Das älteste Walzenwehr der Welt steht unter der Maxbrücke an der Zufahrt zur Cramermühle. Im Januar hatte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt mit der Sanierung des technisches Denkmals begonnen. Jetzt sind die Stahlaufbauten sowie die Maschinen- und Elektrotechnik wieder fit für die kommenden Jahrzehnte. Nur die Walze selbst ist noch nicht ausgebessert und noch nicht schick gemacht. Die Walze wird erst in einem zweiten Bauabschnitt gerichtet. Da die Aufbereitung der Walze nicht dringlich ist, gibt es dafür noch keinen Termin.

Alte Walze ohne große Schäden

Die Sanierung in zwei Abschnitten lässt sich der Bund 850 000 Euro kosten. Dabei geht es mehr um die Denkmalpflege als um die Funktion. Keine andere Staustufe am Main hat einen solchen Grundablass, der vermutlich ausschließlich für die Trockenlegung des früheren Wehrs, das flussabwärts stand, gebaut worden war. Das Wasser des Mains konnte so vom Flussbett über die in der Höhe verstellbare Walze des Grundablasses in den Saumain umgeleitet werden.

Die Aufbauten und die Technik rund um die Walze wurden in den vergangenen Monaten komplett in die Einzelteile zerlegt. Anschließend wurde gesäubert und restauriert. Beschädigte Teile wurden ersetzt. Völlig neu sind die jetzt breiteren und damit den Sicherheitsvorschriften genügenden Treppen.

Beleuchtung für das Denkmal

Beim Pressetermin am Walzenwehr erklärte Amtsleiter Heinrich Schoppmann, dass der Begriff des Grundablasses aus dem Bereich des Talsperrenbaus komme und dort die Trockenlegung der Staumauer ermögliche, weshalb man auch bei dem Bauwerk an der Cramermühle von der gleichen Funktion ausgehe. Diese werde an der heutigen Staustufe nicht mehr unbedingt gebraucht, könne jedoch in seltenen Fällen nützlich sein. Die Hauptfunktion des Walzenwehrs, die Sperrung des Durchflusses vom Main in den Saumain (zwischen der Maininsel mit der Cramermühle und der Insel mit dem Tagungshotel) würde auch eine einfache Spundwand erfüllen.

Begeistert ist Schoppmann von der Qualität des knapp 120 Jahren alten Bauwerks. Damals habe man nicht alles ausgereizt und "noch echte deutsche Wertarbeit" geliefert, weshalb das Wehr nach der Sanierung seine Aufgaben noch Jahrzehnte erfüllen werde. Nach der Urlaubszeit wird im Oktober vor der Walze eine Spundwand eingezogen und anschließend das verstellbare Wehr im Rahmen einer Trockenübung getestet, ehe der Probebetrieb im Wasser die Alltagstauglichkeit bescheinigen soll.

Bestellt ist für den Herbst auch eine Beleuchtungsanlage, die das technische Bauwerk ab den Abendstunden und bis Mitternacht anstrahlen wird. Mit der Beleuchtung wird dann auf den in Schweinfurt gestarteten Siegeszug der Walzenwehre hingewiesen, die nach der Feuertaufe beim Grundablass und den ein Jahr später eingeweihten Walzenwehren im Main weltweit eingesetzt und zu einem großen Teil von deutschen Stahlfirmen produziert wurden.

Bedrohliche Wassermassen

Zwischen den Jahren 1870 und 1890 war es im Main mehrfach durch Eisstau zu schweren Eisabgängen mit einer plötzlichen Anhebung des Wasserspiegels um bis zu 290 Zentimeter gekommen. Die Wassermassen bedrohten daraufhin Schweinfurt und Sennfeld. 1898 schrieb die Stadt einen Wettbewerb aus für eine "Vorrichtung, die rasch und sicher funktionieren soll und in ihrer Gesamtlänge frei von verwickelten Getrieben sein muss".

Fortschritt verlangte Mut

Die Ausschreibung fand jedoch nur geringes Echo. Die Idee einer beweglichen Verschlusswalze über die gesamte Länge wurde nach Einholung eines Sachverständigengutachtens als "unausführbar nach dem heutigen Stand der Technik" abgelehnt. Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) ließ sich davon jedoch nicht verunsichern.

So kam es zur Ausführung des Vorschlags des ehemaligen Flussbauamtsrats Ludwig Freytag. Errichtet wurde im Fluss ein 35 Meter langes bewegliches "Überfallwehr zur Erzielung einer entsprechenden Stauhöhe und gleichzeitiger Eismassenabfuhr". Zudem entstand unterhalb des Elefantenbuckels an der Brücke zur Böckleinsinsel (Cramermühle) der Grundablass zur "erforderlichen späteren Öffnung und früheren Schließung".

Eine Neuentwicklung

Beim Grundablass entschied man sich erstmals für eine Neuentwicklung, eine ausgesteifte Zylinderröhre, die auf einer schiefen Ebene in die Höhe gewalzt werden kann. Mit der weltweit ersten Anwendung des Walzenverschlusses wurden die Grundzüge für alle künftigen Walzenwehre festgelegt. Die Verträge zur Fertigung, den Bau und die Montage der Schweinfurter Wehre und des Grundablasses wurden am 8. Juni 1901 unterzeichnet. Am 24. Mai 1902 erfolgte die Übergabe des Grundablasses und ein Jahr danach die der Walzenwehre im Fluss (am 18. Dezember 1903).

Erst 1963 wurden die Schweinfurter Wehre im Rahmen des Flussausbaus zur Großschifffahrtsstraße durch eine Staustufe ersetzt. Der Grundablass an der Cramermühle blieb technisch unverändert. Erhalten ist auch ein seitlicher Antrieb der Walzenwehre im Fluss. Er ist heute Bestandteil des "Technischen Wanderwegs" an der Gutermann-Promenade.