Es war einmal im Winterurlaub. Dietmar Seufert aus Ramsthal entdeckt den Wachauring nahe des niederösterreichischen Städtchens Melk. Er erzählt seinen Freunden davon und sie beschließen, ein Rennsport-Team zu gründen, um an den dortigen Drei-Stunden-Rennen teilzunehmen.

Seufert und seine Mitstreiter Jürgen Dees aus Bergrheinfeld und Rudolf Uhlmann aus Hammelburg müssen lachen, als sie in Uhlmanns Autohaus im Hammelburger Gewerbegebiet sitzen. "Eigentlich kennen wir uns durch Slalom-Rennen. Im Rahmen der Weihnachtsfeier unseres Klubs AC Schweinfurt haben wir gesagt, dass wir das auch mal machen können", berichtet Dees, Chef des Wachau Racing Teams.

Zu viele Vorschriften

Rennen auf deutschem Boden fielen ganz schnell durch's Raster; die Vorschriften sind deutlich schärfer als im Nachbarstaat. Der alte Fiat Brava, den Uhlmann auf dem Hinterhof geparkt hat, bräuchte hierzulande unter anderem einen Wagenpass sowie zur Sicherheit einen Käfig, was die Kosten in die Höhe treiben würde.

Pro Person kostet die Rennfahrer eine Saison etwa 2500 Euro. "Das ist uns der Spaß natürlich wert." So ernst Jürgen Dees auch schauen will, es gelingt ihm nicht. Der 54-Jährige, so scheint es, würde wohl am liebsten in den früheren Alltagswagen eines sorgsamen Vorbesitzers hüpfen und auf dem stets gewässerten Wachauring seine Runden drehen. Eine der ganz besonders anmutenden Regeln, die das Trio von Beginn an fasziniert hat: Am Auto, das einen Saugmotor haben muss, darf nur wenig modifiziert werden - egal, ob es in der 90- oder 150-PS-Klasse an den Start geht.

Am 28. Dezember 2018, gut vier Wochen nach der Weihnachtsfeier, standen sie mit einem Wagen an der Strecke. Dees hatte seinen Slalom-Ersatzteilspender, einen BMW der 3er-Serie, kurzfristig zur Verfügung gestellt und mit seinen Kumpanen fit gemacht. "Oh Gott, da sind wir dann einfach mit Winterreifen angerückt, weil wir dachten, das sei das Beste für Kälte und Nässe. Wir haben da einfach noch nix gewusst und geschaut, dass wir ankommen." Uhlmann, seines Zeichens Fiat-Vertragshändler, muss laut lachen.

Mittlerweile, kurz vor Ende ihrer Premieren-Saison, ist das Team auf einen Brava umgestiegen, der schon zu Zeiten, als er noch häufig auf den Straßen zu sehen war, stets belächelt wurde.

Uhlmann stört das nicht. "Das ist Quatsch. Es passen viele Teile anderer Fiat-Modelle; er hat als Sauger genau die richtige Leistung. Auch das Gewicht ließ sich gut reduzieren, Fahrwerksteile gibt's ebenfalls." An diesen Stellschrauben dürfen die Teams nämlich drehen.

36 Konkurrenten

"Das Ganze soll ja eine Breitensport-Veranstaltung bleiben, deswegen ist ja auch die Motorleistung fix", verdeutlicht Seufert, als er zusammen mit Dees die Reifen des Fiats wechselt, der flugs in die Halle gefahren wurde. Die straßentauglichen Pneus nutzen sich zu schnell ab.

In der Gruppe der etwas schwächeren Fahrzeuge müssen sich Uhlmann, Dees und Seufert mit 36 anderen Teams messen. "Das sind doppelt so viele wie in der 150-PS-Klasse; das macht richtig Laune. Die besten Zehn liegen meist dicht beieinander, innerhalb einer Sekunde."

Dees kramt die Teilnehmerliste heraus. Wohin soll es nun, kurz vor dem Saisonfinale, gehen? "Wir schleichen uns ganz langsam an die Top Zehn ran. Im Qualifying waren wir schon zwei Mal auf dem siebten Platz. Wir lassen nicht locker." Den 57-Jährigen packt der Ehrgeiz. "Wir sind auf Rang 13; nicht alle fahren alle Läufe mit. Da kann noch was gehen - auch wenn der Brava leergeräumt mit 1050 Kilogramm noch 150 Kilo zu schwer ist."

Dass es am Ende nicht ganz so gut läuft, macht den Dreien nichts aus. Trotz der Unterstützung ihres Vereinskameraden Thomas Feierabend und einem weiteren Auto in der 150-PS-Klasse (Rang sieben in der Tageswertung) springt nur Platz 14 im Gesamtklassement heraus. "Das Ganze müssen wir wohl als Lehrjahr verbuchen", gibt Dees zu. Das Ende des Wachau Racing Teams ist das aber sicher nicht. Den Dreien macht es einfach zu viel Spaß, mit Ex-Alltagsautos über den Rundkurs zu brettern.