichs als Naherholungsgebiet, die Pflege der Kulturlandschaft und die Wiederbelebung des Weinbaus" - womit auch das Versteckspiel der Wildsauen kräftig eingeschränkt wäre. Bei etwa 300 Grundstücken in zumeist privaten Händen zwischen Schweinfurt und über Schonungen hinaus hat sich der Verein einer gewaltigen Aufgabe verschrieben. Nach Anfangsschwierigkeiten lobt zweiter Vorstand Friedel Tellert die Stadt Schweinfurt für ihre Kooperationsbereitschaft.

Und so konnten jetzt die ersten 15 der alsbald 30 Ziegen den Kampf gegen die Verbuschung auf einem bereits im letzten Herbst gerodeten und beweideten Grundstück wieder aufnehmen. Mit der Stadt hatte man sich 2015 dieses Pilotprojekt ausgeguckt. Auch setzt das Umweltamt der Stadt auf die alljährliche Ziegenbeweidung auf dem eigenen Grund am Bismarck-Plateau (Aussichtsplattform).

Zehn Ziegen sind auf drei weiteren Grundstücken auf der Mainleite aktiv. Im Herbst soll die Entbuschung am Ludwigsbrunnen durch den Maschinenring Haßberge beginnen. 2017 wird dort ebenfalls die Ziege fressen. Weitere Projekte sind auf Landkreisgebiet vorgesehen. Die E-Zäune für diese Maßnahmen sind vom Verein und von der Stadt angeschafft.


Rund 20 Mitglieder halfen mit

Bei den Rodungen des Vereins auf den privaten Grundstücken haben immer um die 20 Mitglieder zugelangt. Anfangs wurde das Schnittgut abtransportiert. Auf der Steillage schnitten und sägten nur zwei Leute; die meisten Aktiven mussten Zweige, Äste und Stämme zum Weg auf der Mainleite wuchten. Jetzt hat die Stadt das Verbrennen des Schnittguts an Ort und Stelle und unter Aufsicht erlaubt. Die Brotzeit spendiert auch bei der weniger schweißtreibenden Arbeit der Wirt vom Schießhaus, der Grund auf der Mainleite besitzt und Mitglied ist.

Die Umgestaltung wird Jahre dauern. Wer sein Eigen vor den Sauen schützen will, muss noch längere Zeit zäunen und den Maschendraht mit Baustahlmatten verstärken. "Zwei Stunden Arbeit am Steilhang, dann bin ich platt", sagt Friedel Tellert, der den Eifer der Mitglieder und den des städtischen Bauhofs lobt. Die Arbeiter der Stadt haben jüngst den Jägerpfad, der auf halber Höhe durch die ehemaligen Weinberge führt, vom ausuferndem Bewuchs befreit. Auch hat der Bauhof die Sanierung von Treppen und Stützmauern entlang des Jägerpfades angekündigt.

Wie Tellert ist auch der Vorsitzende Jürgen Dahms mit dem Engagement der Mitglieder hoch zufrieden. Werde Wasser oder Strom gebraucht, helfe ein jeder aus. Der Zusammenhalt sei bestens. Kaum ein Anwohner mache nicht mit.

Der Winzer Dahms kündigt für 2017 die Anlage eines historischen Weinbergs auf der Mainleite an. Dort sollen auf zwei Terrassen fränkische Sorten aus der Zeit um 1900 wachsen. Das Grundstück werde ein Mitglied zur Verfügung stellen. Steine für den Terrassenbau sind vorhanden. Weinproben auf dem Bismarck-Plateau veranstalten die Gästeführer der Stadt bereits heute. Mehr Verantaltungen rund um den Wein, um den Silvaner und über die Stadtgeschichte regt der Vorsitzende an, der stolz auf die Mitglieder und die Sponsoren ist, die die nötigen Investitionen erst durch ihre Spenden ermöglicht hätten.

Schon bald soll ein alter Zaun am Jägerpfad in der Nähe der Aussichtsplattform aufgebaut werden, den Paare mit Vorhängeschlössern als Symbol für die ewige Liebe bestücken können.