Es riecht modrig an diesem Morgen am Ellertshäuser See. Am Steg ist die Wasseroberfläche grün marmoriert. Das sieht zwar fies aus, beunruhigt René Kirchner vom Gesundheitsamt
Schweinfurt aber nicht - ein kosmetisches Problem. Kirchner ist rausgefahren, um die Wasserqualität zu prüfen.

Regelmäßig testet er die Seen im Landkreis Schweinfurt, die als EU-Badegewässer der europäischen Badegewässerrichtlinie unterliegen. Sechs Mal während der Freiluftsaison von Mai bis September geht er auf Tour zu den vier EU-Gewässern rund um Schweinfurt: den Ellertshäuser See, den Sennfelder See, den See am Schweinfurter Kreuz und den Grafenrheinfelder Naturbadesee. Wie kommen diese Ergebnisse sie zustande?

Den Algenfilm erkennt Kirchner bei der "Sichtprobe" sofort. Sichtprobe, das bedeutet einfach, dass er nach offensichtlichen Verunreinigungen Ausschau hält. Ein Ölfilm zum Beispiel, oder mehrere tote Fische. Der grellgrüne Algenteppich ist laut Kirchner entstanden, weil es in den Wochen zuvor sehr heiß war, sich Algen stark vermehrt haben und es dann plötzlich deutlich abgekühlt hat. "Dann sterben die ab und treiben nach oben." Der Eindruck, dass extrem viele Algen im Wasser sind, ist also eigentlich genau falsch - es werden gerade weniger. "Ich bin fast überrascht, wie gut die Wasserqualität trotz des heißen Sommers geblieben ist."

Jetzt lässt Kirchner eine Messsonde zu Wasser, für Temperatur und pH-Wert. Am Nordufer misst das Gesundheitsamt zusätzlich, seit am neu gestalteten Ufer einiges los ist. Die offizielle Messstelle ist gegenüber. 21,9 Grad, pH-Wert 7,9 - vollkommen okay. "So zwischen 7,6 und acht ist normal."


Hilfsmittel aus dem Jahr 1865

Während sich die Messsonde einpendelte, hat er die Secchi-Scheibe ins Wasser gelassen. Das 1865 erfundene Hilfsmittel taugt noch immer, um die Sichttiefe zu messen. An einer Schnur baumelt eine weiße Scheibe. Genau die Tiefe, in der er die Scheibe gerade noch erahnt, notiert er als Sichttiefe. Der Wert ist unter anderem ein Algen-Indikator. Bei extrem geringer Sichttiefe würde Kirchner einen Extratest etwa auf Blaualgen machen.

Dann kommt das Wichtigste: die mikrobiologische Probe. In einer Kühlbox hat Kirchner sterile Fläschchen mitgebracht, vom bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Das Wasser muss auf intestinale Enterokokken und Escherichia coli getestet werden, also auf Darmbakterien. Werden sie nachgewiesen, deutet das auf Fäkalien im Wasser hin. In einem See, in dem auch Enten was fallen lassen, lässt sich das nicht ganz vermeiden. Es gibt strenge Grenzwerte, denn hohe Konzentrationen können krank machen. Die Ergebnisse stellt das Gesundheitsamt ins Internet, zusammen mit den "Badegewässerprofilen", eine Art Steckbrief jedes Sees mit möglichen Risiko-, also Verunreinigungsquellen. Das ist eine Vorgabe der EU-Richtlinie seit 2006. Erfreulich ist: Alle vier EU-Seen im Umkreis tragen das Siegel "Ausgezeichnete Badewasserqualität".

Kirchner öffnet das Fläschchen, er darf das Innere nicht berühren. Dann klemmt er es in einen Greifarm ein, der aussieht wie eine Müllzange, mit der man Kippenpäckchen aus dem Gebüsch fischt. "War es auch mal, eine Eigenentwicklung." Aus mindestens 30 Zentimetern Tiefe muss die Probe kommen, sie riecht kein bisschen modrig. Deckel drauf und rein in die Kühlbox. Die anderen Seen warten noch, danach geht es auf die Autobahn zum LGL-Labor, bis mittag muss er dort sein. Die detaillierten Ergebnisse kommen erst nächste Woche, eines ist zwei Tage später schon bekannt: Auch die Probe ist einwandfrei. Nike Bodenbach