In den Tagen davor hatte Lasse kaum noch gefressen, wacklig suchte er Halt an einem Baum, manchmal knirschte er mit den Zähnen. Er hatte Schmerzen. Als klar war, dass man ihm nicht mehr helfen konnte, entschloss sich Thomas Leier, der fachliche Leiter des Wildparks, in Absprache mit den behandelnden Tierärzten, Lasse einzuschläfern.


Der Liebling vieler Besucher

Sicher eine traurige Nachricht, denn Lasse war der Liebling vieler Besucher. Aber er hatte wohl, soweit sich das aus menschlicher Sicht sagen lässt, ein gutes Leben, er war viele Jahre gesund und kräftig. Und es gibt auch eine gute Neuigkeit: Seine Gefährtin Daya wird nicht lange alleine bleiben. Schon Anfang November soll ein Bullenkalb, das dieses Jahr im Tierpark Suhl geboren wurde, nach Schweinfurt kommen. Der Junge wird auch Lasse heißen.

Vielleicht klappt es ja dann auch mit dem lange ersehnten Nachwuchs. Daya jedenfalls scheint nicht um Lasse zu trauern. "Sie frisst ganz normal", sagt Thomas Leier. Die junge Elchdame kam 2012 in den Wildpark, nachdem Lasses erste "Frau" Lina im September 2011 gestorben war.

Ihr Tod war vermutlich der Auslöser für Lasses hormonelle Störung, die letztendlich Ursache für seinen Tod war. Bei gesunden Elchbullen wächst jedes Jahr ein neues Geweih, das nach der Brunft abgeworfen wird. Nach Linas Tod war dieser Zyklus bei Lasse gestört, sein Geweih wuchs ständig weiter, bildete blumenkohlförmige Gebilde, auch Perückengeweih genannt.

Das missgebildete Geweih ist, anders als das normale, stark durchblutet und juckt. Also scheuerte sich Lasse heftig, dabei bildeten sich offene Stellen, in die Fliegen ihre Eier legen konnten. Es kam zu einer Entzündung. Als Medikamente nicht mehr halfen, entschieden sich Leier und der behandelnde Arzt zu einer Operation, bei der das Geweih entfernt und Druckverbände angelegt wurden, um die Blutung zu stillen. Danach ging es Lasse auch wieder gut, er fraß und war munter. Bis letzte Woche, als er selbst seine Lieblingsspeise, frische Laubäste, die die Mitarbeiter alle zwei Tage aus dem Wald holen, nicht mehr anrührte.


Eine weitere Narkose hätte das geschwächte Tier wohl nicht mehr überlebt

Und ohne Narkose lässt sich ein 500 Kilogramm schwerer Elchbulle nun einmal nicht behandeln. Auch Cortison, verabreicht über das Narkosegewehr, half nicht mehr, sagt Thomas Leier. Also entschied man sich, seinem Leiden ein Ende zu setzen.

Weil der junge Bulle auch Lasse heißen wird, braucht der Wildpark nichts zu verändern. Selbst die Telefonansage auf dem Anrufbeantworter, bei der eine junge Stimme als "Elch Lasse" die Anrufer informiert, kann bleiben. Und die Elchkekse, das Elchbier und die Schilder mit dem Wappentier des Wildparks zeigen ohnehin irgendeinen Elch und nicht den guten alten Lasse.